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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kürbisbaum; Kürbisgewächse; Kürbiszitrone; Kurden

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Kürbisbaum - Kurden.

steifhaarige bis rauhe Gewächse mit kriechendem oder kletterndem, saftigem Stengel, großen, gelappten, am Grund herzförmigen Blättern, meist verästelten Wickelranken, monözischen, großen, gelben, einzeln oder in Büscheln stehenden Blüten, meist sehr großen, sehr verschieden gestalteten, fleischigen, häufig berindeten, nicht aufspringenden Beerenfrüchten und zusammengedrückten Samen mit wulstigem Rande. Die zehn Arten sind im warmen Asien, Afrika und Amerika heimisch. Der gemeine K. (Pfebe, C. Pepo L.), einjährig, mit liegenden, an den Knoten wurzelnden, bis 10 m langen Stengeln, dottergelben, einzeln stehenden Blüten und kugeligen oder fast kugeligen Früchten, welche bis 100 kg schwer werden und weißes oder gelbes genießbares Fleisch besitzen, stammt aus Indien und wird in vielen Varietäten als Feld- und Gartenfrucht gebaut. Er gedeiht, wo der Mais gedeiht, und liefert bei gutem Anbau bis 1200 Ztr. vom Hektar. Die Frucht enthält 1,66 Proz. Zucker, 1,36 eiweißartige Körper, 6,31 Pektin, 1,5 Cellulose, 0,54 Asche, 88,55 Proz. Wasser, wird besonders in Südeuropa gegessen, auch als Zusatz zum Brot benutzt und auf Branntwein verarbeitet. Für Schweine gewährt er treffliches Mastfutter; die Samen sind ölreich und werden als zuverlässiges Bandwurmmittel gerühmt. Der K. gedeiht am besten in mildem, humosem Lehm nach starker Düngung; man zieht junge Pflanzen in Töpfen im Mistbeet an, um sie später ins freie Land zu bringen, oder man säet Ende Mai und steckt die Körner 1,25-1,5 m voneinander in 50 cm tiefe und weite, mit Kompost und oben mit guter Erde gefüllte Löcher. Wenn man gießen kann, weicht man die Körner 12 Stunden in einem Auszug von Wermut oder Walnußblättern. Haben die Pflanzen vier Nebenranken getrieben, so bricht man die Spitze der Hauptranke und nach dem Fruchtansatz auch die der Nebenranken ab. Jede Pflanze soll nur acht Früchte zur Reife bringen. Zum Verspeisen sind der große, silbergraue K., der melonengelbe, Astrachan, Marrow, Courge gaufré und der italienische Einmachekürbis zu empfehlen; zum Verzieren von Lauben, Wänden etc. dienen die Zierkürbisse, wie Angurien, Melonen-, Apfel-, Türkenbundkürbis etc. Die Samen des K. bleiben 6-7 Jahre keimfähig. Der Turbankürbis (C. melopepo L.), mit turbanähnlicher Frucht, der Melonen- oder Bisamkürbis (C. moschata Duch.), mit melonenähnlicher Frucht, Moschusgeruch und weicher Behaarung, der Warzenkürbis (C. verrucosa L.), mit hartrindiger, warziger Schale, u. a. werden im Süden, bei uns nur als Zierpflanzen gezogen. Der Flaschenkürbis (C. Lagenaria L.), mit langrankigem, dünnem Stengel, welcher, wie die etwas eckigen, gezähnelten Blätter, klebrig filzig ist und widrig riecht, und weißen, moschusduftenden Blüten, hat Früchte mit holzartiger Rinde und ungenießbarem Fruchtfleisch. Man unterscheidet verschiedene Varietäten mit flaschenförmiger (Flaschenkürbis, Kalebasse), keulenförmiger (Herkuleskeule, über 1 m lang) oder krugförmiger Frucht (Urnenkürbis). Die Früchte werden zu Flaschen benutzt (Kalebassen). Von manchen Varietäten ist das Fleisch genießbar; man hat es auch mit Zucker imprägniert und als feste, wohlschmeckende Masse in den Handel gebracht.

Kürbisbaum, Pflanzengattung, s. Crescentia.

Kürbisgewächse, s. Kukurbitaceen.

Kürbiszitrone, s. Citrus, S. 148.

