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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: La Hague; Lagynos; Laharpe; Lâhidschân; Lahire

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Lagynos - Lahire.

fahrt sorgfältig offen erhalten werden. Die bekanntesten L. sind jene um Venedig, an der Mündung der Piave, Brenta, des Po, der Etsch und andrer kleinerer Flüßchen. Das gleiche Phänomen wiederholt sich auch in den Etangs der Küste von Languedoc, von den Mündungen des Rhône über Cette bis Perpignan.

Lagynos, griech. Weingefäß, s. Lagöna

La Hague, Kap, s. Hague, La.

Laharpe (spr. lă-árp), 1) Jean François de, franz. Kritiker und Dichter, geb. 20. Nov. 1739 zu Paris, veröffentlichte anfangs mehrere Bände "Héroïdes", fand aber erst Beachtung durch seine Tragödie "Warwick" (1763). Obwohl seine übrigen Tragödien alle durchfielen, so wuchs doch sein Ruhm, besonders durch seine eleganten und feinsinnigen "Éloges" (von Heinrich IV., Fénelon, Racine u. a.), von denen die Akademie acht mit dem ersten Preis auszeichnete. Infolge seiner maßlosen Eitelkeit und Arroganz nahm aber auch die Zahl seiner Feinde und die Heftigkeit ihrer Angriffe derart zu, daß seine Aufnahme in die Akademie (20. Juni 1776) eher eine Niederlage zu nennen war, und eine Menge der giftigsten Epigramme über ihn ging von Mund zu Mund. Den Höhepunkt seines Ruhms erreichte er als Professor der Litteratur am neugegründeten Lycée (1786-98). Er hielt hier Vorlesungen vor einem großen, eleganten Publikum, bei dem sein feiner, richtiger Geschmack und der formvollendete Vortrag laute Anerkennung fanden. Seine anfängliche Begeisterung für die Revolution verkehrte sich in das gerade Gegenteil, als er 1794 auf fünf Monate ins Gefängnis geworfen wurde; er, der vorher im Lycée mit der Jakobinermütze erschienen war, erklärte sich jetzt für den erbittertsten Feind revolutionärer und philosophischer Ideen und zeigte sich in Worten und Werken als eifriger Anhänger der Religion und der Monarchie. Er starb 11. Febr. 1803. Sein berühmtestes Werk: "Lycée ou Cours de littérature" (Par. 1799-1805; neue Ausg. 1825-26, 18 Bde.; 1840, 3 Bde.), die Sammlung seiner Vorträge, gibt ein treues Bild seiner Vorzüge und Schwächen; auf der einen Seite glänzende Beredsamkeit, klare, anschauliche Darstellung und seine Bemerkungen, auf der andern mangelhafte Kenntnisse, eine gewisse Oberflächlichkeit und Parteilichkeit seines Urteils; besonders fehlt ihm der historische Sinn, er kennt eigentlich nur das 17. Jahrh. genau und spricht am besten über Racine und das Zeitalter Ludwigs XIV. Vor allem aber macht sich bei L. die Lust zu scharfer, rücksichtsloser Kritik bemerkbar; die Veröffentlichung der "Correspondance littéraire, adressée au grand-duc de Russie" (nachmaligem Paul I.; 1801), die voll der strengsten persönlichen Urteile war, erregte großen Skandal. Seine streng klassischen Tragödien ("Warwick", "Timoléon", "Pharamond", "Gustave Wasa", "Menzicoff", "Les Barmécides", "Virginie", "Philoctète" etc.) sind frostige und wertlose deklamatorische Übungen. Von zahlreichen andern Werken nennen wir nur noch sein nachgelassenes: "La prophétie de Cazotte", welches Sainte-Beuve, was Erfindung und Stil anbelangt, für sein bestes Werk erklärt. Eine Auswahl seiner Werke veranstaltete L. selbst (1778, 6 Bde.); seine "Œuvres choisies et posthumes" erschienen Paris 1806, 4 Bde.

