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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leeb; Leech; Leeds

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Leeb - Leeds.

Ordnung über den Potomac zurück, daß keiner der unionistischen Generale es wagte, ihn zu verfolgen. 1864 aber entfaltete L., fortwährend in der Defensive und in stetigem, wenn auch langsamem Rückgehen auf Richmond begriffen, den ganzen Reichtum seiner kriegerischen Befähigung. Nachdem er elf Monate lang erfolgreichen Widerstand geleistet hatte, kam er endlich so ins Gedränge, daß er 2. April 1865 Richmond räumen und 10. April bei Appomatox-Court-House vor General Grant die Waffen strecken mußte. Er nahm darauf die bescheidene Stellung eines Präsidenten des Washington College zu Lexington im Staat Virginia an und lebte bis zu seinem Tod (12. Okt. 1870) in Zurückgezogenheit. Unter den Feldherren, welche im großen Bürgerkrieg auftraten, war er ohne Zweifel der bedeutendste. Ganz besonders ausgezeichnet war er durch seinen edlen, ehrenhaften Charakter, der ihm nicht bloß die Liebe und Hingebung seiner Soldaten und die Verehrung seiner Parteigenossen, sondern auch die Achtung seiner politischen Gegner erwarb, die sich bei seinem feierlichen Leichenbegängnis deutlich kundgab. Vgl. Cooke, Life of General L. (neue Ausg., New York 1887); Lee-Childe (Neffe des Generals), Le général L., sa vie et ses campagnes (Par. 1874); Taylor, Four years with General L. (New York 1882); "Memoirs of General Robert Edm. L." (hrsg. von Long, Lond. 1886).

4) Anna, s. Shakers.

Leeb, Johann, Bildhauer, geb. 1. Sept. 1790 zu Memmingen, ursprünglich Steinmetz, ging 1811 nach Paris und kam 1816 nach München, wo er für die Glyptothek eine Anzahl Gipsmodelle zu architektonischen Verzierungen und eine lebensgroße Statue der Leda anfertigte. Dies trug ihm ein Stipendium für Rom ein. Er schuf hier ein Basrelief mit drei Horen, welche den Pegasus pflegen, und die Statue einer Bacchantin. Für die Walhalla lieferte er die Büsten Steins und Boerhaaves und für die Grabkapelle auf dem Rothenberg bei Kannstatt die Statue des heil. Matthäus. Gleichzeitig fertigte er die Statue eines jungen Mädchens mit einem Nest voll Amoretten. 1826 kehrte er nach München zurück, wo er 5. Juli 1863 starb. Von seinen übrigen, meist in der klassizistischen Art Thorwaldsens gehaltenen Werken sind noch zu erwähnen: die Büsten der zehn berühmtesten Tonsetzer im großen Saal des Odeons; das Monument Westenrieders in den Arkaden des Gottesackers zu München; zwei Statuen im Giebelfeld der Glyptothek; der Escaladebrunnen für Genf (1856); das Denkmal zum Gedächtnis des Anschlusses des Kantons Genf an die Eidgenossenschaft; die Diligentia und Perseverantia für das Schulhaus in Winterthur. L. hat sich auch das Verdienst erworben, der Terrakotta wieder zu künstlerischer Verwendung verholfen zu haben.

Leech (spr. lihtsch), John, Zeichner, geb. 1817 zu London, machte sich zuerst durch Buchillustrationen bekannt und arbeitete seit 1847 an dem Londoner Witzblatt "Punch". Ohne systematische Kunstbildung genossen zu haben, entwickelte er sich bald zu einem hervorragenden Karikaturenzeichner, welcher mit Vorliebe das Londoner Volksleben in humoristischen Darstellungen schilderte und die Ausschreitungen der Mode geißelte. Er hat auch zahlreiche Romane, Sportbücher und Almanache illustriert und über 50,000 Blatt Zeichnungen geliefert. Seine Karikaturen sind frei von Roheit und von einem höhern künstlerischen Streben erfüllt. Eine Auswahl seiner Zeichnungen erschien unter dem Titel: "Pictures of life and character" (neue Ausg. 1881). Er starb 29. Okt. 1864. Vgl. Brown, John L. (Lond. 1882); Kitton, John L., artist and humourist (neue Ausg., das. 1884).

