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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kreml - Krems.

Er starb 2. Juni 1875. Seine wichtigern philosophischen Schriften sind: "System der Philosophie" (Krak. 1849-52, 2 Bde.); "Briefe aus Krakau" (Wilna 1843-55, 3 Bde., wovon der 1. Bd. die Grundsätze der Ästhetik, der 2. und 3. Bd. die Geschichte der künstlerischen Phantasie behandeln). Außerdem schrieb er: "Italienische Reise" (Wilna 1861-64, 5 Bde.) und "Griechische Altertümer" (Pos. 1868). Wie bei andern namhaftern philosophischen Schriftstellern der neuesten polnischen Litteraturperiode, bildet auch für K. das Hegelsche System den Ausgangspunkt.

2) Alfred von, namhafter Orientalist, geb. 13. Mai 1828 zu Wien, studierte daselbst erst Philosophie, dann Rechtswissenschaft, trieb daneben auf eigne Hand Neugriechisch, Arabisch, Hebräisch und Persisch und bereiste 1849-51 mit einem Stipendium der Akademie der Wissenschaften Syrien und Ägypten. Nach seiner Rückkehr erhielt er die Professur des Vulgärarabischen am Wiener Polytechnikum, die er indessen schon im Mai 1852 wieder niederlegte, um als erster Dolmetsch des österreichischen Konsulats nach Ägypten zurückzukehren. Er wurde 1858 Vizekonsul, 1859 Konsul in Kairo, erhielt dann 1862 das Konsulat in Galatz, 1870 das in Beirut und wurde 1872 zum Ministerialrat und Referenten für das Konsularwesen im Ministerium des Auswärtigen zu Wien ernannt sowie 1876 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften daselbst erwählt. Nachdem er seit Mai 1876 als Mitglied der ägyptischen Staatsschuldenkommission wieder in Kairo verweilt hatte, kehrte er im Frühjahr 1880 in das Wiener Ministerium des Äußern zurück und wurde einige Monate später zum österreichischen Handelsminister ernannt, welche Stelle er bis Mitte Februar 1881 bekleidete. Kremers Schriften sind meistenteils geographischer und ethnographischer Natur, so namentlich die "Beiträge zur Geographie des nördlichen Syriens" (Wien 1852); "Mittelsyrien und Damaskus" (das. 1853); "Topographie von Damaskus" (das. 1855); "Ägypten. Forschungen über Land und Volk" (Leipz. 1863); "Über die südarabische Sage" (das. 1866); "Geschichte der herrschenden Ideen des Islams" (das. 1868); "Kulturgeschichtliche Streifzüge auf dem Gebiet des Islams" (das. 1873). In weitern Kreisen machte ihn besonders seine geistreiche "Kulturgeschichte des Orients unter den Kalifen" (Wien 1875-77, 2 Bde.) bekannt. Außerdem veröffentlichte er die arabischen Texte einer "Beschreibung Afrikas aus dem 12. Jahrhundert" (Wien 1852), Wakidys "Geschichte der Feldzüge Mohammeds" (Kalk. 1855), die "Himjarische Kasideh" (Leipz. 1865) sowie eine deutsche Bearbeitung des "Diwans des Abu-Nuwas" (Wien 1855); "Beiträge zur arabischen Lexikographie" (das. 1883-84, 2 Hefte); "Über meine Sammlung orientalischer Handschriften" (das. 1885). Die slawisierende und klerikale Richtung in der innern Politik Österreichs bekämpfte er in der Schrift: "Die Nationalitätsidee und der Staat" (Wien 1885).

3) Gerhard, Geograph, s. Mercator.

Kreml (russ.), ein befestigter, mit Wall und Mauer umgebener Stadtteil, meist in der Mitte der Stadt. Berühmt ist namentlich der K. in Moskau (s. d.).

Kremmen (Cremmen), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Osthavelland, hat ein Amtsgericht, Dampfziegelei und (1885) 2800 meist evang. Einwohner. K. brannte 2. Mai 1840 fast ganz nieder. Auf dem nahen "Kremmer Damm" (Steinkreuz, von König Friedrich Wilhelm IV. 1845 errichtet) verlor der Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg 24. Okt. 1412 eine Schlacht gegen die Pommern.

