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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Laube

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Laube.

loba, Cobaea scandens, Cucurbita melanosperma etc. Eine architektonisch mit dem Haus verbundene L. heißt Veranda. Als Laubengang verdient die italienische Pergola (s. d.) besondere Empfehlung, doch muß sie zur Architektur des Hauses passen. L. ist auch s. v. w. Halle (Gerichtslaube) und besonders ein überwölbter, nicht vorspringender Bogengang am Erdgeschoß der Häuser, wie er sich in vielen ältern Städten findet (am häufigsten in Bologna), zuweilen auch vor dem Obergeschoß, z. B. am Rathaus in Braunschweig, am Dogenpalast von Venedig (vgl. Loge). Am Rhein ist Laube s. v. w. Erker.

Laube, 1) Heinrich, Schriftsteller, Dichter und Dramaturg, geb. 18. Sept. 1806 zu Sprottau in Schlesien, erhielt seine Schulbildung auf den Gymnasien zu Glogau und Schweidnitz, studierte darauf seit 1826 in Halle und Breslau Theologie, war später einige Zeit Hauslehrer und begab sich 1832 nach Leipzig, um als Litterat ein unabhängiges Leben führen zu können. Seine Sympathien für die Rückwirkung der französischen Julirevolution auf Deutschland zogen ihm eine Untersuchung zu, infolge deren er, als er eben von einer Reise aus Oberitalien zurückgekehrt war, 1834 aus Sachsen verwiesen und in Berlin neun Monate lang in der Hausvogtei festgehalten wurde. Auch seine Schriften verfielen dem vom Bundestag über das "junge Deutschland" verhängten Banne. Nach seiner Freilassung lebte er zunächst in Kösen bei Naumburg und in Berlin und verheiratete sich 1837 mit der Witwe des Professors Hänel in Leipzig, die ihn, als ihn das Erkenntnis der preußischen Gerichte wegen seiner burschenschaftlichen Bestrebungen zur Gefängnisstrafe verurteilte, in seine im Amt- und Jagdhaus zu Muskau abzubüßende Haft begleitete. 1839 bereiste er Frankreich und Algerien und ließ sich nach seiner Rückkehr erneut in Leipzig nieder. Von dem böhmischen Wahlkreis Elbogen 1848 in die deutsche Nationalversammlung gewählt, hielt er sich zum Zentrum und zur erbkaiserlichen Partei, trat jedoch im März 1849 aus, da er sich wegen der Kaiserfrage mit seinen Wählern im Widerspruch befand (vgl. seine Schrift: "Das erste deutsche Parlament", Leipz. 1849, 3 Bde.). Gegen Ende 1849 ward er als artistischer Direktor des k. k. Hofburgtheaters nach Wien berufen. Seine Direktion dieser Anstalt, welche er bis zum September 1867 führte, wurde durch das Bestreben geleitet, ein bleibendes, in gewissem Sinn mustergültiges Repertoire zu schaffen, in dem neben den eigentlich klassischen Dramen die besten und bleibendsten Schöpfungen der modernen Poesie dauernd ihren Platz finden sollten. Mußten diese Bestrebungen sich einer allseitigen Anerkennung erfreuen, so stieß Laubes unverkennbare Vorliebe für das französische Drama auf harten Widerspruch. Eine Geschichte seiner Direktionsführung gab er in dem Buch: "Das Burgtheater" (Leipz. 1868). 1869 übernahm L. die Direktion des Leipziger Stadttheaters, welchem er einen nicht geringen Aufschwung zu geben wußte. Mannigfache Differenzen mit Behörden, Kritik und Publikum bewogen ihn indessen, schon 1871 von der Leitung dieser Bühne wieder zurückzutreten, einer Leitung, deren Prinzipien und Erfolge er wiederum in einem eignen Buch: "Das norddeutsche Theater" (Leipz. 1872), darlegte. 1872 nach Wien zurückgekehrt, trat er an die Spitze des neuen, auf Aktien gegründeten Stadttheaters, legte die Direktion aber infolge der durch die Wiener Börsenkatastrophe eingetretenen Mißverhältnisse nieder, die er in dem Buch: "Das Wiener Stadttheater" (Leipz. 1875) ausführlich schilderte, die ihn jedoch nicht hinderten, im Sommer 1875 von neuem das Steuer des Wiener Stadttheaters zu ergreifen und bis 1880 zu führen, worauf ein neuer Rücktritt erfolgte. Fortan noch in ergiebiger Weise als Schriftsteller wirkend, starb er 1. Aug. 1884 in Wien.

