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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lautrec; Lautschrift; Lautverschiebung; Läutwerke, elektrische

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Lautrec - Läutwerke, elektrische.

lassen. Die historische und vergleichende L., wie J. Grimm und Bopp sie begründet haben, die Grundlage der neuern Linguistik, geht nicht mit dem fertigen Begriff des Wohllauts an die Sprache heran, sondern sucht den Sprachen abzulernen, was darin zu einer gegebenen Zeit für wohllautend galt. S. Sprache und Sprachwissenschaft.

Lautrec (spr. lotreck), Stadt im franz. Departement Tarn, Arrondissement Castres, auf einer Anhöhe zwischen Agout und Dadou an der Südbahn gelegen, mit restaurierter Kirche und (1881) 957 Einw. L. war im Mittelalter befestigt und gab einem Vikomtegeschlecht den Titel.

Lautrec (spr. lotreck), Odet de Foix, Vicomte de, Marschall von Frankreich, geb. 1485, zeichnete sich schon in der Schlacht bei Ravenna 1512 aus, wo er schwer verwundet wurde, war 1515-21 Statthalter von Mailand, machte sich aber durch seine Grausamkeit so verhaßt, daß beim Einrücken der Kaiserlichen 1521 die Bevölkerung sich gegen ihn erhob und er 19. Nov. Mailand räumen mußte. Um es wiederzuerobern, griff er 27. April 1522 die Kaiserlichen in ihrem verschanzten Lager bei Bicocca an, erlitt aber eine Niederlage. 1525 riet er nach dem erfolglosen Angriff auf Pavia vergebens zum Abzug. 1527 führte er wieder ein französisches Heer nach Italien, eroberte Alessandria und Pavia, das er plündern ließ, und drang in das Königreich Neapel siegreich ein. Im Frühjahr 1528 begann er die Belagerung von Neapel, welche durch eine furchtbare Seuche dem Heer höchst verderblich wurde. L., der trotzdem das Unternehmen nicht aufgeben wollte, erlag ihr endlich selbst 15. Aug. 1528.

Lautschrift, s. Phonographie.

Lautverschiebung. Vergleicht man ein beliebiges englisches oder niederdeutsches, holländisches, schwedisches, dänisches, isländisches, gotisches Wort, das den tönenden Zungenlaut d enthält, mit dem entsprechenden deutschen Wort, so wird man in dem letztern statt eines d in der Regel ein t finden. So stehen dem englischen dance, day, deep im Deutschen die Wortformen Tanz, Tag, tief gegenüber. Ferner wird der tonlose Dental t des Englischen etc. im Deutschen gewöhnlich durch z oder ß, drittens das gelispelte th meist durch d vertreten, z. B. im englischen tin, foot, bath gegenüber dem deutschen Zinn, Fuß, Bad. Wie sich hierin das Hochdeutsche zum Englischen und den andern niederdeutschen sowie den skandinavischen Sprachen verhält, so verhalten sich diese Sprachen ihrerseits zum Griechischen, Latein, Sanskrit, überhaupt zu allen übrigen Familien des indogermanischen Sprachstammes (s. Indogermanen). Und ferner findet eine ganz analoge Vertauschung bei den gutturalen und labialen Konsonanten der indogermanischen Sprachen statt. Wir führen zunächst drei Beispiele für die Verwandlung der Dentale an, weil sie bei diesen am konsequentesten durchgeführt ist:

^[Liste]

1) Sanskr.: tad.

2) Engl.: that. Griech.: thyra.

3) Deutsch: das. Engl.: door. Lat.: dent-em.

1) Deutsch: T(h)or. Engl.: tooth.

2) Deutsch: Zahn.

Die Zahlen beziehen sich nur auf den anlautenden Konsonanten in diesen Wörtern, der im Englischen etc. jedesmal um eine Stufe, im Hochdeutschen um zwei Stufen verschoben ist. Daher gab Grimm, der eigentliche Entdecker dieses Lautwechsels, ihm den Namen L.; in England wird es gewöhnlich Grimm's law ("Grimms Gesetz") schlechthin genannt. Bei den Gutturalen und Labialen findet sich nur die erste Stufe der L. durchgehends, d. h. die niederdeutschen und nordischen Sprachen haben g, h, k und b, f, p, wo im Griechischen, Lateinischen, Sanskrit, Slawischen und Keltischen gh (h, ch, g), k (c, p), g und bh (b, f), p, b steht; auf der zweiten, d. h. hochdeutschen, Stufe wird das so entstandene k und p, wenigstens im Inlaut, in ch und f oder pf verwandelt, aber die andern Laute bleiben, abgesehen von mundartlichen Besonderheiten, so, wie wir sie im Niederdeutschen und Nordischen finden. So wird griechisch megal-e im Gotischen zu mikil (vgl. engl. much), im Mittelhochdeutschen zu michel ("groß, viel"); für schlafen finden wir im Gotischen slepan, im Englischen to sleep. Anderseits findet sich z. B. in Horn das niederdeutsche h (got. haurn, engl. horn), in Buche das niederdeutsche b (got. bôka, engl. beech) bewahrt; aber die andern indogermanischen Sprachen zeigen im ersten Fall ein k (lat. cornu, griech. keras), im zweiten Fall ein f (lat. fagus, griech. phegos). In dieser Weise pflegte die L. bis in die neueste Zeit herein dargestellt zu werden, wobei jedoch die innern Gründe dieses ausgedehnten Lautwechsels sowohl als die zahlreichen Ausnahmen von demselben unaufgeklärt blieben. Die Sprachforschung der Gegenwart hat die L. in eine Reihe von Einzelvorgängen aufgelöst, welche teils durch die Entstehung von Reibungsgeräuschen nach tonlosen Lauten (also Übergang des p in pf, des t in ts etc.), teils durch Verstärkung der Exspiration (daher Übergang des g, d, b in k, t, p), teils durch den Einfluß des Accents (Vernersches Gesetz), teils durch andre, auch sonst in der Sprache nachweisbare lautliche Erscheinungen hervorgerufen worden sind. Die Bedeutung der L. als wichtigsten Lautgesetzes der germanischen Sprachen wird hierdurch nicht alteriert. Vgl. R. v. Raumer, Aspiration und L. (Leipz. 1837); Kräuter, Zur L. (Straßb. 1877); Verner, Eine Ausnahme der deutschen L. (in Kuhns "Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung", Bd. 23); Brugmann, Grundriß der vergleichenden Grammatik, Bd. 1 (Leipz. 1886).

Läutwerke, elektrische, Vorrichtungen zur Erzeugung hörbarer Glocken- oder Klingelsignale mittels des elektrischen Stroms, der entweder ein Triebwerk auslöst, oder unmittelbar das Anschlagen eines Klöppels wider eine Glocke herbeiführt. Mechanische Klingelwerke mit elektrischer Auslösung dienten schon bei den ersten lautlos arbeitenden Telegraphen, den Beginn einer telegraphischen Übermittelung anzukündigen. Noch heute benutzt man die gleiche Anordnung in den Eisenbahn-Läutwerken, um größere Glocken zum Ertönen zu bringen. Das Schlagwerk derselben hat in der Regel Gewichtsbetrieb; sein wesentlichster Teil ist ein Rad R (Fig. 1), dessen Stirnseite mit Daumen oder Hebenägeln rr ausgerüstet ist, welche bei der Umdrehung des Rades nacheinander den Arm c des Schlaghebels H aufheben und wieder zurückschnappen lassen. Die Bewegung des

^[Abb.: Fig. 1. Rad des Schlagwerks mit Gewichtsbetrieb.]