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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Legĭo fulmināta; Legiōn

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Legio fulminata - Legion.

Zink, so erhöht sich die Temperatur so stark, daß ein Teil der Mischung umhergeschleudert wird. Der Schmelzpunkt der Legierungen liegt niedriger, als die Rechnung unter Berücksichtigung der Schmelzpunkte ihrer Bestandteile ergibt, und beim langsamen Erstarren geschmolzener L. bleibt ein eingetauchtes Thermometer wiederholt zeitweilig stationär, entsprechend den Erstarrungspunkten einzelner chemischer Verbindungen, die sich nach und nach kristallinisch ausscheiden. Auch die Farbe entspricht nicht immer der nach ihren Bestandteilen zu erwartenden Mischfarbe (gelbes Messing aus rotem Kupfer und weißem Zink); Härte und spezifisches Gewicht sind meist größer als die der einzelnen Metalle, das Leitungsvermögen für Wärme und Elektrizität aber ist geringer. Gegenüber chemischen Einwirkungen verhalten sich die Legierungen teilweise wie Mischungen (Säure entzieht dem Messing Zink, Ammoniak löst Kupfer); an der Luft aber halten sich die Legierungen meist besser als die einzelnen Metalle, eine L. aus 3 Teilen Blei und 1 Teil Zinn verbrennt indes an der Luft unter starker Lichtentwickelung. Zwei Metalle können je nach den Mischungsverhältnissen sehr verschiedene Produkte geben, und der praktische Wert der Legierungen besteht darin, daß man die Eigenschaften der Metalle durch gewisse, oft sehr geringe Zusätze nach Bedürfnis abändern, gewissermaßen neue Metalle schaffen kann. Antimon, Nickel, Wismut, Gold und Silber werben in der Technik fast nur in Legierungen benutzt.

Zur Darstellung der Legierungen schmelzt man zuerst das strengflüssigste Metall, läßt es bis nahe zu seinem Erstarrungspunkt erkalten, setzt das leichtflüssigere oder die vorher für sich zusammengeschmolzenen leichtflüssigen zu, erhitzt nach jedesmaligem Zusatz etwas stärker und rührt mit einem gedörrten Holzstab (nicht Eisen) um. Durch Umschmelzen werden die Legierungen gleichmäßiger, aber bei häufigerm Umschmelzen ändern sich ihre Eigenschaften wesentlich. Überhaupt werden letztere von der Bereitungsart zum Teil stark beeinflußt, so daß die Kenntnis der Zusammensetzung einer L. allein nicht immer zu ihrer Nachahmung genügt. Bisweilen stellt man Legierungen durch Schmelzen eines Metalls mit dem Oxyd eines andern unter Zusatz von Kohle dar. Auch auf galvanischem Weg kann man Legierungen erhalten, z. B. einen Bronze- oder Messingüberzug auf andern Metallen. Legierungen finden in der Technik vielseitigste Verwendung: Messing, Bronze, Glockengut, Geschützmetall, die Lagermetalle, Neusilber, Britanniametall, zahlreiche Zinnlegierungen, Letternmetall, Spiegelmetall, Amalgame zeigen deutlich die unbegrenzte Nutzbarkeit der Legierungen. Man benutzt Legierungen auch als Thermometer, indem man durch allmähliche Veränderung der Mischungsverhältnisse eine Reihe von Legierungen darstellt, deren Schmelzpunkte regelmäßig um eine bestimmte Anzahl Grade voneinander abweichen. Bringt man Proben solcher Legierungen in einen geeigneten Apparat, z. B. in einen Ofen, so kann man dessen Temperatur aus der Zahl der geschmolzenen und der nicht flüssig gewordenen Legierungen beurteilen. Bei Dampfkesseln dient eine L. von bestimmtem Schmelzpunkt als Sicherheitsapparat. Vgl. Bischoff, Das Kupfer und seine Legierungen (Berl. 1865); Krupp, Die Legierungen (Wien 1879).

