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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Landbau - Landes.

Landbau, s. v. w. Landwirtschaft, sofern sie die Kultur von Nutzpflanzen betreibt.

Landbaukolonien, s. Kolonien, S. 955.

Landblut, in der Viehzucht der zu veredelnde heimische Schlag.

Landboten, ehedem die adligen Deputierten des polnischen Reichstags; auch jetzt noch zuweilen als Bezeichnung für Landstände gebraucht.

Landding, s. Ding.

Landdragoner, s. v. w. Gendarmen (s. d.).

Landdrost, s. Drost.

Landeck, 1) Stadt und Badeort im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Habelschwerdt, an der Biele, 467 m ü. M., hat katholische und eine evang. Kirche, eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, Handschuh- und Holzstofffabrikation und (1885) 2714 meist kath. Einwohner. Die Mineralquellen von L. gehören zu der Klasse der lauwarmen erdig-salinischen Schwefelquellen und haben ein klares, bläulichgrünliches Wasser von schwachem Schwefelgeruch und Geschmack. Man unterscheidet das St. Georgen- (29° C.), das Marien- (28,5° C.) und das Steinbad, die Wiesenquelle, welche das Steinbad speist (27° C.), und die Mariannenquelle (20° C.); letztere beiden sind Trinkquellen. Das Wasser erweist sich wirksam gegen alle Frauenkrankheiten, Blutarmut und Bleichsucht, Nervenkrankheiten, rheumatische und gichtische Leiden, Hautkrankheiten, chronischen Katarrh der Luftwege, Skrofulose etc. Außerdem befindet sich in L. eine Kaltwasserheil- sowie eine Molkenkuranstalt. Die Zahl der Badegäste betrug 1886: 3434. In der Nähe die Ruinen der Burg Karpenstein mit einem neuen Aussichtsturm, weiter die 1885 entdeckten Wolmsdorfer Tropfsteinhöhlen. Vgl. Langner, Bad L. (Glatz 1872); Wehse, Bad L. (Bresl. 1886); Joseph, Die Thermen von L. (Berl. 1887). - 2) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Marienwerder, Kreis Schlochau, an der Küddow, 106 m ü. M., hat eine neue Kirche, Wollspinnerei, Flößerei und (1885) 980 meist evang. Einwohner. - 3) Ortschaft in Tirol, am Inn (Oberinnthal) u. an der Arlbergbahn 804 m ü. M. gelegen, besteht aus der auf hohem Felsen gelegenen Burg L., Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, und den Dörfern Angedair und Perfuchs, hat eine schöne gotische Kirche mit sehenswertem Altar, Baumwollwarenfabrikation und (1880) 1537 Einw.

Landelle (spr. langdäl), Charles, franz. Maler, geb. 1815 zu Laval, wurde Schüler von Delaroche und malte anfangs religiöse und historische Bilder, die in ihrer weichlichen, empfindsamen Auffassung an Ary Scheffer erinnerten (1842 Fra Angelico da Fiesole, 1845 die heiligen Frauen zum Grabe Christi wandelnd, 1850 die Ruhe der heiligen Jungfrau, 1859 die Vorahnung der heiligen Jungfrau, im Luxembourgmuseum). Nachdem er 1865 eine Reise nach dem Orient gemacht, fand er eine Spezialität in der Darstellung von Einzelfiguren, die sich jedoch mehr durch elegante Sentimentalität als durch ethnographische Wahrheit auszeichnen. Von den Bildern dieser Art sind besonders die Armenierin vom Kaukasus, die Almeh von Kairo und das Fellahmädchen, letzteres auch in Deutschland durch den Stich von R. Stang, populär geworden. Er hat auch zahlreiche dekorative Malereien, Allegorien und Porträte ausgeführt, von welch letztern die weiblichen den Vorzug verdienen. Seine Malweise ist glatt, aber ohne Energie.

Landen, Dorf in der belg. Provinz Lüttich, Arrondissement Waremme, Knotenpunkt der Eisenbahn Brüssel-Lüttich, mit (1885) 1907 Einw. L. war früher eine feste Stadt und Stammgut Pippins von L. (s. d.). Über die Schlacht bei L. s. Neerwinden. Vgl. Wauters, L., description, histoire, institutions (Brüssel 1883).

