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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lang-Lütjensand; Langhaus; Langhische Stufe; Langholm; Langiewicz; Langko; Langnau; Langö; Langobarden

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Langhaus - Langobarden.

Akademie der Musik in Florenz und 1886 die Cäcilienakademie in Rom zum Ehrenmitglied.

Langhaus, in der Kirchenbaukunst allgemeine Bezeichnung des Langschiffs im Gegensatz zum Kreuz- oder Querschiff, mag ersteres aus einem, drei oder fünf Schiffen bestehen.

Langhische Stufe, s. Tertiärformation.

Langholm (spr. láng-om), schönes Städtchen in Dumfriesshire (Schottland), am Esk, mit Manufaktur von Plaids, Antimongruben, einem Denkmal Sir J. ^[John] Malcolms und (1881) 4209 Einw. L. ist Geburtsort des Ingenieurs Telford.

Langiewicz (spr. -gjéwitsch), Marian, poln. Insurgentenführer, geb. 5. Aug. 1827 zu Krotoschin, widmete sich seit 1848 in Breslau besonders mathematischen Studien, diente ein Jahr in der preußischen Gardeartillerie, machte dann Reisen ins Ausland und beteiligte sich 1860 an der Expedition Garibaldis nach Sizilien und Neapel. Beim Ausbruch des polnischen Aufstandes im Januar 1863 trat er an die Spitze einer Insurgentenschar im Distrikt Sandomir, erklärte sich 10. März an der Stelle des von den Russen geschlagenen Mieroslawski selbst zum Diktator von Polen, sah sich aber schon am 19. genötigt, auf österreichisches Gebiet überzutreten, wo er an demselben Tag zu Tarnow von der österreichischen Regierung interniert wurde. Ende April ward er in die Festung Josephstadt gebracht. Ende Februar 1865 in Freiheit gesetzt, begab er sich in die Schweiz, von da nach der Türkei und starb im Mai 1887 in Konstantinopel.

Langko, Dietrich, Maler, geb. 1. Juni 1819 zu Hamburg, war anfangs bei einem Dekorationsmaler in der Lehre, wo er sich in den Freistunden nach den Landschaften der alten Holländer bildete. Seinen künstlerischen Unterricht erhielt er später von den Brüdern Jakob und Martin Gensler, bei denen er seine ersten Ölbilder nach den Gegenden am Ausfluß der Elbe malte. 1840 ließ er sich in München nieder, wo er seitdem zahlreiche Stimmungslandschaften, großenteils aus der Umgegend von München, gemalt hat, die, in der Art Schleichs, von feinem Gefühl und tiefem Eingehen in das innere Wesen der Natur zeugen. Besonders trefflich gelingen ihm die Lufteffekte und die Wirkung des von Wolkenschichten gebrochenen Sonnenlichts. Seine Hauptwerke sind: ein Motiv vom Chiemsee, Karfsee im Moor bei Königsdorf, Partie an der Straße nach Thalkirchen, Gegend bei Dachau, Motiv aus den Isarauen, der Abend im Haspelmoor im bayrischen Oberland, Eichenlandschaft, Sumpflandschaft, Partie aus dem Meisinger Grund bei Starnberg, Mondnacht an der Maas bei Dordrecht und Partie bei Haimhausen (Oberbayern).

Lang-Lütjensand (Lützensand), Sandbank am Ausfluß der Weser, nordwestlich von Bremerhafen; auf derselben Festungswerke, die mit denen zu Brinkamahof an der östlichen Seite der Weser die Einfahrt zur Weser beherrschen. Nördlich davon, an der Vereinigung des Wurster und des Fedderwarder Fahrwassers, steht auf Triebsand der Weserleuchtturm, ein Meisterstück der Baukunst.

Langnau, Gemeinde und Amtssitz des Bezirks Signau im schweizer. Kanton Bern, Knotenpunkt der Eisenbahn Bern-Luzern und der Emmenthalbahn, mit einer Sekundärschule, Tabaks- und Uhrenfabrikation und (1880) 7191 Einw., Hauptort des (obern) Emmenthals und Hauptstapelplatz des Emmenthaler Käses.