Kremnitz (ungar. Körmöczbánya), königliche freie Bergstadt im ungar. Komitat Bars und Station der Ungarischen Staatsbahnlinie Budapest-Rutka, liegt in einem tiefen, engen, von hohen Bergen eingeschlossenen Thal. Die Stadt, deren innerer Teil samt dem Schloß von einer Mauer umgeben ist und nur 39 Häuser zählt, hat (1881) 8550 meist deutsche kath. Einwohner, eine gotische Schloß-, eine schöne Pfarrkirche und 3 andre Kirchen, zahlreiche Kapellen, ein Franziskanerkloster, 4 Spitäler, Fabriken für Papier, Pfeifen, Steingut, Ockergelbfarbe und ist der Sitz eines Berg- und Münzamtes und Bezirksgerichts. Die Bedeutung der Stadt, welche eine Staats-Oberreal- und eine Frauen-Industrieschule besitzt, beruht auf ihrem Gold- und Silberbergbau. 1883 wurden aus 6 metr. Ztr. Erz und 194,100 metr. Ztr. Pocherz 26 kg Gold und 118 kg Silber gewonnen. Im Scheidelaboratorium des Münzamtes wurden 1879 erzeugt: Feingold 1861, Feinsilber 17,547 kg; geprägt wurden 2,525,616 Gulden in Gold, 25,755,927 Guld. in Silber und 101,009 Guld. in Scheidemünzen (zusammen 36 Mill. Münzen). Es bestehen daselbst 12 Schächte mit 7500 m Eisenbahnen und 15 Pochwerke mit 411 Pochstempeln, die, wie auch die Schachtförderungsmaschinen, durch Wasserkraft betrieben werden, zu welchem Behuf das Wasser aus dem Thuróczer Komitat auf eine Strecke von mehr als 20 km zugeführt wird. Außerdem hat K. eine Trinkwasserleitung, deren Hauptgraben 2308 m lang ist. Die Bewohner der zur Stadt gehörigen 7 Dörfer (ca. 4600) sind meist Bergleute und vorwiegend deutscher Abstammung. Für das hohe Alter der Stadt sprechen die am nahen Berg Smrcnik in eine Felsenwand eingemeißelten Runeninschriften. - Laut Urkunden bestand K. schon unter Stephan dem Heiligen und wird nächst Ofen die älteste königliche Stadt genannt. 1100 (unter König Koloman) wurde K. zur königlichen Freistadt erhoben. Die Slawen, welche man für die Gründer der Stadt hält, wurden im 14. und 15. Jahrh. durch eingewanderte Sachsen gänzlich verdrängt.

Kremnitzer Weiß, s. v. w. Kremser Weiß, s. Bleiweiß.

Kremomēter, s. Milch.

Krempe, Stadt in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Steinburg, in der Kremper Marsch und an der Linie Elmshorn-Heide der Holsteinischen Marschbahn, hat ein Amtsgericht, Schiffahrt und (1885) 1202 evang. Einwohner. K. hatte bereits 1260 lübisches Recht und war eine wichtige Festung, welche Tilly 1628 nach langer Belagerung eroberte, sank aber durch die Anlage von Glückstadt.

Krempelmaschine, Krempeln, s. Spinnen.

Krempersystem, s. Krümpersystem.

Krems, Stadt in Niederösterreich, am Einfluß der Krems in die Donau und an der Staatsbahnlinie Absdorf-K., hat 4 Vorstädte, die durch 2 Brücken, darunter eine Kettenbrücke, mit der Stadt verbunden sind, 4 Kirchen, ein schönes Rathaus, ein Obergymnasium, eine Oberreal-, eine Handelsschule, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Winzerschule, ein Piaristenkollegium, ein Institut der Englischen Fräulein, eine Sparkasse, eine Gasanstalt, ein Theater und ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft u. eines Kreisgerichts. Die Zahl der Einwohner von K. beträgt mit Militär (1880) 11,042. Sie betreiben hauptsächlich Weinbau und Handel mit Wein und Obst, wofür die Eisenbahn und die Donaudampfschiffahrt die Verkehrswege bilden; auch die Fabrikation von Senf und Bier, namentlich aber die von Leder, beschäftigt zahlreiche Arbeitskräfte. In der Nähe eine große Kaserne mit Gartenanlagen und dem Denkmal des Generals