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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Legrénzi; Legros; Legua; Leguan; Legumen; Legumin; Leguminosen; Leh; Lehbacher Schichten; Lehde

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Legrenzi - Lehde.

1883 zurück und war auch 1885 unter Brisson nur kurze Zeit Handelsminister. Bei den Wahlen vom Oktober 1885 nicht wieder gewählt, zog er sich in das Privatleben zurück.

Legrénzi, Giovanni, bedeutender ital. Komponist, geboren um 1625 zu Clusone bei Bergamo, Schüler von Pallavicino, war erst Organist in Bergamo, später Direktor des Konservatoriums dei Mendicanti in Venedig und seit 1685 Kapellmeister an San Marco daselbst; starb im Juli 1690. L. war das Haupt der neuvenezianischen Musikschule und bildete zahlreiche und tüchtige Schüler (darunter Lotti). Er komponierte 17 Opern (zumeist für Venedig), die besonders in der Behandlung der Instrumentalbegleitung einen Fortschritt bekunden, außerdem Trios (Sonaten) für Kammer und Kirche, eine große Zahl 2-5stimmiger Motetten und Psalmen, Kantaten etc. Auch vergrößerte er das Orchester der Markuskirche erheblich, so daß dasselbe auf 34 Spieler gebracht wurde.

Legros (spr. lögro), 1) Pierre, franz. Bildhauer, geb. 1656 zu Paris, gewann als Zögling der dortigen Akademie mit einem Relief, welches den mit seiner Familie in die Arche einziehenden Noah darstellte, den ersten Preis der Skulptur und ging darauf als Pensionär nach Rom. Nach Paris zurückgekehrt, erhielt er vielfältige Beschäftigung für die Gärten der Tuilerien und von Versailles. Da er aber in seiner Heimat weniger Beifall fand als in Rom, kehrte er dahin zurück und starb 1719 daselbst. L. war namentlich in der technischen Behandlung Meister; edle Einfachheit aber und Naturwahrheit lassen seine Gestalten vermissen. Zu seinen besten Werken gehören: der Triumph der Religion, auf dem Hauptaltar der Jesuitenkirche in Rom; die Verklärung des heil. Ludwig von Gonzaga, im Collegio Romano (Relief); die Statue des heil. Stanislaus Kostka auf dem Sterbebett; die Kolossalstatue des heil. Dominikus, in der Peterskirche; die Apostel Thomas und Bartholomäus, in der Kirche San Giovanni im Lateran.

2) Alphonse, franz. Maler und Radierer, geb. 8. Mai 1837 zu Dijon, bildete sich im Atelier von Cambon in Paris, dann bei Lecoq de Boisbaudran und bereiste längere Zeit Spanien, von wo er Motive zu zahlreiche Bildern mitbrachte. 1866 ließ er sich in London nieder. Nachdem er 1857 mit dem Porträt seines Vaters debütiert hatte, folgten: Angelus (1859), das Votivbild (Museum in Dijon), die Steinigung des Stephanus (Galerie in Avranches), Mönche im Gebet, die Ehrenerklärung (Museum des Luxembourg), die Pilgerfahrt (Galerie in Liverpool), ein spanisches Kloster, die Einsegnung des Meers (1873), die Taufe, der Kesselflicker, die Mädchenschule. Von seinen Radierungen sind hervorzuheben: der Mönch mit der Fackel, der Tod des heil. Franziskus, das Porträt von Thomas Carlyle, der Holzhauer, die Pestkranken.

Legua (spr. legwa), die spanische Meile, früher = 5572,7 m, später = 6687,24 m. Das neue Wegmaß ist das Kilometro. L. maritima = 5565,33 m.

