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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kümmerling - Kumys.

Kümmerling, s. Gurke.

Kümmerlingskraut, s. v. w. Dill oder Thymian.

Kümmernis, die heilige (auch Wilgefortis [virgo fortis?] oder St. Gehilfen genannt), eine besonders in Süddeutschland und Tirol vielverehrte Art Heilige, dargestellt als eine am Kreuz hangende Jungfrau in langem Gewand, mit mächtigem Bart, einer Krone auf dem Haupt und einem goldenen Pantoffel an dem einen Fuß, während der andre bloß ist; am Fuß des Kreuzes ein knieendes Geigerlein, in der Rechten den andern Pantoffel der Jungfrau haltend. Dieselbe war nach der Legende die Tochter eines heidnischen Königs von Niederland, die sich Christus gelobt hatte, und welcher Gott, um ihre Freier zurückzuschrecken, auf ihre Bitte einen Bart wachsen ließ. Als sie dann auf des ergrimmten Vaters Befehl ans Kreuz geschlagen ward, spielte ein des Wegs ziehendes Geigerlein aus Mitleid ihr das "Kreuzlied" vor; getröstet warf sie ihm zum Dank einen ihrer goldenen Pantoffeln zu und verschied. Das Wesen dieser rätselhaften Heiligen ist bisher noch nicht endgültig gedeutet worden. Vgl. Dietrichson, Christusbilledet (Kopenh. 1880).

Kumoelf, Fluß im westlichen Teil von Finnland, bildet den Ausfluß des westtavastländischen Wassersystems (Näsijärvi, Pyhäjärvi, Roine u. a.), fließt in westlicher und nordwestlicher Richtung und fällt einige Meilen von Björneborg in den Bottnischen Meerbusen. Der Fluß dient zum Flößen der Waldprodukte aus dem innern Land. An der Mündung findet bedeutender Fischfang statt.

Kumt (Kummet), ein von zwei unten etwas breiten, oben schmälern Holzbügeln, den Kumthörnern, zusammengesetztes und mit Lederpolster oder gepolsterter Leinwand versehenes Geschirr, welches den Pferden über den Hals gelegt wird. Mittels der Kumthaken sind an dem K. die Zugstränge befestigt. Mit großem Vorteil sind verstellbare Kumte eingeführt worden, welche sich der Gestalt jedes Pferdes leicht und vollständig anpassen lassen. Die Konstruktion von F. Martens u. Komp. in Stralsund ist für die deutsche Armee angenommen worden.

Kumtapoh (Quamtapoh), Stadt in Westafrika, früher zum Aschantireich gehörig, 120 km nordöstlich von Kumassi, mit 15,000 Einw., welche Zahl zur Zeit der großen Karawanenzüge zu 40,000 anwächst, früher Hauptmarkt für Elfenbein in diesem Teil Westafrikas, jetzt für Kolanüsse und Sklaven. Der Ort wurde 1884 von Kapitän Kirby besucht.

Kumüken (Kumyken), türkisch-tatar. Volksstamm im russischen Terekgebiet in Kaukasien, zwischen den Flüssen Terek und Sulak längs des Kaspischen Meers bis nach Derbent hin wohnhaft, 76,284 Köpfe stark. Nachdem sie sich bereits 1559 Rußland unterworfen, 1604 aber wieder befreit hatten, unterwarfen sie sich 1722, als Peter I. seinen Zug nach Persien ausführte, von neuem, worauf in ihrem Lande die Festung zum heiligen Kreuz erbaut wurde. Jetzt sind sie ein friedliches Volk. Die Beschäftigung der K. besteht in Bienen- und Viehzucht (namentlich Schafe). Auch werden Reis, Hirse, Weizen, seit jüngerer Zeit auch Krapp und Wein gebaut. Die Männer verfertigen Waffen, die Frauen weben aus Gold- und Silberstoffen Besätze und Bänder. Alle K. sind Sunniten.

Kumulieren (lat.), anhäufen, häufen; Kumulation, Häufung; eine rednerische Figur, welche den allgemeinen Begriff dadurch in ein lebendiges Bild verwandelt, daß sie ähnliche Begriffe häuft. Über Cumulatio actionum, Klagenhäufung, s. Klage; kumulativ, häufend, häufig.

