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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Liberia - Libourne.

auch von den europäischen Mächten anerkannt wurde. Erweiterung fand das Territorium 1848 durch das Gebiet am Gallinas (im NW.), 1852 durch das Gebiet am Cassa und 1880 durch das Königreich Medina; 1857 trat auch die 1834 am Kap Palmas gegründete ähnliche Negerrepublik Maryland zu L. Vgl. Valdez, Six years of a traveller's life in Western Africa (Lond. 1861, 2 Bde.); Büttikoffer, Mededeelingen over L. (Amsterd. 1884); Wauvermans, Liberia. Histoire de la fondation d'un état nègre libre (Brüssel 1885); Bourzeix, La république de Libéria (Par. 1887).

Liberia, Stadt in Costarica, s. Guanacaste.

Liberius, Papst, ein geborner Römer, bestieg 22. Mai 352 den römischen Stuhl, ward 355 vom Kaiser Constantius nach Thrakien verbannt, weil er sich weigerte, Athanasius zu verdammen, kehrte aber, nachdem er 358 zwei semiarianische, im Sinn des Eusebios von Nikomedia gefaßte Glaubensformeln unterschrieben hatte, auf den römischen Stuhl zurück, von dem er den 358 eingesetzten Papst Felix II. vertrieb. Er starb 24. Sept. 366.

Liber Pontificalis (Gesta pontificum Romanorum, lat.), eine Geschichte der Päpste, die von Petrus bis auf Stephan VI. (885-891) reicht. Die Annahme, daß der Verfasser derselben Anastasius Bibliothecarius gewesen, ist unhaltbar; dasselbe ist vielmehr von verschiedenen Verfassern geschrieben; höchstens sind dem Anastasius die vitae der Päpste von 827 bis 867 zuzuschreiben. Zwei Punkte in betreff des L. sind heutzutage unter den Gelehrten insbesondere streitig: 1) welcher Text ist als Originaltext des L. anzusehen? und 2) zu welcher Zeit ist der älteste Teil des L. entstanden? Es wurde herausgegeben von Bianchini (Rom 1718-35, 4 Bde.) und von Vignoli (das. 1724-43, 3 Bde.). Vgl. Duchesne, Étude sur le L. (Par. 1877); Waitz im "Neuen Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde" 1879 und in der "Historischen Zeitschrift" 1880.

Libertad, Küstendepartement der südamerikan. Republik Peru, erstreckt sich vom Meer aus bis zur östlichen Kordillere jenseit des obern Marañon und hat ein Areal von 28,153 qkm (511,3 QM.) mit (1876) 147,541 Einw. Die Küstenlande sind mit Ausschluß der fruchtbaren Flußthäler öde und wasserlos, das Innere dagegen bietet viel kulturfähiges Land in allen Höhenlagen. Im O. kommen auch Gold und Silber vor, werden aber nicht ausgebeutet, so daß Landbau und Viehzucht neben dem Flechten von Strohhüten etc. die Haupterwerbszweige bilden. Hauptstadt ist Trujillo. S. Karte "Peru".

Libertad (Puerto la L.), Hafenort im mittelamerikan. Staat Salvador, mit unsicherer Reede, Molo, Zollhaus und etwa 1500 Einw. Eine Eisenbahn verbindet es mit Sonsonate und Santa Ana.

Libertas (lat.), bei den Römern Göttin der "Freiheit", auf Münzen als schöne, reichgeschmückte Frau dargestellt, zu Ende der Republik auch mit dem Dolch und der Freiheitsmütze (pileus). Sie hatte auf dem Aventin einen von Titus Sempronius Gracchus errichteten Tempel. Nicht zu verwechseln ist damit das Atrium Libertatis, das Archiv und Amtslokal der Zensoren, dessen Lage nicht völlig sicher ist (s. Atrium).

Liberté, Fraternité, Egalité (franz., "Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit"), die Devise der französischen Republik, kam während der ersten französischen Revolution auf.

Libertin (franz., spr. -täng), ausschweifender, liederlicher Mensch, Wüstling; sonst auch s. v. w. Freigeist; Libertinage, Ausschweifung, Liederlichkeit.