Kurden, Bergvolk in Vorderasien, zur iranischen Familie des indogermanischen Stammes gehörig, das von Kaisarieh im W. bis zum Urmiasee im O., vom Wansee, ja vom Kur im N. bis nach Mardin und Mosul im S. und in den nahe verwandten Luren im SO. bis gegen Schiraz reicht. In Chorasan am Nordabhang des Elburz wurden sie durch Schah Abbas angesiedelt. Sie sind Nachkommen der alten arischen Bewohner im S. des Wansees, welche bereits die Griechen unter dem Namen Kyrtier oder Karduchen (auch Gordyäer) kannten. Von dort aus haben sie sich dann in die anstoßenden Gebiete Westasiens verbreitet. Im kurdischen Hochland zerfallen die K. in zwei voneinander scharf geschiedene Stände oder Kasten: die Assireten, welche die Kriegerkaste bilden und nur Viehzucht, keinen Ackerbau treiben, und die Guranen, die Kaste der Ackerbauer, welche nie Krieger werden können und von den erstern sehr gedrückt und ausgebeutet werden. Beide Stände bieten (nach Rich) im Äußern eine auffallend verschiedene Erscheinung dar. Der Assirete hat grobe, eckige Gesichtszüge, einen dicken Vorderkopf, tief liegende blaue oder graue, starre Augen und ein hartes und festes Auftreten, während der Gurane eine viel sanftere Gesichtsbildung mit regelmäßigen, vielfach griechischen Zügen zeigt. Es ist jedoch nach Fr. Spiegel falsch, daraus zu schließen, daß die Guranen ein andres unterjochtes Volk seien, welches die später eingewanderten K. sich dienstbar gemacht hätten; die Verschiedenheit der Beschäftigung erklärt jene äußern Unterschiede zur Genüge. Die Assireten zerfallen in eine bedeutende Anzahl von Stämmen, Geschlechtern und Familien, zu denen je eine Abteilung Guranen in einem Abhängigkeitsverhältnis zu stehen scheint. Diese Fülle von Namen sowie der Umstand, daß mitunter Bezeichnungen mächtig werdender Familien an die Stelle von einem oder mehreren Stammesnamen treten, war für den Forscher von jeher eine reiche Quelle der Verwirrung. Auch die Jezidi, welche in verschiedenen Gegenden wohnen und von manchen für Überreste der alten Assyrer gehalten werden, gehören ethnologisch zu den K.

An der Spitze der Stämme und Verbände stehen erbliche Häuptlinge oder Stammesälteste. In politischer Beziehung stehen die K. teils unter türkischer (etwa 380,000 Familien), teils unter persischer Herrschaft (300,000 Familien). Dabei bildet noch heute der äußerste Haß gegen die Türken einen nationalen, allen K. gemeinsamen Zug. Dem Glaubensbekenntnis nach sind die K. Sunniten und geschworne Feinde der Schiiten. Religiöser Eifer scheint ihnen indes nur wenig innezuwohnen; der ganze Gottesdienst besteht in täglichem fünfmaligen Hersagen ihres Glaubensbekenntnisses unter vielem Niederbeugen und Knieen. Was ihren sittlichen Gehalt anlangt, so sind sie tapfer, freiheitsliebend, gastfrei, ziemlich keusch, auch bis zu einem gewissen Grad worttreu; dagegen haben sie keinen Sinn für regelmäßige Beschäftigung, sind der Blutrache leidenschaftlich ergeben und halten eine Raubthat in gleichen Ehren mit ritterlichen Heldenthaten. In den Zeiten der Ruhe huldigen sie dem Müßiggang und geben sich höchstens zu Kriegssöldnern her, wobei ritterliche Züge in den fürstlichen Geschlechtern wie beim gemeinen Mann sich vielfach kundgeben. Auf einen nicht geringen Grad von Innerlichkeit läßt ihre Liebe zur Familie schließen. Die Wohnungen der Wanderhorden bestehen in schwarzen Filzzelten, die der Ansässigen in niedrigen Häusern aus Steinen mit plattem, auf Pappellatten ruhendem Dach, das im Sommer auch als Schlafstelle dient. Die Stellung der Frauen ist eine freiere als sonst im Morgenland. Sie gehen in und außer dem Haus meist ohne Schleier umher, verkehren ohne