Als Schriftsteller trat L. zuerst mit der durch Paganinis Anwesenheit in Breslau veranlaßten Farce "Zaganini" und einem Drama: "Gustav Adolf", auf, denen die historisch-politischen Skizzen "Das neue Jahrhundert" (Fürth u. Leipz. 1832-33, 2 Bde.) und der Roman "Das junge Europa" (Mannh. 1833 bis 1837, 3 Tle.) folgten. Seine "Liebesbriefe" und die Novellen: "Die Schauspielerin" (Mannh. 1836) und "Das Glück" (das. 1837) waren nur Variationen, keine Vertiefungen seiner frühern Schilderungen. In den "Reisenovellen" (Mannh. 1834-37, 6 Bde.; 2. Aufl. 1846-47, 10 Bde.) setzte er Heines "Reisebilder" fort, doch insofern auf eigentümliche Weise, als sie ein Totalbild von Deutschland zu geben versuchten. Politische, soziale und litterarische Porträte sammelte er in seinen "Modernen Charakteristiken" (Mannh. 1835, 2 Bde.). An der Kölner Streitsache zwischen Deutschland und Rom beteiligte er sich anonym mit der Broschüre "Görres und Athanasius" (Leipz. 1838). Nächstdem gab er Wilhelm Heinses sämtliche Schriften (Leipz. 1838, 10 Bde.; 2. Aufl. 1857-58, 5 Bde.), mit einer Vorrede begleitet, heraus. Eine Frucht seines Aufenthalts in Muskau war seine "Geschichte der deutschen Litteratur" (Stuttg. 1840, 4 Bde.). L. hatte sich indes mit diesem Werk an eine Aufgabe gewagt, der er in keiner Richtung gewachsen war, und lenkte deshalb mit seiner litterarischen Thätigkeit wieder in die frühere Laufbahn ein. In rascher Folge erschienen demnächst: "Französische Lustschlösser" (Mannh. 1840, 3 Bde.); "Jagdbrevier" (Leipz. 1841, 2. Aufl. 1858), worin ihm die Sitten der Tiere Gelegenheit zu allerlei scherzhaften, satirischen u. ernsten Reflexionen gaben; "Die Bandomire, eine kurische Erzählung" (Mitau 1842, 2 Bde.); die historische Novelle "Der Prätendent" (Leipz. 1842), die den bekannten Naundorf, angeblichen Ludwig XVII., zum Gegenstand hat; der Roman "Die Gräfin Chateaubriant" (das. 1843, 3 Bde.; 2. Aufl. 1846); "George Sands Frauenbilder" (Brüssel 1844); "Drei Königsstädte im Norden" (Leipz. 1845, 2 Bde.), Reiseschilderungen mit Novellistik und geschichtlicher Charakteristik; "Der belgische Graf" (Mannh. 1845); "Paris 1847" (das. 1848), eine Wiederaufnahme seiner Reiseschilderungen mit einer trefflichen Darlegung der parlamentarischen Kämpfe zwischen Thiers und Guizot. Zugleich hatte sich L. mit wachsendem Erfolg dramatischen Arbeiten zugewendet. Zwar waren seine ersten Versuche, die Tragödie "Monaldeschi" (1839), deren Held der Liebhaber der Königin Christine von Schweden ist, die kulturhistorische Komödie "Rokoko" (1842) und das Schauspiel "Die Bernsteinhexe" (1843), im ganzen verfehlt; dagegen erreichte er gute Erfolge mit der Tragödie "Struensee" (1847), welche eine meisterhafte dramatische Technik in der Verknüpfung der Intrige zeigt, mit der Litteraturkomödie "Gottsched und Gellert" (1847), namentlich aber mit dem Schauspiel "Die Karlsschüler" (1847, 8. Aufl. 1877), das Schillers Flucht aus Stuttgart zum Gegenstand hat und wegen des tendenziösen Pathos, zu dem es sich erhebt, und wegen der lebensvollen Gruppierung der dramatischen Tableaus großen und verdienten Beifall fand. Weniger gilt dies von dem Schauspiel "Prinz Friedrich", welches Friedrichs d. Gr. Konflikt mit Friedrich Wilhelm I. vorführt. Die beste Tragödie Laubes ist unstreitig "Graf Essex" (1856, 4. Aufl. 1876), reich an lebendigen Szenen und epigram-^[folgende Seite]