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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Küstenland, österreichisch-illyrisches

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Küstenland, österreichisch-illyrisches.

aufnehmen und die Marineetablissements etc. am Land zerstören sollen. Zur Besitznahme der Küste ist außerdem noch eine Transportflotte mit Landungstruppen erforderlich. Die Verteidigung besteht in dem von Avisos und Torpedobooten ausgeübten Sicherheitsdienst auf hoher See, in Offensivunternehmungen der Panzerschiffe, nächtlicher Beunruhigung vor Anker liegender feindlicher Schiffe durch Torpedoboote und in der lokalen Einrichtung der Reeden und Häfen durch Küstenbefestigungen und Seeminen. Zur Abwehr der Landung werden die wichtigsten Küstenpunkte besetzt und Reservetruppen konzentriert sowie namentlich Torpedoboote bereit gehalten, um dahin zu eilen, wo der Feind eine Ausschiffung versuchen sollte. Die bloße Verhinderung des Seeverkehrs ist die Küsten- resp. Hafenblockade (s. Blockade), welche so gehandhabt werden muß, daß kein Schiff unbemerkt der Küste sich nähern oder aus den Häfen auslaufen kann. Die beobachtenden Kreuzer nehmen die Schiffe, welche die Blockade zu brechen versuchen, weg oder rufen, wenn der auslaufende Gegner überlegen erscheint, ihre Schlachtflotte herbei. Gelingt es der Angriffsflotte, sich die Einfahrt in den Hafen durch Niederkämpfung der Küstenartillerie zu erzwingen oder vermöge der Unverwundbarkeit ihrer Panzer durch das Geschützfeuer hindurchzufahren und die Minensperren unschädlich zu machen, so wird sie durch nichts am Bombardement der Hafenanlagen und der Stadt zu hindern sein. Die Abwehr des Angriffs erfolgt durch Geschützfeuer aus den Küstenbefestigungen, durch Torpedos aus verankerten Torpedobatterien wie aus Torpedobooten und die speziell für die Küstenverteidigung bestimmten Fahrzeuge (gepanzerte Batterien, Panzerkanonenboote etc.). Landungen erfolgen meist von der Besatzung der Kriegsschiffe selbst und in deren Booten zu vorübergehendem Aufenthalt behufs Zerstörung von Material und Befestigungen, Überfall von Wachen u. dgl. Größere Truppenabteilungen können nur nach sorgfältigen Vorbereitungen und an solchen Stellen der Küste ausgeschifft werden, die der Feind nicht besetzt hat, und wo die Schlachtschiffe nahe genug an die Küste herangehen können, um die Landung durch ihr Feuer zu decken. Auch dann kann sich die Landungstruppe nicht ohne Gefahr weit von der Küste und von ihrer Flotte entfernen, auf die sie für Verpflegung und Rückzug angewiesen ist. Der Verteidiger wird durch sein Beobachtungssystem längs der Küste rasch von der beginnenden Landung benachrichtigt und setzt seine Truppen nach der Landungsstelle in Bewegung. Je ausgedehnter das Eisenbahnnetz parallel der Küste und nach dem Innern ist, um so weiter her kann er Verstärkungen zur Abwehr der Landung herbeiführen. Bei den heutigen Mitteln braucht ein Armeekorps von 30,000 Mann mit allen Trains zur Ausschiffung etwa drei Tage, ein Zeitraum, der stets genügt, überlegene Kräfte dem Angreifer gegenüber zu versammeln und den Landungstruppen jedes Vordringen zu verwehren oder ihren Rückzug ernstlich zu gefährden. Die größte in der Neuzeit ausgeführte Landung ist die in der Krim 1854; aber die Russen störten sie nicht und waren auch nachher dem Gegner an Zahl lange nicht gewachsen. Vgl. Panzerschiff und Festung, S. 187.

