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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kuckucksbienen - Kudowa.

Raupen, verschmähen aber auch kleine Wirbeltiere nicht und rauben Eier aus den Nestern. Sie brüten nicht selbst, sondern legen ihre Eier meist einzeln in die Nester andrer Vögel, aus welchen sie dabei ein Ei entfernen, welches öfters verschlungen wird. Die Erziehung eines Kuckucks hat regelmäßig bei denjenigen Arten, welche ihre Eier in die Nester kleinerer Vögel legen, immer die Vernichtung der rechtmäßigen Brut zur Folge. Unser K. (Gauch, C. canorus L., s. Tafel "Klettervögel") ist 36 cm lang, 63 cm breit, oben aschgrau, auf der Unterseite grauweiß, Brust und Bauch mit schwärzlichen Querstreifen, auf dem Schwanz weiß gefleckt; das Auge ist hochgelb, der Schnabel schwarz, die Schnabelwurzel und der Fuß gelb. Er bewohnt den Norden der Alten Welt, besonders höhere Breiten, steigt auch im Gebirge bis zur Schneegrenze und wandert südlich bis zu den Sundainseln und Südwestafrika. Bei uns weilt er von Mitte April bis Anfang September. Obwohl Baumvogel, findet er sich doch auch auf kahlen Strecken, welche reich an kleinen Vögeln sind, daher am häufigsten in Mischwaldungen und wasserreichen Niederungen. Er behauptet ein großes Revier, ist stets in Bewegung, fliegt zierlich, schnell, falkenähnlich, bewegt sich aber auf dem Boden ungeschickt, schreit viel und ist ungemein gefräßig. Das Weibchen durchfliegt die Reviere mehrerer Männchen, gibt sich jedem hin und lebt nie mit einem einzelnen in längerer Gemeinschaft; doch wird ihm das Revier, in welchem es sein erstes Ei untergebracht hat, zur engern Heimat, in die es jährlich wie das Männchen zurückkehrt. Gegen andre Vögel verträglich, verfolgt der K. seinesgleichen mit blinder Wut, weil er in jedem einen Nebenbuhler sieht. Er selbst wird von den kleinen Vögeln, denen er seine Eier aufbürdet, beständig angefeindet. Man kennt ca. 70 Vogelarten, welche gelegentlich Kuckuckseier ausbrüten; am häufigsten aber werden die Nester der Schilfsänger, Stelzen, Grasmücken und Pieper vom K. heimgesucht. Die Kuckuckseier sind verhältnismäßig klein, kaum größer als die des Haussperlings, und immer der Färbung der Eier, mit welchen sie zusammen ausgebrütet werden sollen, sehr ähnlich (s. Tafel "Eier I"). Wahrscheinlich legt jedes Weibchen nur in die Nester einer und derselben Art, wahrscheinlich derjenigen, in deren Nest es aufgewachsen war, und nur im Notfall in die Nester andrer Vögel (wo dann das Kuckucksei durch abweichende Färbung auffällt), in jedes Nest nur ein Ei, und wenn sich bereits Eier des Pflegers in dem Nest befinden. Wenn möglich, setzt sich das legende Kuckucksweibchen auf das Nest, sonst aber auch auf die Erde und trägt in diesem Fall das Ei mit dem Schnabel in das Nest. Es kehrt auch wiederholt zu dem Nest zurück und soll Eier und selbst Junge, niemals aber ihre eignen hinauswerfen. Nach andern Beobachtern wirft es nur gelegentlich beim Legen ein Ei heraus. Man nimmt an, daß das Weibchen nach je 6-8 Tagen ein Ei lege. Der junge K. wächst schnell, bedarf vieler Nahrung, entzieht diese der rechtmäßigen Brut, welche er schließlich aus dem Nest herauswirft, wird aber trotzdem von den Pflegeeltern mit der größten Aufopferung ernährt. Über die Ursache des Nichtbrütens ist nichts bekannt. In der Gefangenschaft wird der K. leicht zahm. In Italien und Griechenland erlegt man den K. auch für die Küche. In der Mythologie ist der K. der Vogel des Frühlings, der Verkünder der heißen Jahreszeit, der ersten Gewitter, oft auch ein phallisches Symbol; er sitzt auf dem Zepter der Hera, und sein Ruf galt als gutes Vorzeichen für Heiratslustige. Er ist auch der treulose Ehemann, der Spötter, anderseits der Ehemann einer treulosen Frau (cocu). Da niemand sieht, wie der K. verschwindet, so ist er unsterblich, hat alles gesehen und weiß alles, daher prophezeit er die Lebensdauer.

