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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Legnago; Legnano; Legoa; Legouvé; Légrád; Legrand

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Legnago - Legrand.

das von Napoleon III. proklamierte und zur Erreichung seiner politischen Pläne benutzte Nationalitätsprinzip, welches angeblich der freien Selbstbestimmung der Völker die Wahl ihrer Staatsbeherrscher überließ. Vgl. Held, L. u. Legitimitätsprinzip (Würzb. 1859); Brockhaus, Das Legitimitätenprinzip (Leipz. 1868).

Unter L. des Kindes versteht man die Eigenschaft eines Kindes, welches in gesetzmäßiger Ehe erzeugt ist; es gilt aber jedes während der Ehe von der Frau empfangene als vom Ehemann derselben erzeugt (pater est, quem nuptiae demonstrant), eine Rechtsvermutung, welche nur durch den Gegenbeweis beseitigt werden kann, daß der Ehemann das Kind nicht erzeugt haben könne, z. B. wegen Abwesenheit. Gegen den Ehemann kann auf Anerkennung der L. geklagt werden. Der wirklich ehelichen Abstammung steht die aus einer vermeintlichen Ehe gleich, d. h. aus einer solchen, welche in der gesetzlichen Form eingegangen und von beiden Ehegatten für gültig gehalten wurde, aber wegen eines Ehehindernisses nichtig ist. Auch kann ein uneheliches Kind durch nachfolgende Ehe seiner Eltern "legitimiert" werden (s. Legitimation).

Legnago (spr. lenjāgo), befestigte Distriktshauptstadt in der ital. Provinz Verona, am rechten Ufer der Etsch, über welche eine Brücke nach dem gegenüberliegenden Porto di L. führt, und an der Eisenbahn Verona-Rovigo, hat ein schönes Stadthaus, ein Thor in dorischem Stil von Sanmichele und (1881) 3514 Einw., welche Lederfabrikation, starken Reisbau, Handel mit Reis, Seide und Getreide treiben. Hier 26. März 1799 Niederlage der Franzosen unter Schérer gegen die Österreicher unter Kray. Die alten Befestigungswerke wurden 1801 unter Napoleon I. geschleift. 1815 wurde L. neu befestigt und bildet seither mit Verona, Mantua und Peschiera das sogen. Festungsviereck. Unterhalb L. führt von der Etsch durch sumpfiges Reisland (Valli Veronesi) der schiffbare Kanal Naviglio di L. zum Tartaro.

Legnano (spr. lenjāno), Flecken in der ital. Provinz Mailand, Kreis Gallarate, an der Olona und an der Eisenbahn Mailand-Varese, hat eine von Bramante entworfene Kirche (mit schönem Altarbild von Bernardo Luini), bedeutende Baumwollspinnereien und -Webereien, Färbereien, Seidenfilanden und (1881) mit dem am linken Olonaufer gelegenen Legnanello 6643 Einw. Der Ort ist historisch merkwürdig durch die Schlacht vom 29. Mai 1176, in welcher die Lombarden über Kaiser Friedrich I. siegten. Zur 700jährigen Feier derselben wurde 1876 ein Siegesdenkmal auf dem Schlachtfeld errichtet.

Legoa, die portug. Meile, früher = 6196,959 m, jetzt = 5000 m.

Legouvé (spr. löguwē), 1) Gabriel Marie Jean Baptiste, franz. Dichter, geb. 23. Juni 1764 zu Paris, schrieb die Dramen: "La mort d'Abel" (1792), "Épicharis, ou la mort de Néron" (1793), "Quintus Fabius" (1795), "Laurence" (1798), "Étéocle et Polynice" (1799) und "La mort de Henri IV" (1806), gut abgefaßte, durch rednerische Effekte glänzende Exerzitien im klassischen Stil, von denen nur die beiden ersten einen dauernden Erfolg hatten, veröffentlichte dann mehrere Elegien und begründete seinen Ruhm durch das Gedicht "Le mérite des femmes" (1801), ein Loblied auf das schöne Geschlecht, welches über 40 Auflagen erlebt hat. L. wurde 1798 in das Institut ausgenommen, vertrat einige Jahre lang Delille am Collège de France in seiner Professur der lateinischen Dichtkunst, war von 1807 bis 1810 Direktor des "Mercure de France" und starb 30. Aug. 1812. Seine "Œuvres" sammelten Bouilly und Malo (Par. 1826, 3 Bde.).

