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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lasser von Zollheim; Lasso; Lasson; Lassus; Laßwade; Last

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Lasser von Zollheim - Last.

zu Goethes "Faust", mehrere Ouvertüren und eine große Zahl höchst wertvoller ein- und mehrstimmiger Lieder.

Lasser von Zollheim, Joseph, Freiherr, österreich. Minister, geb. 30. Sept. 1815 zu Werfen im Herzogtum Salzburg aus einer 1708 in den Reichsritterstand erhobenen Adelsfamilie, studierte in Wien die Rechte und trat 1846 in den österreichischen Staatsdienst. 1848 von seiner Heimat in den österreichischen Reichstag gewählt, war er wiederholt Vizepräsident desselben und sehr thätiges Mitglied des Verfassungsausschusses; er gehörte zu den hervorragendsten und einflußreichsten Abgeordneten und war Hauptredner der liberalen großösterreichischen Partei. 1849 wurde er Ministerialrat, 1859 Sektionschef im Ministerium des Innern, 20. Okt. 1860 als Minister ohne Portefeuille mit der provisorischen Verwaltung des Justizministeriums beauftragt; unter Schmerling war er vom 4. Febr. 1861 bis Juli 1865 Minister der politischen Verwaltung, erhielt hierauf die Statthalterschaft von Tirol, wurde 1867 in den Freiherrenstand erhoben und übernahm 25. Nov. 1871 wieder das Ministerium des Innern im Ministerium Auersperg, zu dessen tüchtigsten Mitgliedern er gehörte. Namentlich war die Wahlreform sein Werk. Als aber dies Ministerium nach Abschluß der Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn 28. Juni 1878 seine Entlassung einreichte, bekam auch L. vom Kaiser den aus Gesundheitsrücksichten besonders erbetenen Abschied 10. Juli 1878 unter der ehrenvollsten Anerkennung seiner Verdienste in einem kaiserlichen Handschreiben; auch wurde ihm das Großkreuz des St. Stephansordens verliehen und er auf Lebenszeit als Mitglied in das Herrenhaus berufen. Er starb 18. Nov. 1879 in Wien nach schwerem Leiden.

Lasso (span. lázo, "Schlinge"), langer, in seiner äußersten Spitze mit einer Kugel (Bola) versehener lederner Riemen, dessen sich die Südamerikaner beim Einfangen der wilden Pferde, Büffel etc. bedienen; er wird geworfen, und das mit der Kugel beschwerte Ende umschlingt das Bein des Tiers. Der L. wurde in den südamerikanischen Befreiungskriegen auch häufig als Waffe gebraucht.

Lasson, Adolf, philosoph. Schriftsteller, geb. 12. März 1832 zu Altstrelitz in Mecklenburg, studierte 1848-52 an der Universität Berlin Philologie und Rechtswissenschaft, ist seit 1859 als Lehrer an der Luisenstädtischen Realschule in Berlin, daneben seit 1874 als Dozent der Litteratur und Ästhetik am Viktoria-Lyceum und seit 1877 als Dozent der Philosophie an der Universität thätig. Unter seinen Schriften, in denen er eine durch die Ansichten der historischen Rechtsschule und durch die neuern naturwissenschaftlichen Anschauungen beeinflußte Fortbildung der Hegelschen Lehre vertritt, sind hervorzuheben: "J. H. Fichte im Verhältnis zu Staat und Kirche" (Berl. 1863); "Meister Eckhart der Mystiker" (das. 1878); "Das Kulturideal und der Krieg" (das. 1868); "Prinzip und Zukunft des Völkerrechts" (das. 1871); "System der Rechtsphilosophie" (das. 1881). Vgl. Kahle, A. Lassons System der Rechtsphilosophie (Halle 1883).