Landenge, schmaler, auf beiden Seiten vom Meer eingeengter Strich Landes, welcher zwei größere Landesteile miteinander verbindet, zugleich aber zwei Meere voneinander trennt; z. B. L. von Suez, von Panama, von Korinth (s. Isthmus).

Lander (spr. lännder), Richard, der Entdecker des untern Nigerlaufs, geb. 8. Febr. 1804 in Cornwall, begleitete 1825 als Diener Clapperton (s. d.) auf seiner Reise von Benin nach Sokoto, wo letzterer starb. L. kehrte hierauf nach England zurück und veröffentlichte Clappertons Tagebücher. 1830 unternahm er mit seinem Bruder John L. (geb. 1807, gest. 1839) im Auftrag der englischen Regierung eine zweite Reise zur Erforschung des Niger und stellte fest, daß der Unterlauf dieses Flusses in mehreren Armen in die Bucht von Benin mündet. Von Negern gefangen und an den König von Ibo ausgeliefert, wurden beide Brüder vom König Boy von Braß Town ausgelöst und kehrten 1831 nach England zurück, wo sie ihr "Journal of an expedition to explore the course and termination of the Niger" (Lond. 1832, 3 Bde.; 2. Aufl. 1856; deutsch, Leipz. 1833, 3 Bde.) herausgaben. Auf einer dritten Expedition nach dem Niger, die L. schon im nächsten Jahr (1832) antrat, erhielt er im Kampf mit den Eingebornen eine Schußwunde, an deren Folgen er 16. Febr. 1834 in Fernando Po starb. Seine letzte Reise ist in Laird und Oldfields "Narrative of an expedition into the interior of Africa by the river Niger etc." (Lond. 1837, 3 Bde.; 2. Aufl. 1856, 2 Bde.) beschrieben.

Landerben, diejenigen, welche nach Landrecht nur in Allodialgütern succedierten, hingegen von der Nachfolge in Lehnsgütern ausgeschlossen waren.

Landerer, Albert von, protest. Theolog, geb. 14. Jan. 1810 zu Maulbronn, studierte in Tübingen, wurde Vikar seines Vaters in Walddorf, dann Repetent am Seminar zu Maulbronn und 1835 in Tübingen, 1839 Diakonus in Göppingen, 1841 außerordentlicher und im folgenden Jahr ordentlicher Professor an der Universität Tübingen; 1877 emeritiert, starb er 13. April 1878. Aus seinem Nachlaß erschienen: "Zur Dogmatik", zwei Reden (Tübing. 1879); "Predigten" (Heilbr. 1880); "Neueste Dogmengeschichte, von Semler bis auf die Gegenwart", Vorlesungen (hrsg. von Zeller, das. 1881).

Landerneau (spr. langdernoh), Stadt im franz. Departement Finistère, Arrondissement Brest, an der Westbahn und an der Mündung des Elorn in die Reede von Brest, hat (1881) 7889 Einw., einen Hafen, Schiffbau, bedeutende Leinenspinnerei und -Weberei, Gerberei, Fabrikation von Kunstdünger, Ackerbauwerkzeugen, Seifen und Kerzen, wichtige Pferdemärkte und ein Collège. Im Hafen von L. liefen 1884: 167 Handelsschiffe mit 12,526 Ton. ein.

Landes (spr. langd, "Heiden"), die längs der Küste des Viscayischen Meerbusens zwischen der Gironde und den Pyrenäen in einer Länge von über 220 km bei einer Breite von 100-150 km sich erstreckenden Heiden, die eine der ödesten Gegenden Europas bilden und einem Departement Frankreichs den Namen geben. Letzteres, aus Teilen der alten Provinzen Gascogne (den eigentlichen L.), Guienne und Béarn zusammengesetzt, grenzt gegen N. an das Departement Gironde, gegen O. an Lot-et-Garonne und Gers, gegen S. an das Departement Niederpyrenäen, gegen W. an den Atlantischen Ozean und