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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Landak; Landammann; Landarme; Landarmenverband; Landau; Landauer; Landbanken

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Landak - Landbanken.

das räumliche Verhältnis zwischen L. und Wasser s. Erde.

Landak, Fürstentum und Distrikt in der niederländ. Westabteilung von Borneo, 8920 qkm (162 QM.) groß mit 22,000 Einw. und der gleichnamigen, durch ein Fort beherrschten Residenz des Fürsten am Fluß L., 70 km nordöstlich von Pontianak. Die von Chinesen bearbeiteten Gold- und Diamantbergwerke sind schon seit 1841 verlassen.

Landammann, s. v. w. Ammann.

Landarme, in Deutschland die Personen, welche keinen Unterstützungswohnsitz haben.

Landarmenverband, s. Armenverbände.

Landau, 1) Bezirksamtsstadt in der bayr. Rheinpfalz, an der Queich, Knotenpunkt der Linien Neustadt a. H.-Weißenburg, L.-Zweibrücken und L.-Germersheim der Pfälzischen Ludwigsbahn, 188 m ü. M., bis 1870 Festung, hat eine gotische Simultankirche (von 1285), die Katharinenkapelle (1344 erbaut, jetzt Kirche der Altkatholiken), ein vormaliges Augustiner-Eremiten-Kloster mit gotischer Kirche von 1405 (jetzt Zeughaus), ein vormaliges Chorherrenstift der Augustiner oder "Steigerherren" (1276 gegründet, mit Chorherren von der Zaberner "Steige" besetzt, jetzt Bierbrauerei), eine Synagoge u. 1885 mit der Garnison (2 Infanteriebat. Nr. 18 u. eine Abt. Feldartillerie Nr. 2) 9395 meist evang. Einwohner. Die Industrie erstreckt sich auf Bierbrauerei, Gerberei, Färberei, Fabrikation von Seife, Schirmen, Hemden, Kleidern, Hüten, Möbeln, Drahtsieben, Uhren, Gänseleberpasteten, Maschinen etc., Eisengießerei; auch hat L. Handelsgärtnerei, Buch- und Steindruckerei, Obst- und Weinbau. Der Handel ist besonders lebhaft in Wein, Tabak, Kolonialwaren, Getreide und Manufakturwaren; zu seiner Unterstützung dienen eine Reichsbanknebenstelle, eine Volksbank sowie verschiedene Bankinstitute und eine Handelskammer. L. ist Sitz eines Landgerichts und eines Hauptzollamtes und hat ein Gymnasium und eine Realschule. Zum Landgerichtsbezirk L. gehören die sechs Amtsgerichte zu Annweiler, Bergzabern, Edenkoben, Germersheim, Kandel und L. - L. wurde vom Grafen Emich von Leiningen im 13. Jahrh. gegründet, 1274 von König Rudolf I. zur Reichsstadt erhoben und 1290 unmittelbar dem Reich unterstellt. 1317 ward es von Ludwig dem Bayern an Speier und 1331 zugleich an die Pfalz verpfändet und erlangte erst 1511 wieder seine volle Reichsfreiheit, worauf es 1521 der Landvogtei des Unterelsaß überwiesen wurde. Die Reformation fand 1522-54 in L. Eingang. Trotz seiner starken Befestigung vermochte L. größern Heeresmassen keinen Widerstand zu leisten, weshalb es im Dreißigjährigen Krieg achtmal in die Hände feindlicher Kriegsvölker fiel. Durch den Westfälischen Frieden trat der Kaiser die Reichsvogtei über zehn elsässische Städte, worunter L., an Ludwig XIV. ab, unter ausdrücklichem Vorbehalt der Unabhängigkeit und Reichsunmittelbarkeit derselben. Indessen wurde L. nach dem Nimwegener Frieden (1678) von Ludwig besetzt und 1688 der Bau der Festung nach Vaubans Angaben begonnen; dieselbe ist im Lauf des 18. Jahrh. von den Franzosen und im 19. vom Deutschen Bund wesentlich erweitert worden. Während des spanischen Erbfolgekriegs wurde L. viermal (1702 und 1704 von den Kaiserlichen, 1703 und 1713 von den Franzosen) nach regelrechter Belagerung zur Übergabe gezwungen. Im Friedensvertrag von Rastatt kam die Stadt förmlich an Frankreich. Im zweiten Pariser Frieden (1815) wurde sie Österreich überwiesen, das sie 1816, nachdem sie zur Bundesfestung erklärt worden war, an Bayern abtrat. 1867 wurde der Abbruch der Außenwerke der Südfronten und der detachierten Vorwerke beschlossen und L. zum "festen, sturmfreien Depotplatz" erklärt und 1871 die völlige Aufhebung der Festung verfügt. Vgl. Lehmann, Geschichte der ehemaligen freien Reichsstadt L. (Neust. a. d. Hardt 1851); Jost, Interessante Daten aus der 600jährigen Geschichte der Stadt L. (Landau 1879). - 2) Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, an der Isar, Knotenpunkt der Linien Landshut-L. und Rosenheim-Eisenstein der Bayrischen Staatsbahn, 350 m ü. M., hat 4 Kirchen, ein Amtsgericht, ein englisches Fräuleininstitut, Bierbrauerei und (1885) 3165 kath. Einwohner. Vgl. Härtl, Geschichte der Stadt L. a. d. Isar (Landsh. 1863). - 3) Stadt im Fürstentum Waldeck, Kreis der Twiste, an der Watter, hat eine evang. Pfarrkirche, ein Schloß und (1885) 871 Einw.

