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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Le Moine; Lemnaceen; Lemnische Erde; Lemnius; Lemnos; Lemoinne

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Lemnaceen - Lemoinne.

wässer von Europa, Nordamerika und Neuholland und dienen zahlreichen Wassertieren zum Aufenthalt und den Enten zur Nahrung. Bei uns sind am häufigsten die schwimmenden linsenförmigen L. polyrhiza L., L. minor L. und die untergetaucht lebende lanzettliche L. trisulca L.

Lemnaceen (Wasserlinsen), monokotyle wasserbewohnende, etwa 20 Arten zählende Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Helobiae, mit schwimmenden, zusammengedrückten, blattartigen Sprossen (Laub) und sehr reduziertem, in Gruben des Laubes eingesenktem Blütenapparat. Letzterer besteht bei Lemna nur aus zwei ungleich langen Staubgefäßen und einem Pistill, die von einem häutigen Deckblatt gestützt werden. Nach Engler gehören die L. zur Verwandtschaft der Araceen. Vgl. Hegelmaier, Die L. (Leipz. 1868).

Lemnische Erde, s. Bolus.

Lemnius, Simon Empovicus (eigentlich Simon Lemm Margadant), hervorragender Humanist und lat. Dichter, geboren im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrh. auf dem Lehnshof Guat (Wald) im bündnerischen Münsterthal, verlebte eine harte Jugend voller Entbehrungen, studierte mit großem Eifer die lateinische Sprache und veröffentlichte schon 1531 seine erste lateinische Dichtung: "Episodia de Joachimo Marchione Brandeburgensi et ejus conjuge". 1532 studierte er in München und in den nächsten Jahren in Ingolstadt und Wittenberg. Hier warf er sich auf das Studium des Griechischen und trat in freundschaftliche Beziehungen zu Melanchthon und dessen Schwiegersohn Sabinus, wurde auch Magister der freien Künste. Seine 1538 herausgegebenen zwei Bücher Epigramme erregten, da sie dem Kurfürsten Albrecht von Mainz gewidmet waren, Luthers Zorn und hatten seine Relegation zur Folge. L. wandte sich flüchtig nach Halle und veröffentlichte die durch ein drittes Buch vermehrte Sammlung seiner Epigramme, da die erste verbrannt worden war, mit heftigen Ausfällen auf Luther; zugleich erschien seine in meisterhaftem Latein verfaßte "Apologia" (Köln 1538), darauf die unter dem Pseudonym Lucius Pisäus Juvenalis der "Batrachomyomachia" nachgebildete "Monachopornomachia" ("Mönchshurenkrieg"), worin er die "Greuel des wollüstigen Wittenberg" aufdecken wollte. Noch 1538 wurde L. als Lehrer an die neugegründete humanistische Nikolaischule in Chur berufen und entfaltete nun neben seiner amtlichen eine außerordentliche schriftstellerische Thätigkeit. 1542 erschienen seine "Bucolicorum eclogae quinque" und "Amorum libri quatuor", bald darauf seine Übersetzung der "Periegesis" des Dionysios in lateinischen Hexametern (Vened. 1543), wofür ihn die Universität Bologna zum Dichter krönte; endlich seine Heinrich II. von Frankreich gewidmete vorzügliche Übersetzung der "Odyssee" und der "Batrachomyomachia", ebenfalls in lateinischen Hexametern (Basel 1549). L.' Lehrgedicht "De virtutibus moralibus libri IV", eine Nachahmung des Lucretius, scheint verloren. Seine vorzüglichste eigne Dichtung ist die "Rhaeteis" (neue Ausg. von Plattner, mit trefflicher biographischer Einleitung, Chur 1874; Übersetzung von demselben, das. 1881), eine Darstellung des Schweizerkriegs von 1499, bei welcher ihm die "Äneide" als Muster vorschwebte. Noch bevor er die letzte Feile an das Werk legen konnte, starb er an der Pest 7. Dez. 1550. Während L. früher meist ungünstig beurteilt wurde, ist seit Lessing ("Briefe", 2. Teil) ein Umschwung zu L.' gunsten eingetreten. Vgl. auch Strobel, Leben und Schriften S. L.' (Nürnb. 1792).