Kumunduros (Komunduros), Alexandros, griech. Staatsmann, geb. 1814 in Messenien aus der mainotischen Familie Trubakides, besuchte Gymnasium und Universität zu Athen, mußte aber wiederholt wegen gänzlicher Mittellosigkeit seine Studien unterbrechen und sein Leben als Schreiber fristen. 1841 nahm er am Aufstand in Kreta teil und war während des griechischen Septemberaufstandes 1843 Privatsekretär des Generals Th. Grivas. Hierauf ließ er sich zu Kalamata in Messenien 1845 als Advokat nieder, heiratete eine Frau aus der Familie Mauromichalis und ward von der Regierung zum Staatsanwalt in Kalamata ernannt. 1851 zum Abgeordneten gewählt, nahm er durch seine politische Begabung und seine hervorragende Beredsamkeit bald eine bedeutende Stellung in der Kammer ein, ward 1855 zum Präsidenten derselben gewählt und 1856 zum erstenmal Minister und zwar der Finanzen unter Miaulis. Während er bis zur Vertreibung König Ottos (1862) sich der gemäßigt-liberalen Partei unter Zaimis angeschlossen hatte, ward er unter der Regierung Georgs Führer der konservativen Partei und wiederholt als solcher Ministerpräsident. Streng konstitutionell, suchte er eine regelmäßige Entwickelung des parlamentarischen Systems innerhalb der gesetzlichen Schranken herbeizuführen; nach außen erstrebte er die Vergrößerung Griechenlands, ohne sich der Gefahr eines Kriegs auszusetzen, und erreichte diese auch während seines letzten Ministeriums durch Erwerbung fast ganz Thessaliens und eines Teils von Epirus. Darauf von Trikupis 15. März 1882 gestürzt, starb er 27. Febr. 1883 in Athen. Seine große Popularität zeigte sich bei seinem Begräbnis. Vgl. Bikélas, Coumoundouros (a. d. Griech., Montpellier 1884).

Kumys, gegorne und noch in Gärung befindliche Stutenmilch, ein geistiges Getränk, welches den Nomadenvölkern des südöstlichen und südlichen Rußland während des Sommers fast ausschließlich als Nahrung dient. Zur Darstellung des K. versetzt man die frische Milch zunächst mit altem K., welcher als Ferment dient; weniger gut mit einem Gemisch aus Mehl, Honig und Bierhefe. Durch die Einwirkung des Ferments geht der Milchzucker der Milch zunächst in Fruchtzucker über, und dieser unterliegt dann der Gärung, d. h. er zerfällt in Alkohol und Kohlensäure. Hierbei ist auf die Temperatur zu achten, die gärende Milch von Zeit zu Zeit zu quirlen und in einem bestimmten Stadium des Gärungsprozesses auf Flaschen zu füllen. Ein zwei Tage alter K. enthielt außer Wasser: 1,65 Proz. Alkohol, 2,05 Proz. Fett, 2,2 Proz. Zucker, 1,15 Proz. Milchsäure, 1,12 Proz. Eiweißstoffe, 0,28 Proz. Salze und 0,785 Proz. Kohlensäure. Der K. ist milchweiß, riecht säuerlich, an den spezifischen Geruch des Pferdes erinnernd, schmeckt prickelnd, angenehm säuerlich, mit einem Nachgeschmack nach süßen Mandeln. Um ihn in diesem Zustand zu erhalten, muß er auf Eis aufbewahrt werden. Aber auch dann schreitet die Gärung langsam fort, bis endlich der Zucker vollständig zersetzt ist. Die Nomadenvölker unterwerfen den K. auch der Destillation und gewinnen auf solche Weise einen Milchbranntwein (Araca Arsa). Die Thatsache, daß jene Völkerschaften im Winter durch mangelhafte Nahrung stark abmagern, im Sommer aber beim Kumysgebrauch schnell wieder voll und rund werden, gab wahrscheinlich den benachbarten Russen Veranlassung, im Sommer die Kampierungen der Nomaden zu besuchen und den K. als Arzneimittel zu benutzen. Sie erzielten glänzende Resultate, und der Ruf des Mittels