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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kuangsi; Kuangtschoufu; Kuangtung; Kuara; Kuba; Kuban; Kubangebiet

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Kuangsi - Kubangebiet.

die Vormundschaft von Tschean gestellt, Witwe des am 21. Aug. 1861 verstorbenen Kaisers Hienfong. Diese Dame bewies als Regentin und wirkliche Beherrscherin von China große Klugheit; ihr Mitte April 1881 erfolgter Tod beraubte das Reich eines seiner befähigtsten Ratgeber. Die Geschäfte leitet jetzt Prinz Kung (Kong), Bruder von Hienfong und Schwager der Verstorbenen, ein älterer Herr, dem jedoch große Erfahrungen zur Seite stehen. Prinz Kung ist seit 1860 Mitglied des Tschun-tschi-schu oder großen Staatssekretariats, führt den Vorsitz im Tsungli Jamen oder Auswärtigen Amt und ist als solcher Reichskanzler; jetzt vereinigt er mit dieser hohen Stellung die Würde als Reichsverweser.

Kuangsi (Kwangsi), Provinz Südchinas, zwischen Hunan und Kueitschou im N., Jünnan im W., Tongking im SW., Kuangtung im O. und SO., 201,640 qkm (3662 QM.) groß mit (1882) 24,534,118 Einw., ein bergiges und dichtbewaldetes, im N. vom Nanschan begrenztes Land, welches der Sikiang (im Oberlauf Hungschui genannt) in seiner ganzen Länge von W. nach O. durchzieht. An der Nordgrenze wohnen Miaotse und andre Reste der Urbewohner des Landes. Die Industrie beschäftigt sich mit Seiden- und Baumwollweberei. Hauptprodukte sind Holz, Indigo, Zucker, Thee und Kassie. Die Hauptstadt Kueilin liegt im NO. S. Karte "China".

Kuangtschoufu, Stadt, s. Kanton.

Kuangtung (Kwangtung), Küstenprovinz des südlichen China, nach S. eine Halbinsel (Luitscheu) zur Insel Hainan vorstreckend, 233,728 qkm (4244,7 QM.), einschließlich Hainans 269,923 qkm (4902 QM.) groß mit (1882) 29,706,249 Einw. und eine der dichtest bevölkerten Strecken des Reichs bildend, umfaßt das Gebiet des untern Sikiang, der mit dem von N. her zufließenden Pekiang und dem von O. kommenden Tungkiang ein durch zahllose Kanäle durchschnittenes, äußerst fruchtbares Delta bildet. Trotz der zahlreichen die Provinz durchziehenden Gebirgsketten gehört diese wegen der fruchtbaren Ebenen des Delta und des Niederlaufs einiger kleinerer Ströme zu den reichsten Produktionsgebieten Chinas. In fast allen Teilen der Provinz, besonders aber im Deltaland, werden die besten Sorten Reis gebaut; berühmt ist ferner die Seidenkultur Kuangtungs, die hauptsächlich in den Ebenen zwischen Kanton und Macao betrieben wird. Ausgedehnte Zuckerplantagen finden sich an den Ufern der zahlreichen Ströme, namentlich des Tungkiang, sowie auf der gänzlich flachen Halbinsel und den Ebenen im NO. der Insel Hainan. Auch am Theehandel Chinas nimmt K. einen hervorragenden Anteil. Die Landwirtschaft Kuangtungs wendet sich mit Vorliebe den Erzeugnissen des Handels zu. Tabak, Fächer (das Produkt der Fächerpalme, Chamaerops excelsa), Matten etc. beschäftigen nächst Thee und Seide den Landmann mehr als die Bedürfnisse der eignen Bevölkerung, die nicht selten mit dem Erlös des Handels aus andern Provinzen bezogen werden (vgl. F. Hirth, China als Produktions- und Handelsgebiet, in der "Österreichischen Monatsschrift für den Orient" 1877). Man unterscheidet als besondere Bevölkerungsgruppen, deren jede ihren eignen, der andern unverständlichen Dialekt spricht: die Punti, d. h. ursprünglich Angesessene, oder Kantonesen; die Hakka, d. h. Fremde, von Norden her Eingewanderte; die Hoklo an der Grenze von Fukian, mehrere Stämme der Miaotse in den unzugänglichen Gebirgen der Nordwestgrenze und die Li, den vermutlichen Rest der vor den Chinesen urangesessenen Bevölkerung Kuangtungs, jetzt nur noch im Innern von Hainan anzutreffen. Hauptstadt ist Kuangtschoufu oder Kanton (s. d.). Zu K. gehören als Vertragshäfen außer Kanton Swatau an der Ostküste, Kiungtschau auf Hainan und Pakhoi am Busen von Tongking. Von den Chinesen wird auch Macao als zum Gebiet von K. gehörig betrachtet. S. Karte "China".

