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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Legion

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Legion.

waffnung oder Stellung der betreffenden Truppenkörper nicht mehr erklären, denn die Hastati führten nicht mehr die Hasta, welche allein den im dritten Treffen stehenden altgedienten Triariern zukam, sondern samt den Principes das Pilum; diese selbst nahmen nicht, wie ihr Name schließen läßt, die erste Stelle im Treffen ein, sondern die zweite. Man muß deshalb annehmen, daß die früher bedeutungsvollen Bezeichnungen beibehalten wurden, während die betreffenden Truppenkörper ihre Stellung in der Schlacht und ihre Bewaffnung änderten. Die 3000 Mann Kerntruppen jeder L. zerfielen ferner in 30 Manipeln (s. d.), von denen auf die Hastati, Principes und Triarii je 10 kamen, so daß ein Manipel der beiden ersten Gattungen 120, der letzten nur 60 Mann zählte. Jeder Manipel, welcher auch ein eignes Feldzeichen (signum, vexillum) hatte, das in jener Zeit der L. noch fehlte, zerfiel in zwei Züge (Centurien), die aber nach Bedarf jedesmal neu gebildet wurden und unter dem Befehl je eines Centurio standen. Die von dem Infanteriebestand der L. noch übrigen 1200 Mann waren leicht bewaffnet (s. Velites) und bildeten weder eigne Manipeln, noch hatten sie eigne Offiziere; vielmehr wurden sie in gleichen Teilen den 30 Manipeln zugewiesen, so daß jede derselben auf 120 + 40, resp. 60 + 40 Mann gebracht wurde. In der Schlacht, wo, wie schon angedeutet, die L. in drei Treffen aufgestellt wurde und die Manipeln einen seitlichen Zwischenraum zwischen sich ließen, der ihrer eignen Frontbreite von 20 Mann gleichkam, hatten die Velites ihre Stelle hinter ihrem Manipel, dessen Tiefe sie dadurch auf (120+40)/20, resp. (60+40)/20, also auf 8, resp. 5 Mann brachten. Übrigens waren die Manipeln schachbrettartig so aufgestellt, daß die zehn Manipeln des zweiten Treffens hinter die Lücken des ersten Treffens und die des dritten hinter die des zweiten zu stehen kamen. Sollten die Reihen aber gänzlich geschlossen werden, so ließ man die Veliten in halben Gliedern links und rechts von ihrem Manipel bis zur Frontstellung aufmarschieren. Das Kommando über die L. wechselte in der Zeit vor Marius unter sechs Militärtribunen (s. d.), Tribuni militum, von denen jeder dasselbe zwei Monate führte; unter ihnen standen 60 Centurionen, je zwei in einem Manipel. Das Avancement dieser Centurionen, welches vom Konsul durch die Militärtribunen vollzogen ward, geschah in der Zeit vor Marius durch alle 60 Centurionenstellen der L. hindurch, so daß ein Centurio zuerst die zehn Stellen bei den Hastati, dann bei den Principes, zuletzt bei den Triarii, die auch Pilani hießen, durchmachte. Der zweite Centurio in jedem Manipel war dem ersten untergeordnet; der 60. Centurio der L. hieß Decimus hastatus posterior, der erste Primus pilus (s. d.). Mit Einführung der Kohortenstellung fand auch das Avancement der Centurionen kohortenweise statt, so daß wahrscheinlich die sechs Centurionen der 10. Kohorte den untersten Rang, die der 1. Kohorte den ersten Rang (primi ordines) einnahmen. Das Kommando des ganzen konsularischen Heers, welches durch die zu den zwei Legionen noch hinzukommenden viel zahlreichern, aber leichter bewaffneten Kontingente der italischen Bundesgenossen (socii) auf 18,480 Mann Infanterie und 2400 Mann Kavallerie gebracht wurde, führte bis zum zweiten Mithridatischen Krieg um 70 v. Chr. stets ein Konsul oder Prätor, in Ausnahmefällen ein Diktator. Waren zwei Konsuln beim Heer, so wechselte täglich unter ihnen das Kommando. Nach dieser Zeit hatten den Oberbefehl nicht mehr die Konsuln, sondern die Prokonsuln oder Proprätoren. Stets wurden auch dem Oberstkommandierenden noch wenigstens zwei vom Senat auf Vorschlag desselben gewählte Legati beigegeben, die den Befehl über einzelne Heeresteile übernahmen.