Leeds (spr. lihds), bedeutendste Stadt in Yorkshire (England), an beiden Seiten des Aire gelegen, welchen zahlreiche Brücken überspannen, und durch Kanäle und Eisenbahnen mit fast ganz England in Verbindung gesetzt. Der ältere Teil der Stadt hat enge, finstere Gassen; der neuere Stadtteil dagegen zeichnet sich durch schöne Plätze und breite Straßen aus. Die stets belebte Briggate (Brückenthorstraße) ist Hauptgeschäftsstraße der Stadt. Unter den zahlreichen Kirchen ist die von St. John die älteste, sie stammt von 1634. Unter den Gebäuden nimmt das 1858 vollendete Stadthaus den vornehmsten Rang ein. Vor ihm steht eine Bildsäule Sir Robert Peels. Außerdem hat die Stadt 2 Tuchhallen, eine Börse, eine Korn- und eine Aktienbörse, ein neues Grafschaftsgericht (County Court), ein 1867 vollendetes großartiges Krankenhaus (von Gilbert Scott im französisch-gotischen Stil erbaut), mehrere Theater etc. Die Stadt besitzt zwei große Parke; großartige Wasserwerke versehen dieselbe mit Wasser. Die Bevölkerung beläuft sich auf (1881) 309,119 Seelen. L. ist Hauptsitz der englischen Wollindustrie und des Tuchhandels, welche die ganze Umgebung mit Einschluß Bradfords beschäftigen. Im J. 1881 beschäftigte die Wollindustrie 14,203 Arbeiter, die Eisenindustrie 6329 Arbeiter, der Maschinenbau 6552 Arbeiter. Wichtig waren ferner die Leinenfabriken, Gerbereien, Glashütten, Töpferwerke, Brauereien, Papiermühlen etc. An Bildungsanstalten verdienen Erwähnung das 1562 gegründete Gymnasium (Grammar School), eine technische Hochschule (Yorkshire College), 3 theologische Seminare (der Anglikaner, Katholiken und Wesleyaner), die Freibibliothek und das Museum der Philosophischen Gesellschaft. In der Nähe liegt die Ruine der Kirkstall-Abtei. - L. war schon unter Wilhelm dem Eroberer vorhanden. Das feste Schloß daselbst wurde 1139 vom König Stephan belagert und war 1399 das Gefängnis Richards II. Karl I. verlieh der Stadt Privilegien und Karl II. den noch jetzt gültigen Freibrief.

Leeds (spr. lihds), engl. Herzogstitel der Familie Osborne, die im 17. Jahrh. eine große Rolle spielte. Sir Edward Osborne war unter Karl I. Vizepräsident des Rats des Nordens und nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs Generalleutnant in der königlichen Armee. Sein Sohn Sir Thomas Osborne gehörte ebenfalls zu den eifrigsten Royalisten, wirkte zur Restauration Karls II. mit, zeichnete sich dann im Unterhaus aus und wurde, nachdem er verschiedene minder wichtige Ämter bekleidet hatte, 1679 nach dem Sturz des Cabalministeriums als Lord-Großschatzmeister an die Spitze der Regierung gestellt und zum Grafen von Danby erhoben. Da er zwar in der innern Politik der absolutistischen Politik des Königs entgegenkam, aber weder dessen katholisierende Neigungen teilte, noch das Bündnis mit Frankreich begünstigte, wurde er 1679 auf Betreiben des französischen Gesandten gestürzt, vom Unterhaus angeklagt und in den Tower geworfen, wo er fünf Jahre gefangen gehalten wurde. 1688 gehörte er zu den Lords, welche Wilhelm von Oranien nach England beriefen, und unterstützte denselben nach seiner Landung aufs wirksamste. Er wurde dafür 1689 zum Präsidenten des Geheimen Rats und Marquis von Carmarthen ernannt und 1694, nachdem er einige Jahre vorher eine gefährliche jakobitische Verschwörung enthüllt hatte, zum Herzog von L. erhoben.