Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lamballe; Lambayaque; Lambda; Lambdanaht; Lambdazismus; Lambeck; Lamber; Lamberg

426

Lamballe - Lamberg.

hengstedepot, einer Flachsspinnerei und (1880) 2421 Einwohnern.

Lamballe (spr. langbáll), Stadt im franz. Departement Côtes du Nord, Arrondissement St.-Brieuc, am Gouessant und an der Westbahn gelegen, hat eine schöne Kirche, Notre Dame, Reste von Festungswerken, ein Collège, eine Lehrerbildungsanstalt und (1881) 4507 Einw., welche Weberei, Hutfabrikation und Handel mit Getreide und Viehfutter betreiben.

Lamballe (spr. langbáll), Marie Thérèse Louise von Savoyen-Carignan, Prinzessin von L., geb. 8. Sept. 1749 zu Turin, Tochter des Prinzen Ludwig Viktor Amadeus von Carignan, ausgezeichnet durch Schönheit und Liebenswürdigkeit, ward 1767 mit Louis von Bourbon, Prinzen von L., vermählt, verlor jedoch schon nach 15 Monaten ihren Gemahl und erhielt 1774 von der Gemahlin Ludwigs XVI., Marie Antoinette, mit der sie bald befreundet wurde, die Stelle der Intendantin ihres Hauses. Die Gefahren der Revolution machten das Freundschaftsverhältnis der beiden Frauen noch inniger. Bei dem Fluchtversuch des Königs 20. Mai 1791 verließ auch die Prinzessin L. Frankreich, um in England mit der Königin wieder zusammenzutreffen, kehrte aber auf die Kunde, daß die Flucht derselben mißglückt sei, im Februar 1792 nach Paris zurück. Nach den Ereignissen des 10. Aug. erhielt sie die Erlaubnis, die Gefangenschaft der Königin zu teilen, ward jedoch kurze Zeit nachher in das Gefängnis La Force gebracht. Am Morgen des 3. Sept. 1792 wurde ihr der Schwur befohlen, daß sie die Freiheit und die Gleichheit liebe und den König, die Königin und das Königreich hasse. Da sie den zweiten Schwur verweigerte, wurde sie beim Herausgehen aus dem Gerichtssaal durch einen Säbelhieb zu Boden gestreckt, ihr Leichnam arg mißhandelt und ihr Haupt und Herz vor den Fenstern des königlichen Gefängnisses auf Piken vorübergetragen. Vgl. Lescure, La princesse de L., sa vie et sa mort (Par. 1865).

Lambayaque, Küstendepartement der südamerikan. Republik Peru, 15,477 qkm (281. QM.) groß mit (1876) 85,984 Einw., ist großenteils regenlos und wüst, wird aber von ungemein fruchtbaren Thälern durchschnitten und bietet an den Abhängen der Kordilleren gute Weiden. Die gleichnamige Hauptstadt liegt 11 km oberhalb der Mündung des Flusses L. in den Stillen Ozean, in fruchtbarer Ebene, hat Fabrikation von Wollen- und Baumwollenstoffen und (1876) 6248 Einw. (viele Mulatten und Sambos).

Lambda, griech. Buchstabe (Λ, λ), entsprechen dem "L". Daher Lambdazismus (auch Lallation genannt), die fehlerhafte Aussprache des r, wobei an Stelle dieses Buchstabens ein l gehört wird.

Lambdanaht, s. Schädel.

Lambdazismus, s. Lambda.

Lambeck, Peter, gewöhnlich Lambeccius genannt, deutscher Gelehrter, geb. 13. April 1628 zu Hamburg, ward, nachdem er in Holland, Frankreich und Italien seine Studien vollendet, 1652 Lehrer der Geschichte an dem Gymnasium seiner Vaterstadt, 1660 Rektor desselben und 1662, nach seinem Übertritt zur katholischen Kirche, Aufseher der kaiserlichen Bibliothek in Wien, wo er 3. April 1680 starb. Seine Hauptwerke sind: "Prodromus historiae litterariae" (Hamb. 1659; 2. Aufl. von Fabricius, Leipz. 1710), der erste chronologisch geordnete Abriß der Litteraturgeschichte, und die "Commentarii de bibliotheca caesarea Vindobonensi" (Wien 1665-79, 8 Bde.; 2. Aufl. von Kollar, 1766-82, 8 Bde.), besonders wichtig durch wertvolle Beiträge zur Kenntnis der altdeutschen Sprache und Litteratur. Vgl. Karajan, Kaiser Leopold I. und Peter L. (Wien 1868).