Leguan (Baumagame, Iguana Laur.), Reptiliengattung aus der Ordnung der Eidechsen und der Familie der Leguane (Iguanidae), Tiere mit gestrecktem, seitlich zusammengedrücktem Leib, großem, vierseitigem Kopf, kurzem Hals, kräftigen Beinen, sehr langzehigen Füßen, sehr langem, am Grund zusammengedrücktem, oft mit dornigen Wirtelschuppen besetztem Schwanz, großem Kehlsack mit Stachelkamm, langem Rückenkamm, höckerigen und gekielten Kopfschildern und schwach gekielten Schuppen an den Seiten des Leibes. Der gemeine L. (Iguana tuberculata Laur.), 1,5 m lang, blattgrün, an mehreren Stellen in Blau, Dunkelgrün, Braun übergehend, auf der Unterseite und an den Beinen gestreift, am Schwanz geringelt, lebt in Brasilien, Mittelamerika und aus den Antillen, meist auf Bäumen, am Wasser, in welchem er sehr gut schwimmt und taucht, nährt sich hauptsächlich von Insekten, frißt aber auch Pflanzenstoffe, setzt sich, in die Enge getrieben, mutig zur Wehr und zeigt sich boshaft und tückisch. Das Weibchen legt weiße Eier von der Größe der Taubeneier in den Sand, kümmert sich aber nicht weiter um dieselben. Oft findet man in den Bruthöhlen sehr zahlreiche Eier, welche von mehreren Tieren herstammen. Man jagt diese und andre Arten wegen ihres sehr zarten Fleisches, auch werden die Eier gern gegessen. Man hält sie auch in Gärten und Häusern, wo sie lästige Insekten fangen. Über die Familie der Leguane s. Eidechsen.

Legumen (lat.), s. v. w. Hülse (s. d.).

Legumin (Erbsenstoff), der in großer Menge in den Hülsenfrüchten, auch im Hafer vorkommende Proteinkörper, wird erhalten, wenn man die Samen mit kaltem, Ätzkali enthaltendem Wasser extrahiert und den Auszug mit Essigsäure fällt. L. ist in reinem Wasser kaum, leicht dagegen in Wasser, welches etwas Kalihydrat enthält, und in Lösungen von basisch phosphorsaurem Kali löslich. Letzteres Salz vermittelt auch die Lösung des Legumins in den Samen. Nach Kochen mit Wasser wird es in Alkalien und Säuren unlöslich. Aus seinen Lösungen wird es durch Lab, Essigsäure, Alkohol etc. gefällt; die Lösung gerinnt beim Erhitzen nicht wie Eiweißlösung, bildet aber beim Verdampfen eine sich immer wieder erneuernde Haut wie die Milch. Beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure gibt es neben Tyrosin und Leucin viel Asparaginsäure und wenig Glutaminsäure. Die große Ähnlichkeit des Legumins mit dem Kasein hat mehrere Chemiker veranlaßt, beide Körper für identisch zu erklären; daher der Name Pflanzenkasein (s. d.).

Leguminosen (Hülsenfrüchtige), Ordnung im natürlichen Pflanzensystem unter den Dikotyledonen und Polypetalen, charakterisiert durch meist zygomorphe (schmetterlingsförmige) Blüten mit fünfgliederigen Blütenkreisen, meist zehn, seltener zahlreichern, monadelphischen oder diadelphischen, perigynischen Staubgefäßen und ein einziges vorderes Karpell, welches einen einfächerigen, oberständigen Fruchtknoten darstellt, der sich zu einer ein- oder vielsamigen Hülse (legumen), seltener zu einer Nuß oder Gliedernuß ausbildet; Kräuter und Holzgewächse mit meist fieder- oder handförmig zusammengesetzten, mit Nebenblättern versehenen Blättern; enthält die Familien Mimoseen, Swartzieen, Cäsalpinieen und Papilionaceen.

Leh (Le), Hauptstadt des Gouvernements Ladak in Kaschmir, auf einem 370 m hohen Hügel, 3440 m ü. M., hat hohe, von konischen Türmen überragte Mauern, enge Straßen mit hohen, weiß getünchten Häusern, einen Palast des frühern Herrschers, ein Denkmal des 1874 hier gestorbenen österreichischen Geologen Stolitzka und 4000 Einw. Die Fremden wohnen in einer Vorstadt. L. ist der große Markt für das östliche Tibet und das Rendezvous für die Kaufleute Indiens und des chinesischen Turkistan; namentlich ist es Hauptstapelplatz für Schafwolle. Seit 1870 ist daselbst ein britischer Beamter stationiert zur Kontrolle des Durchgangshandels.

Lehbacher Schichten, s. Dyasformation.

Lehde, Land, welches von jeher oder seit langer Zeit sich selbst, der Natur, überlassen war.