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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kreuz (Sternbild) - Kreuzdrehe.

K. unterscheidet sich von dem einfachen nur dadurch, daß seine Schwinge nicht über den Mittelpunkt des Kreuzes hervorragt. Das Viertelkreuz ist ein rechtwinkeliges Knie. - Beim Pferd heißt K. der obere Teil des Hinterkörpers, welcher von dem Kreuzbein und den Darmbeinen gebildet und als ein Teil der Kruppe (s. d.) betrachtet wird; K. beim Menschen, s. Kreuzgegend. - Im Seewesen benutzt man K. als Vorsilbe für alle Takelungsteile, welche auf dreimastigen Schiffen zu dem hintern Mast in Beziehung sind, der selber Kreuzmast (auch Besahn) heißt, z. B. Kreuzmars, Kreuzwanten etc.

Kreuz, Sternbild, s. Südliches Kreuz.

Kreuz, ein zur Gemeinde Lukatz gehöriger wichtiger Eisenbahnknotenpunkt im preuß. Regierungsbezirk Bromberg, Kreis Czarnikau, an den Linien Berlin-Schneidemühl und Posen-Stargard der Preußischen Staatsbahn, mit 430 Einw.

Kreuzabnahme Christi, ein häufiger Gegenstand der bildenden Kunst, der vornehmlich durch Daniel da Volterra (in Santa Trinità de' Monti zu Rom), Rubens (Kathedrale zu Antwerpen) und Rembrandt (Radierung) eine für verschiedene Kunstepochen charakteristische Darstellung erfahren hat. Für die Darstellung der K. durch die ältere Kunst geben die Reliefs der Externsteine (s. Tafel "Bildhauerkunst V", Fig. 3) und von Nicola Pisano (Fig. 9) typische Beispiele.

Kreuzaufrichtung Christi, der von der bildenden Kunst, namentlich in cyklischen Darstellungen des Leidens Christi (Passion), geschilderte Moment, wo das Kreuz mit dem daran genagelten Heiland vom Erdboden durch die Schergen emporgerichtet wird. Die berühmteste Darstellung rührt von Rubens (Kathedrale zu Antwerpen) her.

Kreuzbaum, s. v. w. Feldahorn, s. Ahorn.

Kreuzbeeren, s. Rhamnus.

Kreuzbefruchtung, s. Darwinismus, S. 567, und Blütenbestäubung.

Kreuzbein (heiliges Bein, Os sacrum), derjenige Teil der Wirbelsäule (s. d.), mit welchem sich die Darmbeine zur Herstellung eines Stützpunktes für die Einlenkung der hintern Extremität verbinden. Beim Menschen besteht es aus 5 verschmolzenen, aber noch deutlich erkennbaren Wirbeln; von diesen stehen nur die beiden ersten, die sogen. Iliosakral- oder echten Kreuzbeinwirbel, in enger Beziehung zu den Darmbeinen, während die drei übrigen eigentlich Schwanzwirbel sind. Bei den Zahnarmen unter den Säugetieren sind 8, bei den Vögeln bis zu 23 Wirbel und zwar sowohl Brust- als Lenden- und Schwanzwirbel zum K. vereinigt; bei andern Säugetieren sowie bei Amphibien und Reptilien existiert häufig nur ein einziger Kreuzbeinwirbel. Beim Menschen fehlt am fünften Wirbel der dorsale Bogen, mithin liegt dort das Rückenmark nicht in Knochen eingeschlossen. S. Tafeln "Skelett" und "Bänder des Menschen".

Kreuzberg, 1) (Hoher oder Heiliger K.) einer der höchsten Berge der Rhön, bei Bischofsheim, 930 m hoch, mit breitem, kahlem Gipfel, auf dem ein 26 m hohes hölzernes Kreuz steht, zum Gedächtnis des Kreuzes, das der heil. Kilian, der Apostel Frankens, schon 668 hier aufgepflanzt haben soll. Am westlichen Abhang, nahe dem Gipfel, liegt ein 1644 begründetes Franziskanerkloster, ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Der K. wird seines lohnenden Rundblicks wegen von Reisenden viel besucht. - 2) Sandhügel am südlichen Ende von Berlin, 62 m ü. M., 34 m über der Spree, mit einer gotischem Spitzsäule aus Gußeisen, 1821 zum Andenken an die Befreiungskriege errichtet. Südlich davon das Tempelhofer Feld, der große Exerzierplatz der Berliner Garnison.

