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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lecanorsäure; Lecce; Lecco; Lech

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Lecanorsäure - Lech.

wachsenen, sitzenden Apothecien mit einem dem Thallus gleichfarbigen thallodischen Rand und einer anfangs konkaven, dann flachen oder flach gewölbten, meist andersfarbigen Scheibe. Die Gattung umfaßt gegen 30 in Deutschland vorkommende Arten, welche aus Steinen und Baumrinden wachsen. L. esculenta Spr. (Mannaflechte), in den Wüsten der Tatarei, in Persien, in Kleinasien, in der Wüste von Damaskus, in der Krim etc., enthält, wie alle Flechten, nahrhafte Bestandteile, besonders Flechtenstärke, und wird in Gegenden, wo alle Nahrungsmittel fehlen, unter dem Namen Erdbrot (Himmelbrot) gemahlen und unter Zusatz von Gerstenmehl zu Brot verbacken. Da sie nur lose dem Boden aufsitzt, so wird sie bei großer Trockenheit durch Winde und Regen von den Bergen in die Thäler geführt oder gelangt auch durch Stürme in entferntere Gegenden und wird so bisweilen aufgehäuft gefunden. So entstand die Sage vom Mannaregen, auch hält man diese Flechte für das Manna der Bibel; sie wird in Form kleiner, den Weizenkörnern ähnelnder Körnchen gefunden, welche beim Trocknen äußerlich braun werden, inwendig aber weiß und mehlartig bleiben. Mehrere europäische Arten dienen gleich der echten Orseilleflechte (s. Roccella) zur Darstellung der Orseille und des Lackmus (daher auch Lackmusflechte), besonders L. tartarea Ach., mit höckerigem, weißem oder graugrünlichem Thallus und flachen, runzeligen, blaßbraunen Apothecien, an Felsen und Baumstämmen, im mittlern und besonders im nördlichen Europa, und L. parella Ach., mit schorfartigem, zusammenhängendem, weißem oder grünlichgrauem Thallus und ziemlich großen, schmutzig gelben, rötlichen oder braunen Apothecien, an Felsen, Bäumen und auf der Erde, kommt als Erdorseille in den Handel.

Lecanorsäure (Orsellsäure) C16H14O7 ^[C_{16}H_{14}O_{7}] findet sich in mehreren Farbeflechten, besonders in Roccella tinctoria. Zu ihrer Darstellung zieht man die Flechten kalt mit Kalkmilch aus und fällt den Auszug mit Salzsäure. Die gereinigte Säure bildet farb-, geruch- und geschmacklose Kristalle, ist schwer löslich in Wasser, leichter in Alkohol und Äther, schmilzt bei 153°, ist nicht flüchtig und gibt beim Kochen mit Wasser oder Alkalien zuerst Orsellinsäure, dann Orcin und Kohlensäure. In ammoniakalischer Lösung wird sie an der Luft rot.

Lecce (spr. lettsche, früher Terra d'Otranto genannt), Provinz in der ital. Landschaft Apulien, wird im N. von der Provinz Bari, im W. von Potenza (Basilicata), im S. vom Ionischen und im O. vom Adriatischen Meer begrenzt und hat ein Areal von 8530, nach Strelbitsky nur 7891 qkm (143,3 QM.). Das Land, das alte Messapia, ist etwa zum dritten Teil hügelig, aber infolge der reichlichen Quellen von überraschender Fruchtbarkeit. Das Klima ist angenehm und gesund; von den im Sommer zu Sümpfen austrocknenden und dann Malaria erzeugenden Seen sind mehrere jetzt entwässert. Die Bevölkerung belief sich 1881 auf 553,298 Einw. Die Landwirtschaft wird noch sehr primitiv betrieben. Hauptprodukte sind reichliches Getreide, ausgezeichnete Oliven und Olivenöl, Tabak, eine Fülle des besten Weins, ferner Nüsse, Kastanien und Agrumen, Baumwolle und Flachs sowie Seide. Auch der Viehstand ist ansehnlich. Seefischerei wird an den Küsten betrieben. Die Industrie ist in den größern Städten von einiger Bedeutung. Der Handel wird durch die Eisenbahn, welche von Bari nach Tarent und über Brindisi und Lecce nach Otranto führt, dann durch die Häfen, darunter Brindisi, Gallipoli, Taranto, wesentlich gefördert. Die Provinz zerfällt in die vier Kreise: Brindisi, Gallipoli, L. und Taranto. - Die Hauptstadt L., auf einem Plateau an der Bahnlinie Brindisi-Otranto, 12 km vom Meer gelegen, hat 4 Thore als Reste der im vorigen Jahrhundert abgetragenen Befestigungswerke, darunter ein Karl V. zu Ehren erbautes Triumphthor, eine Kathedrale, die Kirche San Nicola aus dem 12. Jahrh. und viele andre Kirchen, einen Präfekturpalast, ehemaliges Klostergebäude, (1881) 22,051 Einw., eine große Tabaksfabrik, Manufakturen in Wolle, Baumwolle und Flachs, Spitzen und künstlichen Blumen, Steinbrüche und Handel mit ausgezeichnetem Olivenöl und Wein. L. ist Sitz eines Bischofs und der Provinzialbehörden und hat ein Gymnasiallyceum, eine technische Schule, ein Nationalkonvikt und eine Bibliothek von 10,000 Bänden. Es steht wahrscheinlich an der Stelle des alten Lupia. Zur Normannenzeit hieß der Ort Lycia und war der Sitz einer Grafschaft, deren Titel unter andern Tancred (gest. 1194) führte. Vgl. de Simone, L. e i suoi dintorni descritti ed illustrati (Lecce 1874).