2) Frédéric César, Direktor der Helvetischen Republik von 1798 und Erzieher des Kaisers Alexander I. von Rußland, geb. 6. April 1754 zu Rolle im Waadtland, studierte zu Genf und Tübingen die Rechte, ward hierauf Sachwalter bei der welschen Appellationskammer in Bern, begleitete dann aber einen angesehenen Russen nach Italien und begab sich von Sizilien aus 1782 nach Petersburg, wo er Lehrer der Großfürsten Alexander und Konstantin ward. Infolge einer von ihm 1790 an die Berner Regierung gerichteten Denkschrift, worin er im Namen seiner Mitbürger die Einberufung der waadtländischen Stände verlangte, wurde er von derselben geächtet, ging, nachdem es in Petersburg seinen Feinden gelungen, seine Entlassung zu erwirken, 1795 nach Genf, von wo er heftig gegen die Gewaltherrschaft Berns über Waadt agitierte, und 1796 nach Paris, wo er dem französischen Direktorium den Vorwand zur Intervention in der Schweiz gab, indem er sich auf den von Frankreich garantierten Lausanner Vertrug von 1564 berief, in welchem der Waadt ihre bestehenden Freiheiten zugesichert waren. Als nach dem von ihm und Ochs mit dem Direktorium verabredeten Plan die Eidgenossenschaft 1798 von den Franzosen in die Helvetische Republik umgewandelt worden war, wurde er 29. Juni Mitglied des helvetischen Direktoriums und benutzte sein diktatorisches Übergewicht in demselben zu Gewaltmaßregeln, durch die er die von allen Seiten bedrohte Einheitsrepublik zu retten hoffte. Darüber erbittert, lösten die gesetzgebenden Räte 7. Jan. 1800 das Direktorium auf, um L. zu stürzen, der sich hierauf nach Paris flüchtete. Nachdem er 1801-1802 auf Einladung Kaiser Alexanders eine Reise nach Rußland gemacht hatte, lebte er auf einem Landhaus bei Paris, empfing 1814 nach dem Einrücken der Verbündeten von Alexander die Würde eines Generals mit dem Andreasorden und bewog diesen, die Herstellung des alten Unterthanenverhältnisses der Waadt, des Aargaues etc., wonach Bern trachtete, nicht zu gestatten. Nachdem er in demselben Sinn als Gesandter der Waadt und des Tessin am Wiener Kongreß thätig gewesen, siedelte er 1816 nach Lausanne über und starb, als unermüdlicher Wohlthäter seines Landes hochverehrt, 30. März 1838. Er schrieb außer zahlreichen Broschüren und Flugschriften: "Mémoires de Fr. C. L." (veröffentlicht in Vogels "Schweizergeschichtlichen Studien", Bern 1864). In Rolle ward ihm 1844 ein Denkmal errichtet.

Lâhidschân, Stadt in der pers. Provinz Gilan, im Delta des Sefid-Rud, 45 km ostsüdöstlich von Rescht und 12 km vom Kaspischen Meer entfernt, ehemals bedeutend als Residenz der Fürsten von Gilan, jetzt mit 8000 Einw., welche Seidenzucht betreiben.

Lahire (spr. lă-ihr), 1) eigentlich Etienne Vignoles, kühner franz. Heerführer, geboren um 1390, stammte aus einer angesehenen, aber durch die Engländer zu Grunde gerichteten Familie. Als 1418 die Stadt Coucy an die Burgunder überging, stellte L. sich an die Spitze der Besatzung und schlug sich mit derselben durch den Feind. Nachdem er in Valois und in der Champagne mehrere glänzende Thaten vollbracht hatte, eilte er 1429 mit Jeanne d'Arc dem bedrängten Orléans zu Hilfe und zeichnete sich bei Jargeau und Patay durch seine stürmische Tapferkeit aus. 1431 drang er bis Rouen vor, um die gefangene Johanna zu befreien. Er fiel hierbei selbst in die Hände der Engländer, entkam jedoch bald wieder und verheerte nun unablässig unter vielen Grausamkeiten und Räubereien die von Engländern und Burgundern besetzten Provinzen. Er starb 11. Jan. 1443 in Montauban, wohin er Karl VII. begleitet hatte. Seine romantische Tapferkeit und seine Anhänglichkeit an die Jungfrau von Orléans waren die Ursache, daß sein Name L., der im burgundischen Dialekt das Knurren eines Hundes bedeutet und L. wegen seines rauhen Wesens gegeben war, dem