Lassus, Orlandus (eigentlich Roland de Lattre, ital. Orlando di Lasso), Komponist, geb. 1520 zu Mons im Hennegau (Belgien), kam frühzeitig nach Italien, wo er besonders in Neapel seiner musikalischen Ausbildung oblag und, kaum 21 Jahre alt, zu Rom die Kapellmeisterstelle an San Giovanni im Lateran erhielt. Später bereiste er England und Frankreich und scheint dann einige Jahre in Zurückgezogenheit in Antwerpen gelebt zu haben, bis er 1557 vom Herzog Albrecht V. von Bayern nach München berufen wurde. Hier erhielt er 1562 die erste Kapellmeisterstelle sowie 1570 vom Kaiser Maximilian den Reichsadel und wurde 1571 vom Papst Gregor XIII. zum Ritter vom Goldenen Sporn ernannt. Auch König Karl IX. von Frankreich überhäufte den Komponisten, als derselbe im letztgenannten Jahr nach Paris kam, mit Auszeichnungen und Geschenken. Als der König infolge der Bartholomäusnacht (1572) von Gewissensbissen gepeinigt wurde, waren es besonders L.' berühmte sieben Bußpsalmen, die eine lindernde Wirkung auf sein Gemüt übten. L. starb in München, wie neuerdings Hurter und Schafhäutl festgestellt haben, 14. Juni 1594 (nach Delmotte, in Übereinstimmung mit dem Datum des Grabmals auf dem Franziskanerkirchhof in München, 1595). Von seinen Söhnen haben sich zwei: Ferdinand (gest. 1609 als Kapellmeister in München) und besonders Rudolf (gest. 1625 als Hoforganist daselbst), ebenfalls als Musiker hervorgethan. L. war nächst Palestrina der größte Tonsetzer des 16. Jahrh. und der letzte berühmte Meister der sogen. niederländischen Kontrapunktistenschule, deren verhältnismäßig beschränkten Wirkungskreis er jedoch weit überschritt, indem er den im Lauf des 16. Jahrh. auch bei den übrigen Nationen erwachten Kunstgeist in sich aufnahm und mit universaler Kraft zum Ausdruck brachte. Vermöge dieser Universalität seines künstlerischen Empfindens erhob er sich selbst noch über die Meister der römischen Schule, denn sie befähigte ihn, nicht allein in allen Formen der Kirchenmusik, sondern auch in denen des weltlichen Gesanges, namentlich im Madrigal, Ausgezeichnetes zu leisten. Von seinem Fleiß und seiner Fruchtbarkeit zeugt die Zahl der von ihm hinterlassenen Werke, deren nicht weniger als 2337 nachweisbar sind, die teils gedruckt, teils als Manuskript in den Bibliotheken von München, Wien und Berlin bewahrt werden, darunter 51 Messen, 780 Motetten etc. sowie die erwähnten sieben Bußpsalmen zu fünf Stimmen, deren erster Band 1565, der zweite 1570 vollendet wurde, letzteres Werk einer der kostbarsten Schätze der Münchener Bibliothek. Eine Liste der sehr zahlreichen im Druck erschienenen Kompositionen L'. gibt Fétis' "Biographie universelle". Ein ehernes Standbild des Meisters (von Widnmann) wurde 1849 in München errichtet; ein andres (von Frison) schmückt seit 1853 seine Vaterstadt. Vgl. Delmotte, Biographische Notiz über Roland de Lattre (deutsch, Berl. 1837); Bäumker, Orlandus de L. (Freiburg 1878).

Laßwade (spr. láßwehd), Fabrikdorf in Edinburghshire (Schottland), mit (1881) 1232 Einw., dabei Hawthorndon Castle, der Sitz Drummonds, des Dichters und Freundes von Shakespeare und Ben Jonson.

Last, Getreidemaß im nördlichen Europa, in Preußen = 60 Scheffel für Getreide, dagegen 72 Scheffel oder 18 Tonnen für Kohlen; in Hamburg = 60 Faß = 32,9771 hl; in Bremen = 40 Scheffel = 29,642 hl; in Lübeck = 96 Scheffel = 33,3061 hl; in den Niederlanden = 30 Mudden oder Hektoliter; in Dänemark (Laest) = 96 Scheffel = 16,695 hl; in Rußland = 16 Tschetwert = 33,584 hl; in England = 2 Weys oder Loads (s. d.) = 10 Imperialquarters oder 80 Imperialbushels = 29,078 hl; in den Vereinigten Staaten von Nordamerika = 80 Winchester Bushels = 28,1897 hl. Ferner ist L. ein großes Schiffsfrachtgewicht, wird in Deutschland gewöhnlich in 2 Tonnen eingeteilt und ist auf 2000 kg gesetzt, während die sogen. Kommerzlast in Hamburg, Bremen und Lübeck 3000, in Schleswig-Holstein 2600 kg