Kuckucksbienen, s. v. w. Schmarotzerbienen.

Kuckucksblume, s. v. w. Knabenkraut, s. Orchis; auch s. v. w. Lychnis flos Cuculi oder Cardamine pratensis.

Kuckucksblütler, s. Orchideen.

Kuckucksklee, s. Oxalis.

Kuckucksknecht (Kuckucksküster), s. v. w. Wiedehopf.

Kuckucksspeichel, s. Cikaden.

Kuckucksvögel, Ordnung der Vögel, welche nach Huxley dadurch charakterisiert ist, daß die Gaumenfortsätze der Oberkieferknochen sich in der Mittellinie direkt oder durch eine Verknöcherung der Nasenscheidewand verbinden. In allen übrigen Charakteren zeigen sich große Schwankungen, und die Ordnung ist deshalb nicht allgemein angenommen, vielmehr mit der der Klettervögel verschmolzen worden.

Küddow (Küdde), rechter Nebenfluß der Netze, entspringt auf der pommerschen Seenplatte, durchströmt den Vilmsee bei Neustettin, fließt südlich durch große Waldungen, an Schneidemühl vorbei, und mündet nach 105 km langem Lauf bei Usch in Posen.

Kudenseer Kanal, Kanal in Holstein, ist 15 km lang und verbindet die Holstenaue bei Burg mit der Elbe bei der Bütteler Schleuse westlich von St. Margarethen.

Kuder, s. v. w. Wildkatze, s. Katze.

Kudlich, Hans, österreich. Politiker, geb. 1823 zu Lobenstein in Österreichisch-Schlesien, studierte die Rechte und wurde 1848 in den österreichischen Reichstag gewählt, wo er zu den Führern der äußersten Linken gehörte und 29. Juli zuerst die Grundentlastung und Aufhebung des Unterthänigkeitsverhältnisses des Bauernstandes, dem er durch seine Geburt selbst angehörte, beantragte. Nachdem er hierdurch eine große Popularität erlangt hatte, trat er an die Spitze der Volksbewegung zu Wien im Oktober 1848, welche er jedoch vergeblich von blutigen Ausschreitungen abzuhalten und dann ebenso vergeblich durch eine Erhebung der Bauern zu unterstützen suchte, und flüchtete nach der Auflösung des Reichstags zu Kremsier nach Deutschland, wo er sich 1849 am Aufstand der Pfalz beteiligte und in der dort eingesetzten provisorischen Regierung Sekretär im Justizministerium wurde, während man ihn in Österreich in contumaciam zum Tod verurteilte. Darauf begab er sich nach der Schweiz, wo er sich mit der Schwester Karl Vogts vermählte, und endlich nach Amerika, wo er sich als Arzt in Hoboken bei New York niederließ. 1872 kehrte er nach Österreich zurück und erhielt von der Stadt Wien das Ehrenbürgerrecht. Er schrieb: "Rückblicke und Erinnerungen" (Wien 1873, 3 Bde.).

Kudowa (böhm. Cudowa), Bade- und klimatischer Kurort im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Glatz, am Fuß der Heuscheuer, 402 m ü. M., hat ein belebendes, stärkendes, dabei aber mildes Klima und (1885) 675 meist kath. Einwohner. Die Heilquellen (11° C.), altberühmte Stahlquellen mit starkem Kohlensäuregehalt und eine Eisenarsenquelle (die einzige Deutschlands), erweisen sich wirksam gegen Nervenschwäche, Rückenmark- und Herzleiden, Blutleere, Bleichsucht, Magenschwäche etc. und wurden 1886 von 1489 Kurgästen besucht. K. ist ursprünglich eine von böhmischen Protestanten angelegte Kolonie des Dorfs Deutsch-Tscherbenei und erhielt 1792 die ersten Badeeinrichtungen. Vgl. Nentwig,