Lamber (spr. langbähr), Juliette, franz. Schriftstellerin, geb. 1836 zu Verberie (Oise), in erster Ehe an einen Arzt, La Messine, in zweiter mit dem Abgeordneten Edmond Adam verheiratet, der 1877 als Senator starb, trat früh als Schriftstellerin auf verschiedenen Gebieten auf, hielt dann seit dem Sturz des Kaiserreichs einen politischen Salon, in welchem die Spitzen der Fortschrittspartei, Künstler und Schriftsteller verkehrten, und gründete 1879 die (1886 an Professor de Cyon abgetretene) "Nouvelle Revue", in welcher die Ideen ihrer politischen Freunde: Befestigung demokratischer Einrichtungen im Innern des Landes sowie sorgfältige Pflege des Rachegedankens gegen die Sieger von 1870, einen Tummelplatz fanden. Von ihren zahlreichen Werken schöngeistigen und andern Inhalts, die sie meist unter ihrem Mädchennamen veröffentlichte, nennen wir: "Blanche de Coucy. L'enfance etc.", Novellen (1858); "Idées antiproudhoniennes sur l'amour, les femmes et les mariages" (2. Aufl. 1862); "Mon village" (1860); "La papauté" (1860); "Récits d'une paysanne" (1862); "Dans les Alpes" (1867); "L'éducation de Laure" (1868); "Saine et sauve" (1870); "Le siége de Paris, journal d'une Parisienne" (1871); "Jean et Pascal" (1876); "Grecque" (1878); "Laïde" (1879); "Poètes grecques contemporains" (1881); "Païenne" (1883); "La patrie hongroise" (1884). Die Romane von Juliette L. sind affektiert und mit Phrasenwerk und gelehrtem Kram überladen.

Lamberg, altes, im Erzherzogtum Österreich begütertes Adelsgeschlecht, welches in der Mitte des 14. Jahrh. in Krain bedeutende Besitzungen erwarb. Wilhelms II. von L. (gest. 1397) drei Söhne: Jakob, Georg und Balthasar, stifteten drei Linien: die schon 1689 erloschene ältere oder Rosenbühlsche, die mittlere oder krainische, deren beide Zweige auch bereits erloschen sind, und die Orteneggsche, welche sich wieder in mehrere Äste teilte, von denen noch fünf, teils gräfliche, teils fürstliche, Linien blühen. Unter Balthasars Nachkommen ist hervorzuheben Johann Philipp, geb. 26. Nov. 1651, diente anfangs im kaiserlichen Heer gegen die Türken, wurde 1675 Domherr zu Salzburg, 1676 Reichshofrat, nacheinander Gesandter zu Düsseldorf, Dresden, Berlin und Regensburg, 1689 Bischof von Passau und 1700 Kardinal. 1697 ging er als kaiserlicher Gesandter nach Warschau, wo er die Wahl Augusts von Sachsen zum König betrieb, dann als Prinzipalkommissar nach Regensburg und bewirkte hier beim Ausbruch des spanischen Successionskriegs 1702 die Kriegserklärung des Deutschen Reichs gegen Frankreich und die Achtserklärung gegen die Kurfürsten von Bayern und Köln. Auch war er bei der Kaiserwahl Josephs I. und Karls VI. thätig. Er starb 20. Okt. 1712. Sein Neffe Leopold Matthias, geb. 23. Febr. 1667, ward k. k. Geheimrat, erhielt 1704 das Erblandjägermeisteramt von Österreich und das Erblandstallmeisteramt von Krain, als Günstling Josephs I. 1707 die Fürstenwürde und, während Bayern in der Acht war, 1709 die Belehnung mit der Landgrafschaft Leuchtenberg nebst Sitz und Stimme auf dem Reichstag. (Seine Nachkommen mußten aber, als 1714 die Acht von Bayern aufgehoben wurde, aus dem Reichstag wieder austreten.) Er starb 1711. Als dieser Zweig 1797 ausstarb, ging die reichsfürstliche Würde auf die verwandte bayrische Linie über und zwar zunächst auf den Fürsten Karl Eugen von L., geb. 1. April 1764, gest. 11. Mai 1831,