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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Landschaftsgarten; Landschaftsmalerei

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Landschaftsgarten - Landschaftsmalerei.

landschaftliche Kreditanstalten nach Art der preußischen L. wesentlich nur in Sachsen entstanden; dort bestehen 1) der erbländische ritterschaftliche Kreditverein, seit 1844; 2) die landständische Bank des königlich sächsischen Markgrafentums Oberlausitz, in ihrer heutigen Gestalt seit 1847; 3) der landwirtschaftliche Kreditverein, seit 1866. Außerdem gibt es nur noch in Mecklenburg eine Landschaft für Rittergüter, seit 1818. Nach dem Muster der ältern L. wurden solche auch 1803 in den russischen Ostseeprovinzen gegründet. S. auch Landwirtschaftlicher Kredit.

Landschaftsgarten, s. Park.

Landschaftsmalerei, die malerische Darstellung der Natur in ihrer äußern Erscheinung. In der geschichtlichen Entwickelung der Künste tritt die L. im eigentlichen Sinn des Wortes, d. h. als besondere Kunstgattung, erst spät auf. Der antiken Welt war das moderne sentimentale Naturgefühl fremd, und ihre Kunst war in erster Linie auf die Durchbildung der menschlichen Gestalt gerichtet; Landschaften erscheinen daher geraume Zeit nur als Hintergründe oder auch als Dekorationen. Erst in der alexandrinischen Zeit, welche auf dem Gebiet der Dichtung das Idyll schuf, trat ein merklicher Umschlag ein, ein lebhafteres Interesse für die Schönheit der Natur (auch in der Pflege der Gartenkunst namentlich in römischer Zeit sich äußernd) erwachte und damit die Neigung, der Landschaft selbständigen Charakter zu geben. Die bedeutendste uns erhaltene Leistung, welche etwa dem Gebiet der historischen Landschaft zuzuweisen ist, sind die auf dem Esquilin in Rom gefundenen, jetzt im Vatikan befindlichen Odysseelandschaften, Wandbilder, welche Homerische Szenen in breitester landschaftlicher Umgebung schildern. Sie sind herausgegeben von Woermann ("Die antiken Odysseelandschaften", Münch. 1876). Außerdem finden sich in Pompeji und Herculaneum häufig kleinere Park-, Hafen- und Gartenansichten von selbständigem Wert. Vgl. Woermann, Die Landschaft in der Kunst der alten Völker (Münch. 1876). Auch im Mittelalter tritt die L. zunächst sehr in den Hintergrund, weil religiöse Stoffe vorherrschen. Über das allmähliche Erwachen des Naturgefühls unterrichtet Jakob Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in Italien, 4. Abschnitt. So konnte erst Jan van Eyck (gest. 1441) in der ersten Hälfte des 15. Jahrh., durch glänzende Öltechnik und perspektivisches Wissen unterstützt, der Landschaft ein naturgemäßeres Äußere geben. Er widmete ihr ein tiefes Studium, verstand sich bereits auf die Effekte der Sonnenbeleuchtung, des Helldunkels etc., behandelte die L. jedoch noch nicht selbständig, sondern als Hintergrund seiner historischen Bilder. Die ersten reinen Landschaften finden sich unter den Zeichnungen und Wasserfarbenmalereien A. Dürers, welcher auf seinen Wanderungen zuerst das Porträt der Landschaft fixierte. Sein Nachahmer Altdorfer, der auch der erste Landschaftsradierer ist, wich wieder von der Natur ab und gab seinen Landschaften einen phantastischen Anstrich. In Italien waren Tizian und sein Schüler Andrea Schiavone die ersten Landschaftsmaler. Sie verliehen ihren Bildern einen idealen, heroischen Charakter, welchen dann Domenichino, die Carracci, besonders aber G. Poussin, Salvator Rosa und Claude Lorrain, die der spätern Entwickelung der idealistischen L. die Wege wiesen, weiter ausbildeten. Einen realistischen Weg schlug die niederländische Malerei ein. Lange kam man allerdings nicht viel über die van Eyck hinaus, und