Lemnos (jetzt Limno, türk. Limni, ital. Stalimene), Insel im Ägeischen Meer, zum asiatisch-türk. Wilajet des Weißen Meers gehörig, südöstlich von der Halbinsel Athos, umfaßt 477 qkm (8,7 QM.) und ist durch zwei Buchten in zwei Halbinseln geteilt. Ihre ehemaligen Vulkane ruhen seit Jahrtausenden, doch verraten noch heiße Quellen die vulkanische Beschaffenheit. L. ist niedrig (bis 340 m), in den Thälern fruchtbar, in den Hügeln meist aus Bimsstein bestehend. Produkte sind: Getreide (im Überfluß), Öl, Seide, Trauben, Feigen, Honig, Wachs und Seesalz (jährlich über 12 Mill. kg). Die sogen. Terra Lemnia oder Siegelerde (weil in versiegelten Beuteln versandt), eine Art Bolus (s. d.), wird noch jetzt, wie im Altertum, ausgeführt und von den Türken gegen Wunden und Schlangenbiß gebraucht. Die Einwohner, etwa 22,000 an der Zahl, sind meist Griechen und beschäftigen sich, außer mit Ackerbau, vorzugsweise mit Fischerei; die Frauen (berühmt wegen ihrer Schönheit) weben auch Baumwollstoffe. Der gleichnamige Hauptort (gewöhnlich Kastro genannt) ist Sitz des Kaimakams und eines griechischen Bischofs, hat einen Hafen mit einem mittelalterlichen Schloß und 1000 Einw., die vortreffliche Seeleute sind. - Die Insel L. war im Altertum dem Hephästos heilig. Die Argonauten (s. d.) fanden der Sage nach die Insel bloß von Weibern bewohnt, welche ihre treulosen Männer ermordet hatten und als Amazonen lebten (vgl. Hypsipyle). Die nachmaligen Einwohner, Minyer und Pelasger, mußten sich in der Folge dem Dareios unterwerfen; Miltiades befreite die Insel von der persischen Herrschaft, und sie blieb nun lange Zeit den Athenern unterworfen, bis sie an die Makedonier kam, mit deren Reich sie an die Römer überging. Städte des alten L. waren Myrina (jetzt Kastro) auf der West- und Hephästia auf der Nordküste.

Le Moine (spr. lö moann), François, franz. Maler, geb. 1688 zu Paris, Schüler von Galloche, wurde 1718 Mitglied der Akademie, bildete sich 1723-26 in Italien nach Reni und Maratta weiter, wurde 1733 Professor an der Akademie und 1736 königlicher Maler zur Anerkennung für die Malerei an der Decke des großen Saals zu Versailles: die Apotheose des Hercules, in 142 kolossalen Figuren in Öl auf Leinwand gemalt. Er erstach sich in einem Anfall von Geistesstörung 4. Juni 1737 in Paris. Die Münchener Pinakothek besitzt von ihm die Ruhe einer Jagdgesellschaft, das Louvre Hercules und Cacus, die Kirche St.-Sulpice in Paris die Himmelfahrt Mariä als Kuppelbild. L. versuchte noch in großem Stil zu malen, kam aber über die Oberflächlichkeit nicht hinaus; sein Kolorit ist zart, aber unwahr. Er radierte auch einiges. Boucher und Natoire waren seine Schüler. Vgl. Mantz, Boucher, L. et Natoire (Par. 1880).

Lemoinne (spr. lömoann), John Emile, franz. Publizist, geb. 17. Okt. 1815 zu London von französischen Eltern, trat 1840, zuerst als englischer Korrespondent, in das "Journal des Débats" ein, dessen geschätztester politischer Redakteur er in der Folge ward. Die kaustische Schärfe seiner Feder ist in der Pariser Tagespresse ebenso sprichwörtlich wie die Geschmeidigkeit seines politischen Charakters, der alle die vielen Umwandlungen des leitenden Organs der französischen Bourgeoisie, welchem er mit vorsteht, mit spielender Leichtigkeit durchgemacht hat. 1876 wurde er an Jules Janins Stelle zum Mitglied der französischen Akademie, 1880 zum lebenslänglichen Senator ernannt. Ein Teil seiner Artikel,