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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lersen; Lerwick; Les.; Lesage; Lesbische Liebe; Lesbōnax; Lesbos

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Lersen - Lesbos.

Mitglied der Nationalversammlung erwählt, in der er sich der republikanischen Linken anschloß und Vizepräsident der Union républicaine wurde. Er war einer der begabtesten Redner der Versammlung und gehörte der Kommission der Dreißig an, welche eine neue Verfassung ausarbeiten sollte. Als 31. März 1873 der reaktionäre Antrag auf Umänderung der Gemeindeverfassung von Lyon (um die Simultanschulen beseitigen zu können) in der Nationalversammlung verhandelt wurde, reizte L. durch seine Verteidigung des Lyoner Gemeinderats ein Mitglied der Rechten zu einer Unterbrechung, die der Präsident Grévy tadelte, weswegen die Rechte diesen zum Rücktritt zwang. 1876 ward er zum Senator auf Lebenszeit erwählt und war auch im Senat Präsident der republikanischen Linken. Am 4. Febr. 1879 übernahm er im Kabinett Waddington das Justizministerium und begann, die richterlichen Kollegien von bonapartistischen und klerikalen Elementen zu reinigen, trat aber im Dezember 1879 zurück, da er weder in die Amnestie noch in die Aufhebung der Unabsetzbarkeit der Richter willigen wollte, und wurde 1882 zum Präsidenten des Senats gewählt.

Lersen (Ledersen), lederne Beinkleider, im 14. Jahrh. kurz und weit, später lang und eng, mit dicht stehenden Hefteln geschlossen.

Lerwick (spr. lérrick), Hauptstadt der zu Schottland gehörigen Shetlandinseln, auf der Insel Mainland am Bressasund gelegen, der einen vorzüglichen Hafen bildet, ist die nördlichste Stadt Großbritanniens und hat (1881) 4045 Einw., die namentlich Fischfang, etwas Strohflechterei und Wollspinnerei treiben. L. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Les., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für R. P. Lesson (s. d.).

Lesage (spr. lössahsch), Alain René, franz. Dichter, geb. 8. Mai 1668 zu Sarzeau bei Vannes, kam 1692 nach Paris, wurde Advokat, widmete sich aber bald ausschließlich der schriftstellerischen Thätigkeit. Es gelang ihm indessen erst spät und nach vielen fruchtlosen Versuchen auf verschiedenen Gebieten (worunter Übersetzungen aus dem Griechischen und dem Spanischen), sich einen Namen zu verschaffen; am meisten trug dazu das Wohlwollen seines Gönners, des Abbés Lyonne, bei. Von seinen Dramen, die er für die kleinern Bühnen schrieb, fanden "Crispin rival de son maître" und "Turcaret", eine Satire gegen die Financiers damaliger Zeit, lebhaften Beifall. Noch größern Ruhm erwarb er sich durch seine komischen Romane, namentlich "Le diable boiteux" (2. Aufl. 1707; deutsch von L. Schücking, Hildburgh. 1866), nach einem spanischen Vorbild, was Titel, Umgebung und Personen betrifft, sonst durch und durch französisch und gegen die Frömmelei aus der Zeit des alternden Ludwig XIV. gerichtet, und "Gil Blas de Santillane" (1715-35, 4 Bde.; deutsch, Berl. 1856), ebenfalls ganz französisch, obwohl seine Neider (Voltaire!) und spanische Patrioten es für die Kopie eines spanischen Originals ausgaben. "Gil Blas" stellt das menschliche Leben dar mit seinen Wunderlichkeiten und Abenteuern, mit seinem Schicksalswechsel und den verschiedenen Lagen, in die uns die Eigentümlichkeiten unsrer Launen, unsers Geschmacks und unsrer Fehler bringen. Es fehlt nur eine gewisse ideale und moralische Höhe, zu der die damalige Zeit sich nicht aufschwingen konnte. Man hat "Gil Blas" mit Rabelais und Lafontaine verglichen; er ist wohl der Vorläufer Figaros. Von seinen übrigen Romanen sind hervorzuheben: "Les aventures de Guzman d'Alfarache" (1732, 2 Bde.); "Histoire d'Estevanillo de Gonzalès" (1724, 2 Bde.) und "Le bachelier de Salamanque" (1738, 2 Bde.); eine Frucht seines Alters und von L. selbst sehr hoch geschätzt. Die sonstigen Werke Lesages bestanden in Vaudevilles, komischen Opern (101 an der Zahl), Intermezzos, Possen etc. Er starb 17. Nov. 1747 in Boulogne sur Mer, schon seit Jahren fast ganz taub. Die vollständigste Ausgabe seiner Werke erschien zu Paris 1828 in 12 Bänden; eine Auswahl derselben zuletzt 1840 (hrsg. von Poitevin); sein "Théâtre choisi" 1820, 2 Bde.; sein "Théâtre de la foire" 1721-37, 10 Bde. Von seinen Hauptwerken gibt es unzählige Einzelausgaben. Eine deutsche Übersetzung der Werke lieferte Wallroth (Stuttg. 1839-40, 12 Bde.).