Kuara (Quorra), Fluß, s. Niger.

Kuba, Kreisstadt im russ. Gouvernement Baku in Kaukasien, an der Kubinka, liegt in einer schönen, fruchtbaren Gegend, 621 m hoch, ist aber ein schmutziger Ort mit elenden Gebäuden, hat eine griechisch-katholische und eine armeno-gregorian. Kirche, 8 jüd. Synagogen, eine sunnitische und 2 schiit. Moscheen und (1884) 13,429 Einw. Die Industrie beschränkt sich auf Handweberei von Seide und Wolle, Färberei und Gerberei. Der Kreis K., am nördlichen Abhang des Kaukasus gelegen, liefert außer etwas Eisen und Blei eine bedeutende Menge an Früchten, Krapp, Tabak, Wein, Seide und der Wurzel der hier wild wachsenden Isatis tinctoria in den Handel.

Kuban (Kubanj, bei den Alten Hypanis), Fluß in Kaukasien, entsteht aus zahlreichen Bergquellen, aus dem Gletscher des Elbrus in 4246 m Höhe, durchströmt als wilder Gebirgsbach den Nordabhang des Kaukasus in nördlicher Richtung, wendet sich dann nach W. und fällt, ungeheure Sümpfe bildend, in die Kisiltaschbai des Schwarzen Meers, während er zugleich mehrere Arme durch weite Sümpfe in das Asowsche Meer entsendet. Seine Gesamtlänge beträgt 810 km, die Breite wächst von 21 m bis zu 213 m im sehr fischreichen Unterlauf, übersteigt jedoch 1 km zur Zeit der Überschwemmungen, welche dreimal jährlich eintreten. Die bedeutendsten Nebenflüsse sind: die Laba, Bjelaja, Urup, der Große und Kleine Selentschuk. Bis zur Mündung der Laba ist der K. für größere Fahrzeuge schiffbar.

Kubangebiet (Kubanscher Landstrich), Provinz der russ. Statthalterei Kaukasien, begrenzt im SW. vom Kaukasus, im O. vom Terekschen Landstrich und dem Gouvernement Stawropol, im N. von dem Dongebiet, im W. vom Asowschen Meer, hat ein Areal von 94,523 qkm (1717 QM.) mit (1883) 1,107,922 Einw. Die Provinz wird in ihrer ganzen Ausdehnung von O. nach W. vom Fluß Kuban (s. d.) durchzogen und scheidet sich in zwei streng gesonderte Gebiete: das eine im S. des Kuban, gebirgig und waldreich, bis zur sumpfigen Flußebene, das andre im N. des Flusses, kahl, von Steppen, Seen und Sümpfen erfüllt. Diese Seen und Limane nehmen 19,484 qkm (354 QM.) vom Gesamtareal der Provinz ein. Der geringe Ackerbau liefert noch nicht hinreichende Mengen von Getreide für die Bevölkerung, welche auf beiden Seiten des Kuban, namentlich aber in den Steppen, hauptsächlich Viehzucht (Pferde, Rinder, Schafe, Kamele) treibt; doch ist der Absatz der Tiere schwierig. Ausgeführt werden Wolle und Leder. Die ergiebige Fischerei im Kubanfluß wie in den Seen und Limanen ist in den Händen der Kosaken; Salz wird aus den Lagunen gewonnen. Die Provinz wurde aus dem Gebiet der Kosaken des Schwarzen Meers, dem Lande der Tscherkessen und Abchasen und einem Teil der Kabarda gebildet, und diese Volksstämme, zu denen man noch 75,000 an den Ufern des Kuban nomadisierende Nogaier, einige Griechen, Armenier, Juden, zwei deutsche Kolonien am Kuban zu zählen hat, bilden noch heute die Hauptmasse der Bevölkerung. Nach der russischen Okkupation wanderten viele Tscherkessen nach der Türkei aus, die russische Regierung führte dagegen sehr viele Kosaken (s. d.) und andre Russen