Küstenland, österreichisch-illyrisches, zusammenfassender Name für das aus mehreren Kronländern: der gefürsteten Grafschaft Görz und Gradisca, der Markgrafschaft Istrien mit den Quarnerischen Inseln und dem Gebiet der Stadt Triest, gebildete Verwaltungsgebiet des österreichischen Kaiserstaats, das im S. vom Adriatischen Meer bespült, im übrigen von Venedig, Kärnten, Krain und Kroatien begrenzt wird und 7967 qkm (144,7 QM.) umfaßt, wovon auf Görz 2918, auf Istrien und die Inseln 4954 und auf Triest 95 qkm entfallen. Der nordwestliche Teil des Landes gehört zum Gebiet der südlichen Kalkalpen, der übrige zum Kalkplateau des Karstes, so daß das Ganze, mit Ausnahme des Mündungsgebiets des Isonzo und einiger Thalweitungen, den Charakter eines Berglandes trägt. Das Alpengebiet wird durch das Isonzothal in die Gruppen des Monte Canin (2275 m) und des Triglav (2865 m) geschieden, welche sich am Engpaß der Flitscher Klause am meisten nähern und durch den Sattel des Predil (1165 m) zusammenhängen. Am linken Ufer der Idrizza beginnt der Karst (s. d.), von dessen einzelnen Abteilungen der Tarnowaner Wald, der eigentliche Karst und der den größten Teil von Istrien ausfüllende Tschitschenboden dem K. angehören. Der südwestliche Teil von Istrien bildet einen von W. nach O. aufsteigenden Karstboden, welcher, von einigen Tiefthälern zerrissen ist. Die Westküste, 470 km lang, hat eine sanftere Abdachung mit bequemen Buchten und Häfen. Dagegen ist die 300 km lange Ostküste, vom Quarnero bespült, steil und schroff, reich an Klippen und mehr den schädlichen Wirkungen der beiden herrschenden Hauptwinde, des Nordost (Bora) und des Südost (Scirocco), ausgesetzt. Am Golf von Triest ist die Küste gleichfalls steil und wird erst am Busen von Monfalcone flach, von wo sich bis zur italienischen Grenze die Lagunen von Grado hinziehen. An der Westküste von Istrien liegen die Brionischen Inseln, im Quarnerobusen die größern Inseln Veglia, Cherso, Lussin und Unie nebst kleinern Felseilanden. Die Höhenzüge dieser wasserarmen, von Längenthälern durchschnittenen Inseln haben, wie die istrischen Gebirge, die Richtung von NW. nach SO. Das Karstgebiet des Küstenlandes enthält zahlreiche und großartige Höhlen mit prachtvollen Tropfsteingebilden und seltsamen Formationen (Grotte von Corgnale, St. Kanzian etc.). Die Flüsse des Landes sind Küstenflüsse, die dem Adriatischen Meer zufließen. Der bedeutendste ist der Isonzo, der die Idrizza und Wippach aufnimmt und als Sdobba in die Bucht von Monfalcone mündet. In Istrien sind der Quieto und die Arsa sowie der Cepitschsee bemerkenswert. Das Klima ist sehr verschieden, in den Alpen rauher, an der Küste mild. In Triest ist die mittlere Temperatur 14,2° C., in Pola 15° C., in Görz 13° C. Gewitter sind häufig, die Regenmenge steigt auf 108 cm im Jahresdurchschnitt. Ein in Aufschwung gekommener klimatischer Kurort ist das am Quarnero gelegene Abbazia (s. d.).

Die Zahl der Bewohner betrug 1869: 600,525, 1880: 647,934 (wovon auf Görz 211,084, auf Istrien 292,006, auf Triest 144,844 kommen). Auf ein Quadratkilometer entfallen 81 Bewohner. Mit Ausnahme von Triest, dann von Pola, wo auch die griechisch-orientalische, die evangelische und israelitische Religion Anhänger zählt, ist die Bevölkerung fast ausschließlich katholisch. Der Nationalität nach sind 53 Proz. Slawen (und zwar Slowenen im Görzischen, in Triest und im nördlichsten Teil von Istrien, Serben im S. Istriens, Kroaten zwischen beiden im sogen. Tschitschenboden), 45 Proz. Italiener, hauptsächlich in Gradisca, Triest und an der westlichen Küste von Istrien; 2 Proz. sind Deutsche und Angehörige verschiedener Stämme. Merkwürdig sind die rumänischen Sprachinseln in Istrien (9 Gemeinden, zumeist im N. des Cepitschsees). Im allgemeinen ist das K. ein an