Kreuzblatt, s. Crucianella.

Kreuzblech, s. v. w. stärkste Sorte Weißblech.

Kreuzblume, s. Polygala.

Kreuzblume, die auf den Spitzen von Türmen, Giebeln und Fialen mittelalterlicher, besonders gotischer, Bauwerke, insbesondere Kirchen, angebrachten kreuzförmigen Blätterknäufe, welche auf Türmen, Fialen und frei stehenden Giebeln meist vier, auf anliegenden Giebeln meist zwei Arme haben, weshalb man Helm- und Giebelkreuzblume unterscheidet. In dem romanischen und frühgotischen Stil erscheint die erstere als aufblühende Pflanzenknospe, die letztere als dreiteiliges Blatt, Formen, welche in der spätgotischen Zeit reicher, aber unklarer werden. (S. Abbildung.) Die Kreuzblumen hoher Türme, welche, um mit diesen im Verhältnis zu stehen, riesige Dimensionen erhalten müssen, werden, wie diejenigen vom Kölner Dom, aus mehreren Quadern zusammengesetzt und durch eiserne Klammern zusammengehalten. Die K. des Kölner Doms ist 6,25 m hoch und wiegt 46,000 kg.

^[Abb.: Kreuzblume.]

Kreuzblütler, s. Kruciferen.

Kreuzbrassen, s. Takelung.

Kreuzbrunnen, s. Marienbad.

Kreuzburg (Creuzburg), 1) Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, an der Stober, Knotenpunkt der Linien Breslau-Tarnowitz, K.-Tarnowitz und Posen-K. der Preußischen Staatsbahn, 209 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Pfarrkirche, ein Amtsgericht, ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar, ein Waisenhaus, eine Provinzial-Irrenanstalt, 2 Krankenhäuser, Dampfmahlmühlen, eine Dampfsägemühle, eine Zuckerfabrik, Maschinen-, Holzstift-, Faßdauben- und Dachpappenfabrikation, Gerberei und (1885) mit Garnison (eine Eskadron Dragoner Nr. 8) 6578 meist evang. Einwohner. K., das schon 1252 Stadtrechte besaß, gehörte nebst dem Kreis ehemals zum Fürstentum Brieg. Es ist Geburtsort des Dichters Gustav Freytag. - 2) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Preußisch-Eylau, an der Pasmar, hat ein Amtsgericht, eine Schloßruine und (1885) 2010 fast nur evang. Einwohner. - 3) Stadt im weimar. Verwaltungsbezirk Eisenach, an der Werra und der Eisenbahn K.-Eisenach, hat ein Schloß, Gips- und Sandsteinbrüche, eine Solquelle und (1885) 1814 evang. Einwohner.

Kreuzdorn, s. Rhamnus.

Kreuzdrehe, bei jungen Schafen, Jährlingen, eine durch Entwickelung des Drehwurms (Taenia coenurus) im Rückenmark, meist im Lendenstück desselben, bedingte Krankheit. In der Regel wandert dieser Wurm ins Gehirn ein und erzeugt dann die Drehkrankheit (s. d.). Als vorzüglichste Erscheinung zeigt sich ein Hin- und Herschwanken mit dem Hinterteil; diese Schwäche steigert sich bis zur vollständigen Lähmung desselben, und endlich gehen die Tiere an Erschöpfung zu Grunde. Von der Drehkrankheit unterscheidet sich die K. durch das volle Bewußtsein und das Fehlen drehender Bewegungen, von der Traberkrankheit durch das Fehlen des bei dieser vorhandenen Juckreizes namentlich in der Kreuzgegend, welcher die Tiere veranlaßt, die juckenden Stellen zu scheuern und mit den Zähnen zu kneifen. Von einer