man staffierte die Landschaft mit Gruppen religiöser und mythologischer Bedeutung. Dieser Richtung gehörte noch Jan Brueghel (1569-1625) an, obwohl er auch reine Landschaften malte. Erst das 17. Jahrh. löste der Landschaft in den Niederlanden die Sprache, sowohl in Brabant, wo Rubens, Arthois, Uden, Momper u. a. thätig waren, als ganz besonders in Holland. Hier war der Vorgang J. ^[Jan] van Goyens entscheidend; man gelangte dazu, die heimische Landschaft in bezaubernder Feinheit zu malen (Wynants, Wouwerman, der Haarlemsche van der Meer, Koninck; S. van Ruisdael, Jac. van Ruisdael, Rembrandt, der auch hierin großen Einfluß ausübte und feine Landschaftsradierungen lieferte, A. van Everdingen, Hobbema u. v. a.). Die größten sind J. ^[Jacob] van Ruisdael (gest. 1682), der meist Waldlandschaften mit ernster Stimmung und Wasserfälle malte, und Hobbema, dessen Spezialität ebenfalls in Waldlandschaften liegt. Die holländische L. bezeichnet einen Höhepunkt. Sie gipfelte in der Wiedergabe der verschiedensten Stimmungen und hat einen entscheidenden Einfluß auf die moderne französische und deutsche L. geübt. Viele Holländer wandten sich nach Italien und stellten, von Claude Lorrain mehr oder weniger beeinflußt, südliche Gegenden dar; die Hauptmeister sind Both und Berchem. Berchem, Potter, A. van de Velde, J. H. ^[Johann Heinrich] Roos pflegten ihre Landschaften meist mit reicher Tierstaffage auszustatten, daher "Tierlandschaft"; Porcellis, W. van de Velde, Bakhuizen malten Marinen. Im 18. Jahrh. wurde die L. glatt, geleckt, entweder zierliche Feinmalerei oder oberflächliche Dekoration. Unter den Franzosen ist J. ^[Joseph] Vernet, unter den Engländern T. Gainsborough zu erwähnen. Bedeutender ist der treffliche Maler venezianischer Prospekte A. Canale und sein Schüler und Neffe B. Bellotto. Das angehende 19. Jahrh. zeigt die L. in kläglichem Zustand (Hackert u. a.); das Erfreulichste wurde noch im Anschluß an die alten Holländer geliefert (Wagenbauer: Kuntz). Turners geniale Effekte gingen in Formlosigkeit unter. Eine neue Periode der deutschen L. hub mit J. A. ^[Joseph Anton] Koch an, der im Anschluß an Poussin und Claude Lorrain die stilisierte (historische) Landschaft wieder belebte. J. ^[Julius] Schnorr, Preller, Rottmann, Franz-Dreber, Kanoldt u. a. haben diese Richtung bis auf die Gegenwart fortgesetzt. Eine andre neue Bahn eröffneten die Düsseldorfer, voran Lessing; die Sentimentalität dieser Schule fand gerade in der Landschaft, durch die Versenkung der subjektiven Stimmung in die Natur, einen angemessenen Ausdruck. Neben ihm wirkte J. W. ^[Johann Wilhelm] Schirmer, der sich auch der stilisierten L. zuwandte. Immer vielseitiger gestaltete sich die L.: die Stimmungslandschaft, die Vedutenmalerei, die romantische L. etc. wurden zu Spezialitäten, denen sich zahllose Künstler widmeten. Wichtig wurde namentlich das Vorgehen der modernen Franzosen, die den Hauptwert auf die malerische Stimmung legen (paysage intime) und die unscheinbarsten Vorwürfe behandeln (Huet, Corot, Rousseau, Dupré, Daubigny, Courbet u. a.). Zu gunsten der "malerischen" Stimmung vernachlässigte man jedoch ungebührlich das Formenstudium, und die ungeahnte Erweiterung des Kreises der L., die vom Pol bis zum Äquator, von Australien bis Amerika alles in ihren Bereich zog (E. Hildebrandt), trug zunächst mehr zur Effektlandschaft als zur künstlerischen Vertiefung bei; doch haben sich jetzt die Gegensätze ausgeglichen, und die L. bildet den erfreulichsten Teil der modernen Malerei. Ausgezeichnete Landschafts- und Marinemaler der neuern Zeit sind: die Deutschen Andreas und Oswald Achenbach, A. Zimmermann, Leu, E. Schleich, Hoguet, Eschke, Graf Kalckreuth,