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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lettenhaue - Lettres provinciales.

der Zehn Gebote und der von Joh. Rivius (gest. 1586) übersetzte Katechismus Luthers werden für die ältesten Denkmäler der lettischen Litteratur gehalten. In der ersten Zeit haben besonders die Deutschen an der Ausbildung und Sammlung des lettischen Sprach- und Litteraturstoffs erfolgreich gearbeitet; in den letzten Jahrzehnten aber ist die lettische Litteratur fast ausschließlich von L. selbst bearbeitet und bereichert worden, vorzugsweise durch Übersetzungen aus fremden Sprachen, aber auch durch Originalarbeiten. Als der erste Dichter der L. muß Stender (1714-96), der als Volks- und Sprachbildner bahnbrechend wirkte, genannt werden; nächst ihm verdienen Erwähnung: Jur Alunan (gest. 1864), M. Kroghem (Pseudonym Ausaklis, gest. 1879) sowie von Lebenden der Epiker Lautenbach (Pseudonym Jusminis, geb. 1847), der Novellist M. Kaudsit (geb. 1848), Fr. Brihwsemneeks (geb. 1846) u. a. Zeitschriften in lettischer Sprache erscheinen gegenwärtig neun. Grammatiken lieferten in neuerer Zeit Rosenberger (Mitau 1830, Dorpat 1843), Hesselberg (Mitau 1841 u. 1848), besonders aber Bielenstein (s. d.), der auch um die Erforschung des lettischen und baltischen Altertums große Verdienste hat. Wörterbücher liegen vor von Stender (Mitau 1798, 2 Bde.), Ulmann und Brasche (Libau 1875 und Riga 1880, 2 Bde.). Vgl. Napierski, Chronologischer Konspekt der lettischen Litteratur (Mitau 1830); Paulus Einhorn, Historia lettica (Dorpat 1649); G. Merkel, Die L. (Leipz. 1800); C. F. Watson, Über den lettischen Volksstamm (Mitau 1822); Waeber, Anthropologie der L. (Dorpat 1879); v. Dorneth, Die L. unter den Deutschen (2. Aufl., Berl. 1887).

Lettenhaue, s. Keilhaue.

Lettenklüfte, s. Thone.

Lettenkohle und Lettenkohlenformation, Glied der Triasformation (s. d.).

Lettera di cambio (ital.), s. v. w. Wechsel.

Letterkénny, Stadt in der irischen Grafschaft Donegal, am Swilly, ist Sitz des katholischen Bischofs von Raphoe, hat ein bischöfliches Seminar und (1881) 2188 Einw.

Lettern (lat. litterae, Buchstaben, Typen), die in der Buchdruckerei benutzten, vierseitig prismatischen Metallstäbchen, welche den vermittelst der Farbe auf das Papier zu übertragenden Buchstaben auf der obern Endfläche (dem Kopf) in verkehrter, d. h. dem Spiegelbild eines gedruckten Buchstaben entsprechender, erhabener Darstellung enthalten. Die Höhe der L. ist zum Nachteil der Buchdruckerkunst noch eine vielfach verschiedene; sie beträgt in Deutschland ca. 2,5 cm; einer Übereinkunft der Mehrzahl der deutschen Gießereien zufolge ist indes jetzt die sogen. Pariser Höhe von 10½ Pariser Linien oder 62½ typographischen Punkten (22,2 mm) angenommen worden, und namentlich hat sich Hermann Berthold in Berlin durch Herstellung eines wissenschaftlich genauen Typometers um Herbeiführung einer gleichmäßigen Typenhöhe Verdienste erworben. Über die technische Herstellung der L. s. Schriftgießerei. S. auch Schriftarten.

Letterngießmaschine, s. Schriftgießerei.

Letternholz (Buchstabenholz, Schlangenholz), aus Südamerika (Surinam und Guayana) stammendes rotbraunes Holz mit schwarzen Flecken, welche Ähnlichkeit mit Buchstaben oder mit Schlangenschuppen haben. Die beste Sorte kommt selten vor und wird nur zu den teuersten Spazierstöcken gebraucht. Die Holländer nennen es Muskatholz, weil es im Aussehen einer durchschnittenen Muskatnuß ähnelt. Es stammt von Machaerium Schomburgkii Benth. (Papilionacee) in Guayana, Piratinera guianensis Aubl. (Urtikacee) oder Amanoa guianensis Aubl. (Euphorbiacee).