Eine neue wichtige Veränderung in der L. ging seit Marius (um 107 v. Chr.) vor sich. Die Aushebungen geschahen ohne Rücksicht auf das Vermögen, weshalb die Reichen Gelegenheit fanden, sich dem Kriegsdienst zu entziehen, die Armen ihn als eine Erwerbsquelle betrachteten; es wurde also aus einem Bürgerheer ein Söldnerheer. Der Soldat blieb von jetzt an nach seinem Eintritt 20 Jahre ununterbrochen beim Heer; hatte er ausgedient, so wurde er in den sogen. Militärkolonien durch Landbesitz versorgt, wenn er es nicht vorzog, noch als Vexillarius (s. d.) beim Feldherrn zu bleiben. Die Reiterei aus römischen Bürgern sowie die Velites wurden abgeschafft, die Stärke der L. aber auf 6000 Mann erhöht und die drei Klassen von Legionssoldaten in der Bewaffnung einander gleichgestellt; die alten Bezeichnungen derselben behielten nur noch für die Titel der Centurionen Bedeutung. Vor allem aber zog Marius, gezwungen durch die Kampfweise der Cimbern, welche durch ihren wütenden Ansturm die nicht geschlossene römische Manipularstellung leicht in Verwirrung brachten, die kleinen Truppenkörper zu größern zusammen, indem er aus drei Manipeln eine Kohorte (s. d.), im ganzen also in der L. 10 Kohorten von je 600 Mann bildete. Die Stellung dieser Kohorten in der Schlacht war ähnlich wie die der Manipeln, nur daß jetzt in den drei Treffen je 4, 3 und 4 Kohorten standen. Die altgedienten Soldaten endlich, welche früher als Triarier im dritten Treffen gestanden hatten, nahmen jetzt das erste ein. Die L. erhielt seit Marius auch ihr eignes Feldzeichen, den silbernen oder goldenen Adler (aquila, Abbildung s. Adler), vom Aquilifer getragen. Den Manipeln blieben ihre alten Standarten, während vermutlich auch die Kohorten besondere Feldzeichen erhielten. In späterer Zeit verminderte sich die Stärke der L. oft beträchtlich; die Legionen Cäsars sind meist nur auf 3600 Mann, zuweilen noch geringer, anzuschlagen, eine Folge davon, daß man die durch Schlachten entstandenen Lücken nicht ausfüllte, sondern lieber neue Legionen aufstellte. Die Stärke, aber nicht die Anzahl der Kohorten und Manipeln wurde hierdurch natürlich verändert. Cäsar hinterließ bei seinem Tod 40 Legionen, 36 v. Chr. verfügte Octavianus über 44, Antonius über 33 Legionen, und 23 n. Chr. finden wir im römischen Reich 25 Legionen. Jetzt stellte sich auch das Bedürfnis heraus, die Legionen näher zu bezeichnen, womit man schon früher begonnen hatte, und so erhielt fast jede außer einer Nummer einen besondern Beinamen nach ihrem Standquartier oder nach den Kaisern als Chefs, nach Gottheiten oder sonst auszeichnende Prädikate.

Als unter den Kaisern die Zeit des Friedens angebrochen war, wurden die Legionen in feste Garnisonen verlegt und dadurch manche Änderungen in ihren Institutionen hervorgerufen. Das Kommando derselben, die nun auch wieder eine Reiterabteilung von vier Turmen (= 120 Mann) zugeteilt erhielten, sowie der mit ihnen verbundenen Auxiliartruppen fiel stets einem Legatus legionis zu, der Senatorenrang hatte. In den Garnisonen hatten Praefecti castrorum als Platzkommandanten den Oberbefehl, zu welcher Stelle meist altgediente Centurionen, namentlich Primipili, befördert wurden. Unter Domitian traten diese Praefecti castrorum mit dem Titel