Libertiner (Libertini) heißen Apostelgesch. 6, 9 Juden, die Sklaven in Rom gewesen und, in Freiheit gesetzt, nach Jerusalem zurückgekehrt waren, wo sie eine eigne Synagogengemeinde bildeten. In der Zeit der Reformation wurden L. die Anhänger einer freiern Geistesrichtung genannt, so die Anhänger Coppins in Lille (1530), dessen Schüler Quintin aus Hennegau, Bertrand und Pocquet seine Lehre, einen spiritualistischen Pantheismus, besonders nach Frankreich verbreiteten und bei der Königin Margarete von Navarra Schutz fanden. In Genf hießen L. die vornehmlich aus eingebornen Bürgern bestehenden Gegner von Calvins (s. d.) strengem thematischen System und der die Herrschaft über das öffentliche und Privatleben sich anmaßenden Priestertyrannei. Die Verbrennung des mit ihnen verbundenen Servet reizte die L. zu einer Erhebung gegen Calvins Herrschaft, die aber 1555 unterdrückt wurde; das Haupt der L., Berthelier, wurde hingerichtet.

Liberum arbitrium (lat.), s. v. w. freier Wille.

Liberum veto (lat., "das freie 'ich verbiete'"), das Recht der polnischen Reichstagsmitglieder, durch ihren Einspruch (poln. nie pozwalam, "ich gestatte nicht") einen Beschluß des Reichstags zu verhindern; es wurde 1652 zum erstenmal von dem Landboten Sicinski durchgesetzt, worauf bis 1764 durch dasselbe von 55 Reichstagen 48 "zerrissen" wurden, so daß nur 7 zu einem ordnungsmäßigen Schluß gelangten. Die Konstitutionen von 1764 und 1791 schafften zwar das L. ab, kamen aber nicht zur Ausführung.

Libethen (ungar. Libetbánya), Bergstadt im ungar. Komitat Sohl, mit Bergbau auf Eisen und Kupfer, Hochöfen und (1881) 1801 slawischen und deutschen Einwohnern.

Libethenit (blätteriges Olivenerz), Mineral aus der Ordnung der Phosphate, kristallisiert rhombisch und ist isomorph mit Adamin und Olivenit, findet sich in kleinen, einzeln aufgewachsenen oder in Drusen vereinigten Kristallen, ist lauch-, oliven- bis schwärzlichgrün, Härte 4, spez. Gew. 3,6-3,8, fettglänzend, kantendurchscheinend. Es besteht aus basischem Kupferphosphat Cu3(PO4)2+Cu(OH)2 ^[Cu_{3}(PO_{4})_{2}+Cu(OH)_{2}] und findet sich bei Libethen und Nischne Tagilsk, Ullersreuth im Reußischen, Loanda in Afrika. Man erhält L. durch Erhitzen von Kupferphosphat Cu3P2O8+3H2O ^[Cu_{3}P_{2}O_{8}+3H_{2}O] mit Wasser in zugeschmolzenen Röhren.

Libidibi, s. Dividivi.

Libidinist (lat.), Wollüstling; libidinös, wollüstig, unzüchtig.

Libitina, altitalische Göttin der Lust (als solche auch Lubentina, Lubentia und Lubia genannt), dann in Zusammenfassung des Gedankens an den Tod und an schwellendes Leben auch Todes- und Leichengöttin, daher später sowohl mit Venus als auch mit Proserpina identifiziert. Aus dem Hain der L. mußten alle zu Leichenbegängnissen nötigen Gerätschaften geholt und bei jedem Todesfall eine gewisse Abgabe an ihren Kasten entrichtet werden. Im Amphitheater war das Thor, durch welches die Getöteten getragen wurden, nach ihr porta Libitinensis genannt.

Libitum (lat.), Belieben; ad l. bedeutet als musikal. Vortragsbezeichnung einen freien Vortrag.

Libochowitz, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Raudnitz, links an der Eger und an der Eisenbahnlinie Lobositz-L., mit schönem Schloß, Bezirksgericht, Zuckerfabrik und (1880) 2051 Einw.

Libon, griech. Architekt aus Elis, Erbauer des Zeustempels zu Olympia (s. d.).

Libourne (spr. -bürn), Arrondissementshaupt- und Hafenstadt im franz. Departement Gironde, am