Letternmetall, s. Schriftgießerei.

Letternsetzmaschine, s. Setzmaschine.

Lette-Verein, s. Frauenfrage, S. 624, u. Frauenvereine, S. 629.

Lettner (Lectorium), Lesepult zur Verlesung der Perikopen, des Evangeliums und der Episteln auf der 3-4 m hohen Abschlußwand zwischen Chor und Langschiff, wozu vom Chor aus meist eine Wendeltreppe führte; später jene Abschlußwand selbst, in deren Mitte, gewöhnlich westlich, der Laienaltar stand, während sich zu beiden Seiten Durchgangsthüren befanden. Später erhielten die L. die Form von Arkaden, welche die ganze Breite des Mittelschiffs einnahmen und reich mit Figuren, Reliefs und Ornamentik versehen sind. Die ältesten gehören der spätromanischen Zeit, die reichsten der gotischen Periode an. Unter den letztern sind die L. in den Domen zu Bamberg, Halberstadt, Naumburg, Havelberg, im Münster zu Basel, in der Michaeliskirche zu Hildesheim, in der Marienkirche zu Lübeck und in der Magdalenenkirche zu Troyes hervorzuheben.

Lettowitz, Marktflecken in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Boskowitz, an der Zwittawa und der Österreichisch-Ungarischen Staatsbahn, hat ein Schloß mit Park, (1880) 2021 Einw., Eisen- und Braunkohlenbergbau, eine große Bobbinet- und Spitzenfabrik, Kaffeesurrogat-, Spiritus- und Tucherzeugung.

Lettre (franz., spr. lettr), Brief; l. de change, Wechsel; l. de créance, Beglaubigungsschreiben; l. de récréance, Abberufungsschreiben eines Gesandten etc.; l. de marque, Kaperbrief; l. de répit, Anstandsbrief, Moratorium; l. de voiture, Frachtbrief.

Lettres de cachet (franz., spr. lettr dö kaschä), die berüchtigten Verhaftsbefehle der Könige von Frankreich vor der Revolution von 1789, durch welche mißliebige Personen aus der Hauptstadt oder dem Land verwiesen, oder ohne Urteil und Recht in die Bastille oder ein andres Staatsgefängnis gebracht wurden. Die königlichen Schreiben (lettres royaux) zerfielen überhaupt in L. patentes, d. h. offene, und in L. d. c., d. h. versiegelte Briefe. Die erstern wurden immer auf Pergament geschrieben, trugen die Namensunterschrift des Königs und die Kontrasignatur eines Ministers, waren nicht zusammengefaltet, sondern nur am Rand umgebogen und hatten das große Staatssiegel beigedruckt. Die L. dagegen wurden entweder im Namen oder im Auftrag des Königs, ohne andre Kontrolle als die Signatur eines Ministers, auf Papier geschrieben und mit dem kleinen königlichen Siegel geschlossen. Es wurde, besonders seit Ludwig XIV., um mißliebige Personen unschädlich zu machen, ein so großer Mißbrauch mit diesen Briefen getrieben, daß der Lieutenant général der Polizei gewöhnlich im voraus angefertigte L. besaß, in welche er nur den Namen des zu Verhaftenden einschrieb. Doch war diese Verhaftung häufig auch eine königliche Gnade, indem der dadurch Betroffene der Justiz entzogen wurde. Ein Dekret der Nationalversammlung vom 23. Juni 1789 machte den L. ein Ende. Doch wurden sie 1811 von Napoleon I. wieder eingeführt. Vgl. Mirabeau, Des l. d. c. et des prisons d'état (Par. 1782).

Lettres persanes (spr. lettr perssán, "persische Briefe"), Titel einer Schrift von Montesquieu.

Lettres provinciales (spr. lettr prowängssiáll, "Provinzialbriefe"), Titel der Briefe Pascals (s. d.) gegen die Jesuiten.