^[Abb.: Wappen von Landau.]

Landau, 1) Georg, hess. Geschichtschreiber, geb. 20. Okt. 1807 zu Kassel, ward 1835 zum Archivar am kurhessischen Staatsarchiv daselbst ernannt und starb 15. Febr. 1865 in Kassel. Er machte sich durch folgende Werke bekannt: "Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer" (Kassel 1832-40, 4 Bde.); "Die Rittergesellschaften in Hessen" (das. 1840); "Beschreibung des Kurfürstentums Hessen" (das. 1842); "Beiträge zur Geschichte der Jagd und Falknerei in Deutschland" (das. 1849); "Beschreibung der wüsten Ortschaften in Hessen" (das. 1848-58, 4 Hefte); "Die Territorien in Bezug auf ihre Bildung und ihre Entwickelung" (Gotha 1854); "Beschreibung des Gaues Wettereiba" (Kassel 1855) und "des Hessengaues" (das. 1857); "Das Salgut" (das. 1862).

2) Markus, Litterarhistoriker, geb. 21. Nov. 1837 zu Brody in Galizien, widmete sich dem Kaufmannsstand, fand aber dabei Muße, sich gründliche Kenntnisse der klassischen und modernen Sprachen anzueignen, die ihn auch auf litterarische und historische Studien, vorzüglich über Italien und England, führten. 1869 siedelte er nach wiederholten Reisen in Deutschland, Italien und Frankreich nach Wien über und erwarb sich in demselben Jahr auf Grund seines Werkes "Die Quellen des Decamerone" (Wien 1869; 2. Aufl., Stuttg. 1881-84) an der Universität Tübingen den Doktorhut. Seit 1878 widmete er sich ausschließlich seinen litterarhistorischen Studien. Als Früchte derselben erschienen noch: "Beiträge zur Geschichte der italienischen Novelle" (Wien 1875); "Giovanni Boccaccio, sein Leben und seine Werke" (Stuttg. 1877); "Die italienische Litteratur am österreichischen Hof" (Wien 1879) und "Rom, Wien, Neapel während des spanischen Erbfolgekriegs" (Leipz. 1885).

Landauer, Luxuswagen mit Langbaum, zumeist mit C-förmig gebogenen Federn und Hängeriemen. Das Verdeck ist beiderseits auf- und niederzuschlagen. Der Name L. stammt von dem angeblichen Erfinder, dem Engländer Landow, her, nach andern sollen diese Wagen zuerst in der Stadt Landau gebaut worden sein. Im Gegensatz zu dem gewöhnlichen L. oder Berlin-L. nennt man Halblandauer oder Laudaulet (spr. langdoläh) einen Halbkoupeewagen für Personentransport.

Landbanken, in England die Privatbanken außerhalb Londons mit beschränktem Recht der Banknotenausgabe (vgl. Banken, S. 335).