Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kuna; Kunama; Kunáxa; Kunckel; Kunckelgläser; Kunde; Kündigung

300

Kuna - Kündigung.

lockte jährlich zahlreiche Kranke, namentlich Lungenschwindsüchtige, in die Steppen. Diese fanden vielfach Heilung oder Erleichterung, zum Teil wohl mit durch das Klima und die Lebensweise in den Steppen; aber auch außerhalb derselben, z. B. in Moskau, wurden mit sorgfältig bereitetem, gutem K. günstige Resultate erzielt. Die Kumyskur beginnt mit dem Genuß von 2-3 Glas und fordert im weitern Verlauf, daß der Patient täglich vier Flaschen und mehr K. zu sich nehme, sich also so gut wie vollständig mit K. allein ernähre. Bei diesem starken Konsum von K. tritt auch ein Gefühl der Sättigung ein, und das Bedürfnis nach fester Nahrung schwindet. Dabei wird die Harnsekretion erheblich gesteigert, und das spezifische Gewicht des Harns nimmt ebenfalls zu; anfangs zeigt sich ein leichter Grad von Trunkenheit, dann Abgespanntheit, Müdigkeit und Neigung zum Schlaf, welch letztere während der ganzen Kurzeit fortzubestehen pflegt. Ganz konstant tritt bei 4-6 Wochen langem Gebrauch des K. eine oft überraschende Zunahme des Ernährungszustands ein. Derselbe ist um so ersichtlicher, je mehr das betreffende Individuum heruntergekommen war, und tritt auch in diesem Fall umso rapider ein. Die Gesichtsfarbe bekommt ein rosiges Kolorit, der Gesichtsausdruck wird belebter, in kurzer Zeit zeigt sich eine starke Fettablagerung, und das Körpergewicht nimmt erheblich zu. Dieser Effekt kann nur durch die eigentümliche Mischung der Kumysbestandteile hervorgebracht werden. Seinen großen Ruf verdankt der K. seiner Wirksamkeit gegen die Schwindsucht; er ist zwar ohne erheblichen direkten Einfluß auf die lokalen Vorgänge im Lungenparenchym, aber er wirkt als vortreffliches Ernährungsmittel auf den Zustand des ganzen Körpers, und mit der Verbesserung desselben bemerkt man eine Abnahme des Fiebers, eine Beschränkung der Kurzatmigkeit wie auch eine Verminderung des Hustens und Auswurfs. Der Zeitpunkt für die Kumyskur ist gekommen, wenn das Fieber niedrig und stark remittierend ist, resp. ganz fehlt, wenn zu der Abmagerung Blässe der Schleimhäute und der Haut sich gesellt, und wenn die Arterienspannung gering ist. In ähnlicher Weise wie bei der Lungenschwindsucht soll sich der K. auch bei andern kachektischen und anämischen Zuständen als vortreffliches Ernährungsmittel bewähren, so bei der gewöhnlichen Chlorose, bei Anämie nach Blutverlusten, nach profusen Eiterungen, anhaltenden Durchfällen, Bronchoblennorrhöe etc. Stahlberg, welcher zuerst in Moskau eine Kumystrinkanstalt etablierte, hat auch in Deutschland und Österreich das neue Heilmittel einzuführen versucht; außerdem wurde an mehreren Orten K. aus Eselinnen-, Ziegen- und Kuhmilch dargestellt, und dies Surrogat soll gleichfalls gute Dienste geleistet haben.