Legĭo fulmināta (lat., Donnerlegion), Name einer Legion des römischen Heers, den die Legende auf eine wunderbare Begebenheit zurückführt, wodurch angeblich Kaiser Mark Aurel für das Christentum gewonnen ward. Im Krieg mit den Markomannen und Quaden (174) einst rings von Feinden eingeschlossen, geriet er aus Mangel an Wasser in die äußerste Not, als plötzlich ein Regen sein verschmachtendes Heer rettete und ein Ungewitter die Feinde in die Flucht trieb. Die Christen schrieben dies dem Gebet einer christlichen Legion zu, welche deshalb den Namen L. f. erhalten hat. Indessen ist das Schreiben des Kaisers, worin die Begebenheit erzählt wird, als unecht erwiesen, und schon von Augustus erhielt die zwölfte römische Legion jenen kriegerischen Ehrennamen.

Legiōn (lat. legio), im alten Rom Benennung des Truppenverbandes der ausgehobenen streitbaren Mannschaft. Die Aushebung erfolgte ursprünglich nach den drei Tribus, deren jede unter Romulus 1000 Mann zu Fuß (milites) und 100 Reiter (celeres) stellte unter dem Kommando von 3 Tribuni militum und 3 Tribuni celerum; hierzu kamen noch eine Anzahl von Leichtbewaffneten und namentlich Bogenschützen. Durch die Institutionen des Servius Tullius wurde später der Heerbann wesentlich erhöht. Danach waren zum Dienst auf eigne Kosten vom 17.-60. Jahr verpflichtet die Bürger der 5 Zensusklassen. Diese waffenfähige Mannschaft schied sich in zwei Aufgebote, die Jüngern, vom 17.-46. Jahr, zum Dienst im Feld verwandt, und die Ältern, welche die Stadt schützten. Die Bewaffnung dieser fünf Klassen, welche auch von jedem Bürger selbst beschafft werden mußte, war nach dem Vermögen verschieden. Die Aufstellung der Soldaten zur Schlacht geschah in der Phalanx, also in einer ununterbrochenen Linie mit sechs Mann Tiefe. In den zwei ersten Gliedern der Phalanx stand die erste Vermögensklasse, mit Panzer, Helm, rundem ehernen Schild (clipeus) und Beinschienen als Schutzwaffen, im dritten und vierten Glied stand die zweite Klasse ohne Panzer, doch mit Helm und Beinschienen und langem, viereckigem Schild (scutum), während die beiden letzten Glieder von der dritten Klasse gebildet wurden. Die Soldaten der beiden letzten Klassen gehörten wahrscheinlich nicht zur Phalanx, sondern bildeten zusammen eine leichte Truppe, das Korps der Rorarii (s. d.). Ihnen wurden auch die Accensi velati zugeordnet, die ohne Bewaffnung als überzählige Ersatzmannschaft dem Heer folgten und ausschließlich zu militärischen Hilfsleistungen verwandt wurden. Die Trutzwaffen der Soldaten in der Phalanx waren der seiner Länge wegen mehr zum Stoß als zum Wurf geeignete Speer (hasta) und das kurze, zweischneidige Schwert (gladius). Diese Heerverfassung erlitt in der republikanischen Zeit und zwar zum großen Teil wahrscheinlich durch Camillus (um 400 v. Chr.) eine durchgreifende Veränderung: Seit der Belagerung von Veji (406) erhielten die Soldaten Sold, so daß das Heer jetzt dauernd im Feld gehalten werden konnte; die Bewaffnung wurde geändert, indem der größere Teil der Legionssoldaten statt der Hasta das kürzere, zum Wurf geeignete Pilum (s. d.) führte, der bisherige Lederhelm mit dem Stahlhelm vertauscht wurde und der Schild (scutum) einen Eisenbeschlag erhielt. Vor allem aber wurde das Gros der Phalanx in eine Anzahl kleinerer taktischer Körper aufgelöst, Die Stärke der Legionen, deren jährlich vier aufgestellt wurden (zwei für den Felddienst und zwei für Besatzungen), betrug außer 300 Reitern 4200 Mann, von welch letztern 3000 Schwerbewaffnete waren. Diese 3000 zerfielen in drei Waffengattungen, nämlich in 1200 Hastati, 1200 Principes und 600 Triarii. Die Bedeutung dieser Namen läßt sich aus der Be-^[folgende Seite]