2) Ernest, franz. Theaterdichter und Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 15. Febr. 1807 zu Paris, erlangte schon 1827 mit einem Gedicht über die Buchdruckerkunst einen Preis der Akademie und trat dann als Romanschriftsteller mit "Max" (1833), "Édith de Falsen" (1840) u. a. vor die Öffentlichkeit, aber ohne besondern Erfolg. Erst eine Reihe von Vorlesungen, die er 1847 als Dozent am Collège de France über die Entwickelungsgeschichte der Frauen hielt und später in den Werken: "Histoire morale de la femme" (7. Aufl. 1882) und "La femme en France au XIX. siècle" (1864) veröffentlichte, erregte die Teilnahme des gebildeten Publikums und wandte ihm insbesondere den Teil desselben zu, der fortan seinen treuesten Anhang bildet: die Frauen der höhern Stände. Einen verwandten Ton schlug er später mit demselben Erfolg in "La science de la famille" (1867) und in "Messieurs les enfants" (1868) an, einer launigen Verherrlichung des französischen Kindes als Alleinherrschers im Haus, die ihm das Herz aller Mütter gewann. Inzwischen war L. auch als Dramatiker aufgetreten und hatte das Glück, daß drei große Tragödinnen in von ihm entworfenen Rollen sich auszeichneten: Mademoiselle Mars in "Louise de Lignerolles" (mit Dinaux), die Rachel in "Adrienne Lecouvreur" (mit Scribe, 1849) und A. Ristori in der Tragödie "Médée". Andre Stücke von L. sind: "Bataille de dames" und "Les contes de la reine de Navarre" (beide mit Scribe, 1851); "Par droit de conquête" (1855); "Le pamphlet" (1857); "Les doigts de fée" (mit Scribe, 1858); "Béatrix" (nach seinem eignen Roman "Béatrix, ou la madonne de l'art", 1861); "Le jeune homme qui ne fait rien" (1861); "Les deux reines de France" (1865, lange Jahre von der Zensur verboten); "Miss Suzanne" (1866); "Anne de Kerviler" (1879) und "La considération" (1880). Von sonstigen Werken erwähnen wir: "Les pères et les enfants au XIX. siècle" (1867-69, 2 Bde.), ein Teil der öffentlichen Vorträge, die L. unter großem Andrang des Publikums über die Familienfrage, die Frauenfrage, über Erscheinungen der Litteratur und Kunst etc. seit länger als zwei Jahrzehnten zu halten pflegte; ferner: "Nos fils et nos filles" (1879); "L'art de lecture" (2. Aufl. 1881); "La lecture en action" (1881; neue Ausg. mit dem vorigen u. d. T.: "La lecture en famille", 1883) und "Soixante ans de souvenirs" (1886 bis 1887). L. ist seit 1855 Mitglied der Akademie.

Légrád, Markt im ungar. Komitat Zala, gegenüber der Mündung der Mur in die Drau, Station der Südbahnlinie Kanizsa-Zákány, mit (1881) 2705 kroatischen und ungar. Einwohnern, Schiffahrt und lebhaftem Handel.

Legrand, Pierre, franz. Politiker, geb. 13. März 1834 zu Lille, studierte die Rechte, ward Advokat in seiner Vaterstadt und als eifriger Republikaner von der Regierung der nationalen Verteidigung 23. Sept. 1870 zum Präfekten des Norddepartements ernannt. Er beteiligte sich eifrig an der Aufstellung der Nordarmee unter Faidherbe, forderte aber wegen der Auflösung der Generalräte im Januar 1871 seine Entlassung. 1876 zum Deputierten gewählt, schloß er sich in der Kammer dem Republikanischen Verein an und wurde als eifriger Anhänger Gambettas bald dessen Präsident. Im Kabinett Duclerc vom 7. Aug. 1882 übernahm er das Ministerium des Handels und der öffentlichen Arbeiten, trat jedoch schon im Februar