Langö, Insel, s. Lofoten.

Langobarden (abzuleiten entweder von ihren langen Bärten oder von parta, barte, Streitaxt, weniger gut Longobarden), eine wenig zahlreiche, aber tapfere Völkerschaft suevischen Stammes, wohnte zu Anfang unsrer Zeitrechnung an der untern Elbe. Ihre herrlichen Nationalsagen hat uns ein günstiges Geschick, zwar nicht in der ursprünglichen Form und Sprache, doch dem Inhalt nach in der lateinisch geschriebenen Geschichte der L. von Paulus Diaconus, einem Zeitgenossen Pippins und Karls d. Gr., erhalten; sie endigt mit dem Tod Liutprands 744. In den Jahren 4-6 n. Chr. wurden sie von Tiberius unterworfen, standen in den Kämpfen zwischen Arminius und Marbod auf des erstern Seite und gehörten zu den Teilnehmern am großen markomannisch-quadischen Krieg unter Mark Aurel. Nach diesem verschwinden sie fast während dreier Jahrhunderte aus der Geschichte, bis wir sie nach dem Tod Attilas und dem Untergang seines Reichs um 455 als ein den Herulern tributpflichtiges Volk in Mähren wiederfinden. Der Sieg über die Heruler, wahrscheinlich im österreichischen Marchfeld 493, machte die L. zu Besitzern des ganzen linken Donauufers von der Wachau bis an den Granfluß. Von hier breiteten sie sich weiter aus und wurden von Justinian zum Kriege gegen die Gepiden gereizt, die nach mehrjährigen Kämpfen 566 von Alboin (561-573) geschlagen wurden. 568 zogen die L. unter Alboin im Bund mit 20,000 Sachsen über die Alpen und eroberten innerhalb weniger Jahre den größten Teil Nord- und Mittelitaliens. Nur Mailand und Pavia leisteten längern Widerstand; letztere Stadt ergab sich erst 571 nach dreijähriger Belagerung und wurde von Alboin wegen ihrer günstigen Lage zu der Hauptstadt seines Reichs erhoben. Nachdem Alboin auf Veranstaltung seiner Gemahlin Rosamunde, die er hatte zwingen wollen, aus dem Schädel ihres von ihm erschlagenen Vaters, des Gepidenkönigs Kunimund, zu trinken, 573 ermordet worden, wählten die L. Kleph zum König, der jedoch schon 574 erschlagen wurde.

Während der Minderjährigkeit von dessen Sohn Authari (574-590) führten zehn Jahre lang 36 Herzöge die Regierung, von denen die zu Friaul, Spoleto und Benevent residierenden die mächtigsten waren. Erst 584 übernahm Authari die Regierung. Er verlieh zuerst dem Staatswesen eine feste monarchische Form und ordnete das Verhältnis des Königs zu den Großen des Reichs, wie es im wesentlichen bis zum Untergang desselben bestanden hat. Die Gesetze wurden von dem König mit den Großen beraten, in der Volksversammlung angenommen und im Namen des Königs erlassen. An der Spitze dieser Aristokratie standen die Herzöge (duces), ursprünglich vom Volke gewählt, seit der Einwanderung der L. in Italien vom König aus den hervorragendsten Geschlechtern ernannt. Sie waren sowohl Heerführer als Richter in den Städten und den dazu gehörigen Gebieten; eine ähnliche Stellung nahmen die Gastalden ein, unter denen die Comites als die angesehensten galten. Ihnen war der Sculdahis oder Schultheiß, der Schuld und Pflicht einforderte, untergeben, diesem wiederum die Dekane und Saltaria, die Vorstände kleinerer Ortsbezirke. Seit 644 wurden auch die langobardischen Gesetze in Schrift gefaßt; eine neue Blüte der Gesittung erwuchs, und Landbau, Gewerbfleiß, Kunst, Handel und Verkehr gediehen. Italien erfreute sich unter der langobardischen Königsherrschaft des Schutzes gegen äußere Feinde, der Ordnung und der Gerechtigkeit.