Ein ähnliches Getränk, Kefir (Kapir), bereiten die tatarischen Bergbewohner des nördlichen Abhanges des Kaukasus aus Kuhmilch, sie benutzen es als nahrhaftes und erfrischendes Getränk und auch als Heilmittel bei Blutarmut und Schwindsucht. Als Ferment dienen Klümpchen oder Körner, in Farbe und Aussehen dem Blumenkohl nicht unähnlich, welche Hefepilze (Saccharomyces cerevisiae Meyen) und Bakterien (Dispora caucasica Kern) enthalten. Das Ferment behält seine Wirksamkeit ein Jahr. Zur Bereitung des Kefir übergießt man das Ferment mit dem sechsfachen Volumen Milch und läßt es bei mittlerer Temperatur unter häufigem Schütteln 16-24 Stunden stehen. Das fertige Getränk wird abgegossen und das Ferment mit neuer Milch angestellt. Nach jeder dritten Gärung wäscht man das Ferment mit reinem Wasser. Man kann nun den Kefir mit dem doppelten Volumen abgerahmter Milch mischen, auf starkwandige Flaschen füllen und unter häufigem Schütteln bei mittlerer Temperatur stehen lassen. In 1-3 Tagen erhält man auf diese Weise den Flaschenkefir, der milder und angenehmer schmeckt als das gewöhnliche Produkt und stark schäumt. Kefir ist viel konsistenter als K., weil er mehr als dreimal reicher an Eiweißstoffen ist, er enthält um die Hälfte weniger Alkohol und etwas weniger Milchsäure und riecht und schmeckt angenehmer. Er wirkt sehr günstig auf die Ernährung und ist mit Erfolg namentlich bei Lungenkrankheiten benutzt worden. Vgl. Stahlberg, Der K., seine physiologischen und therapeutischen Wirkungen (Petersb. 1869); Derselbe, Gesammelte Vorträge über den K. (Leipz. 1873); Lersch, Die Kur mit Milch, Molken, K. (Bonn 1869); Biel, Untersuchungen über den K. (Wien 1874); Stange, Über Kumyskuren (in Ziemssens "Handbuch der Therapie", Bd. 1, Leipz. 1883); Dmitrijeff, Der Kefir (Hannov. 1884); Podwyssotzki, Kefir (deutsch, Petersb. 1884).

Kuna (Mehrzahl: Kuny, in deutschen Urkunden Kunen), russ. Marderfell, früher in Rußland als Preismaßstab im Handel verwandt; dann überhaupt s. v. w. Geld.

Kunama, Negervolk, s. Schangalla.

Kunáxa, Ort in Babylonien, zwischen Tigris und Euphrat, ungefähr 90 km von Babylon entfernt, denkwürdig durch die große Schlacht zwischen König Artaxerxes von Persien und seinem Bruder Kyros Ende September 401 v. Chr., wobei letzterer im persönlichen Zweikampf mit Artaxerxes fiel.

Kunckel (Kunkel) von Löwenstjern, Johann, Chemiker, geboren um 1638 (1630) bei Hütten unweit Rendsburg, widmete sich der Pharmazie, wurde 1659 Kammerdiener, Chimist und Aufseher der Hof- und Leibapotheke der Herzöge Franz Karl und Julius Heinrich von Lauenburg, dann geheimer Kammerdiener und Aufseher des kurfürstlichen Laboratoriums in Dresden, hielt 1677 chemische Vorlesungen in Wittenberg und arbeitete seit 1679 im Dienste des Großen Kurfürsten auf der Pfaueninsel bei Potsdam. 1688 wurde er von Karl XI. nach Stockholm berufen, zum Bergrat ernannt und 1693 geadelt. Er starb 20. März 1703 (1702) auf seinem Landgut Dreißighufen bei Pernau. K. entdeckte nach Brand und unabhängig von demselben den Phosphor zum zweitenmal und erfand das Rubin- oder Goldglas, stellte es wenigstens zuerst im großen dar. Er schrieb: "Öffentliche Zuschrift von dem Phosphor mirabili etc." (Leipz. 1678); "Ars vitraria experimentalis, oder vollkommene Glasmacherkunst etc." (Frankf. u. Linz 1679, franz. 1752); "Collegium physico-chemico-experimentale, oder Laboratorium chymicum" (hrsg. von Engelleder, Hamb. u. Leipz. 1716).

Kunckelgläser, nach Johann Kunckel (s. d.) benannte Rubingläser, sind meist in der Form etwas schwerfällige, zum Teil in vergoldetem Silber oder in Messing gefaßte Schalen, Kannen, Becher, Pokale, Schüsseln und Flaschen, bisweilen durch Schliff verschönert. Sie wurden hauptsächlich 1680-1732 auf der Pfaueninsel bei Potsdam verfertigt.

Kunde, Alterszeichen bei Pferden, s. Kern.

Kündigung (Aufkündigung), die Erklärung des Rücktritts von einem Vertrag. Ein auf bestimmte Zeit eingegangenes Vertragsverhältnis endigt nämlich mit dem Ablauf des Endtermins. Ist dasselbe aber auf unbestimmte Zeit eingegangen, so wird in