Lecco, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Como, in reizender Lage am Fuß des Resegone (1829 m), am östlichen, Lago di L. genannten Arm des Comersees, am Abfluß der von hier an schiffbaren Adda, über welche eine große steinerne Brücke (von 1335) führt, welche sich aber weiter unterhalb von neuem zu dem Lago di Pescarenico ausbreitet, und an der Eisenbahn nach Mailand und Bergamo gelegen, hat Reste von Befestigungswerken, ein hübsches Theater, (1881) 6075 Einw., bedeutende Eisen- (Blech- und Draht-) Werke, Seidenindustrie, Baumwollspinnerei, Ölfabrikation, besuchte Viehmärkte und lebhaften Handel. L. war im Mittelalter ein wichtiger fester Platz; es ward 1296 von den Mailändern gänzlich zerstört und danach wieder aufgebaut. 1799 wurden hier die Franzosen unter Sérurier von den Österreichern und Russen geschlagen. Vgl. Apostolo, L. e suo territorio (Lecco 1855).

Lech, im Hüttenwesen (auch Stein) Bezeichnung für Schwefelmetalle, welche beim Verschmelzen geschwefelter Erze als Zwischenprodukte erfolgen (Bleistein, Kupferstein) und aus denen meist durch Röstprozesse, dann durch ein reduzierend-solvierendes Schmelzen (Stein- oder Lech durchstechen) des Röstguts die nutzbaren Metalle gewonnen werden.

Lech (slaw.), ursprünglich (gleich Tschech und Bojar) ein freier Eigentümer eines größern Landstrichs, nach der Sage Stammvater der Polen (s. Cech und Lech). Daher Lechiten oder Lechen, ehemaliger Name der slawischen Einwohner der fruchtbaren Ebenen an der Weichsel und Oder.

Lech (Licus), rechter Nebenfluß der Donau, Grenzfluß zwischen Altbayern und Schwaben, entspringt in Vorarlberg (im Formarinsee unter der "roten Wand") 1865 m ü. M. und mündet nach einem 285 km langen Lauf bei Lechsend neben einsamer Burgruine 405 m ü. M. Im Quellgebiet fließt er in Schlangenwindungen zwischen den düstern Kalkalpen durch eine unbewohnte, unbebaute Wildnis; bei Reutte erweitert sich das Thal beckenartig, der Fluß wendet sich nordwärts, durchbricht zwischen Reutte und Füssen fünf vorgeschobene Alpenriegel in einem Querthal und bildet oberhalb Füssen einen schönen Wasserfall sowie die prächtigste Stromschnelle auf deutschem Boden. Nach der Sage überschritt ihn an der engsten Stelle der Apostel des Algäus, St. Magnus, der 746 an der Stelle der heutigen Stadt Füssen das Benediktinerstift Faucena (Fauces alpium) gegründet hatte. Unterhalb Füssen tritt der L. in die Ebene,