Lesbische Liebe (Tribadīe, Sodomia sexus mulierum), Befriedigung des Geschlechtstriebs zwischen zwei Personen weiblichen Geschlechts.

Lesbōnax, griech. Rhetor im 1. Jahrh. n. Chr., verfaßte Deklamationen politischen Inhalts, von denen zwei militärische Ermahnungsreden zur Tapferkeit und eine Aufforderung an die Athener zum Kampf gegen die Thebaner erhalten sind (hrsg. unter andern von Orelli, Leipz. 1826, zuletzt in den "Oratores graeci" von Müller, Bd. 2, Par. 1858, und von Ahrens, Bailer, Müller, das. 1868).

Lesbos, die größte unter den Inseln des Ägeischen Meers, an der Küste von Troas und Mysien (Kleinasien) gelegen, im Mittelalter nach ihrer Hauptstadt Mytilene genannt und daher jetzt noch den Namen Mytilini, bei den Türken Midüllü führend, gehört gegenwärtig zum türkischen Insel-Wilajet und umfaßt 1750 qkm (32 QM.) mit 36,000 meist griech. Einwohnern (1879 angeblich 44,612 männliche Einwohner). Von SW. dringt der Busen von Kaloni (der antike Euripos Pyrrhäos) tief ins Land, von SO. der Golf von Iero (Euripos). Dadurch zerfällt die ungefähr dreieckige Insel in drei verschieden große Teile. Sie ist ziemlich gebirgig; die Hauptgipfel hießen im Altertum Ordymnos (643 m hoch, jetzt Kryoskopos), Lepetymnos und Olympos (938 m, jetzt Hag Ilias). Die Insel hat ein vortreffliches Klima, ist fruchtbar und reich an Holz, Getreide, Wein, Feigen, Oliven und Marmor. Der Wein von L., namentlich der von Methymna, gehörte schon im Altertum zu den besten Weinen. - Zu den ältesten pelasgischen Bewohnern von L. gesellten sich noch vor dem Troischen Krieg Ionier; aber erst seit der Einwanderung von Äoliern, 130 Jahre nach dem Troischen Krieg, begann die Insel aufzublühen. Die neugegründeten Städte wurden durch ihre Lage an einem hafenreichen Ufer bald mächtig und reich, erlangten selbst die Herrschaft über einen Teil des gegenüberliegenden Festlandes und bildeten kleine selbständige Gemeinwesen, mußten sich aber später den Persern unterwerfen. 476 v. Chr. schloß sich L. dem Athenischen Seebund an, empörte sich 428 im Peloponnesischen Krieg, wurde aber 427 von Athen wieder unterworfen und hart bestraft; später gehörte es zum makedonischen, dann zum Reich des Mithridates, und endlich wurde es dem römischen Reich einverleibt. Berühmt ist die Insel besonders als Heimat der musischen Künste und als Vaterland einer Reihe der ausgezeichnetsten Männer: der Philosophen Pittakos und Theophrastos, der Historiker Hellanikos und Theophanes, der Sänger Arion und Terpandros, des Dichters Alkäos, der Sappho etc. Die Einwohner standen im Ruf großer Bildung, waren aber auch durch ihren Hang zur Weichlichkeit und Unsittlichkeit (s. Lesbische Liebe) berüchtigt. Die fünf wichtigsten Städte der Insel waren: Methymna (jetzt Mo-^[folgende Seite]