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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: L'État c'est moi; Le Tellier; Lesum; Lesung; Leszczyc zu Radolin; Leszczynski; Letāl

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Lesum - Le Tellier.

Leben des heil. Bruno im Kleinen Kartäuserkloster zu Paris (jetzt im Louvre). 1649 entstand seine Predigt des Apostels Paulus in Ephesos für die Kirche Notre Dame (jetzt im Louvre). Außerdem führte er eine große Zahl von Dekorationen, Malereien und Altarbildern für die Kirchen St.-Etienne du Mont, St.-Germain l'Auxerrois, St.-Gervais, für das Louvre und für die Hotels vornehmer Herren aus. Das Louvre besitzt außer den erwähnten noch 13 religiöse und 13 mythologische Bilder, die zum Teil aus den oben genannten Kirchen, zum Teil aus dem Cabinet de l'amour im Hôtel Lambert stammen. Er starb 30. April 1655 in Paris. Seine Werke zeichnen sich durch Reinheit und Keuschheit des Stils, Sorgfalt der Ausführung und gemütvolle Auffassung, weniger durch Energie aus.

2) Jean François, franz. Komponist, geb. 15. Jan. 1763 zu Drucat-Plessiel bei Abbeville (Somme), machte seine Studien in der Musikschule der Kathedrale zu Amiens, ward dann Chordirektor an den Kathedralen zu Séez und Dijon, 1784 Musikdirektor an der Kirche des Innocents und 1786 an Notre Dame in Paris. Der Beifall, den seine erste Oper: "Télémaque" (1788), fand, veranlaßte ihn, sich ganz der dramatischen Musik zu widmen. Seine zweite Oper: "La caverne" (1793), hatte solchen Erfolg, daß er zwei Jahre später als Lehrer an dem eben errichteten Konservatorium angestellt wurde, wo er unter andern auch Berlioz zu seinen Schülern zählte. Seine 1804 aufgeführte Oper "Les bardes" aber fand den entschiedensten Beifall, namentlich auch bei Napoleon I., der infolgedessen den Komponisten an Paesiellos Stelle zu seinem Kapellmeister ernannte. Außer diesen und mehreren andern Opern schrieb L. zahlreiche Werke für die Kirche (33 Messen, Motetten und Oratorien), welche dadurch von kunsthistorischer Bedeutung sind, daß hier das dramatische Element mit voller Absichtlichkeit und großem Geschick zur Geltung gebracht ist, eine Richtung, für welche L. auch als Schriftsteller wiederholt in die Schranken getreten ist. Er starb 6. Okt. 1837 in Paris. In seiner Vaterstadt wurde ihm 1852 ein Standbild errichtet. Vgl. Raoul-Rochette, Notice historique sur la vie et les ouvrages de L. (1837); Berlioz, Mémoires (Par. 1870).

Lesum, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Stade, Kreis Blumenthal, an der Lesum, Knotenpunkt der Linien Wunsdorf-Bremerhaven und Burg-L.-Vegesack der Preußischen Staatsbahn, hat eine Wollwäscherei, eine chemische Fabrik, viele Landsitze Bremer Kaufleute am schönen Ufer des Lesumflusses und (1885) 1446 meist evang. Einwohner.

Lesung, im parlamentarischen Sprachgebrauch die Beratung einer Regierungsvorlage oder eines aus der Initiative der parlamentarischen Körperschaft hervorgegangenen Antrags (s. Debatte).

Leszczyc zu Radolin (spr. leschtschitz), eins der zwölf ältesten poln. Dynastengeschlechter, welches einen Fruchtschober (poln. brog) mit goldenem Dach als Wappen führt und deshalb auch häufig Brog genannt wurde. Seinen Ursprung leitet es, wie der Name ("Sohn oder Abkömmling des Lech") andeutet, von dem Gründer des polnischen Reichs her, und zwar gilt Wladislaw Leszek, Herzog in Kassubien, der dritte Sohn Leszeks III., der um 810 den polnischen Thron innehatte und Großvater Popiels II., des letzten Regenten aus dem Haus der Lech, war, als der direkte Ahnherr dieser Familie. Ihr gehörte der fünfte Erzbischof von Gnesen (1060-92), Petrus L., an, der Boleslaw II. 1081 vertrieb und Polen bis zum Regierungsantritt Wladislaws I. regierte, ferner Peter L., Bischof von Krakau (1392-1414), um die Stiftung der Krakauer Universität hochverdient. Seit der Mitte des 11. Jahrh. führte der älteste Zweig des Hauses, von dem alle Nebenlinien abstammen, den Titel "Grafen zu Skarssow und Herren zu Radolin"; aber Matthias I. L., ein Enkel des Reichssenators und Kastellans zu Kalisch, Adam L. (gest. 1380), nahm zugleich mit seinem Bruder den Namen der ihnen gehörenden Herrschaft Radolin als beständigen Geschlechtsnamen an, und da in Urkunden neben dem lateinischen "in Radolin" meist die polnische Übersetzung Radolinski gesetzt wurde, entstand irrtümlich der Doppelname Radolin-Radolinski, welchen die Nachkommen des Matthias, die sich später in zwei preußische und zwei österreichische gräfliche Linien trennten, noch gegenwärtig tragen. Einer preußischen Linie gehört Graf Hugo Radolinski an, geb. 1. April 1842, seit 1882 Gesandter in Weimar, seit 1885 Hofmarschall des deutschen Kronprinzen. Von den übrigen Zweigen des Geschlechts L. sind nur noch zwei übrig, welche sich nach ihren Besitzungen "Grafen zu Suminie-Suminski" und "Herren zu Skarzeszow-Skarszewski" nennen. Vgl. F. Hoffmann, Übersicht der Familiengeschichte des erlauchten Dynastengeschlechts der Leszczyc, Grafen von Radolin-Radolinsky (Dresd. 1873).

Leszczynski (spr. leschtschínski), angesehene, aus Böhmen stammende Adelsfamilie in Polen, welcher mehrere um ihr Vaterland verdiente Männer angehören. Raphael L. erhielt von Siegmund III. mehrere Kastellaneien und Starosteien, wurde Woiwod von Belz und bemühte sich, im Feld und im Rate das Wohl Polens zu fördern. Er war einer der eifrigsten Anhänger der Reformation. Seine lateinischen Gedichte und Reden sind nicht im Druck erschienen. Er starb 1636 in Wlodawa. Sein Enkel Raphael war Großschatzmeister und General von Großpolen, schrieb ein historisches Gedicht: "Chocim" (1673), und starb 1703. Mit dem Sohn desselben, dem König Stanislaus (s. d.), starb die Familie aus. Die einzige Tochter des letztern, Maria Leszczynska (s. d.), geb. 1703, wurde 1725 die Gemahlin Ludwigs XV. und starb 1768.

Letāl (lat.), tödlich; Letalität, Tödlichkeit.

L'État c'est moi (franz., "der Staat bin ich"), ein Ausspruch, der Ludwig XIV. in den Mund gelegt wird, um das absolutistische System des Königs und seiner Nachahmer zu kennzeichnen. Er soll ihn nach gewöhnlicher Annahme, als er 1655 im Jagdrock und mit der Peitsche in der Hand im Pariser Parlament erschien, dem Präsidenten desselben, der das Interesse des Staats hervorhob, zugerufen haben; doch ist die Mitteilung unverbürgt (vgl. Cheruel, Histoire de l'administration monarchique en France, Bd. 2, 1855). Nach Dulaures "Histoire de Paris" (1853) soll der König einen Richter, der in einer Rede die Worte: "der König und der Staat" gebrauchte, mit obigen Worten unterbrochen haben, während in der "Revue britannique" (Mai 1851) die Königin Elisabeth von England als Urheberin des Ausspruchs bezeichnet wird.

Le Tellier (spr. lö telljeh), Michel, franz. Staatsmann, geb. 19. April 1603 zu Paris, wurde 1624 Rat im Grand Conseil, 1631 königlicher Prokurator, dann Requetenmeister im Staatsrat, 1639 Intendant der französischen Armee in Piemont, wo ihn Mazarin kennen lernte. Dieser berief ihn 1643 zum wichtigen Amte des Staatssekretärs, in dem L. durch Bescheidenheit, strenge Rechtlichkeit, Fleiß und Geschicklich-^[folgende Seite]