Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Liebigsche Suppe; Liebknecht

774

Liebigsche Suppe - Liebknecht.

Einwirkung des Chlors auf den Alkohol, wobei er das Chloroform und das Chloral entdeckte; die Theorie der Ätherbildung suchte er durch eine neue Versuchsreihe aufzuklären, und bald darauf entdeckte er den Aldehyd. Auch über die Alkaloide, die Zuckerarten, viele Cyanverbindungen und über die Metallverbindungen hat er viele Untersuchungen angestellt, und ohne Zweifel muß er sowohl nach der Zahl seiner Entdeckungen als auch nach deren Bedeutung der fruchtbarste Chemiker seiner Zeit genannt werden. Epochemachend waren seine mit Wöhler angestellten Forschungen über die Benzoylverbindungen, von welchen die eigentlich rationelle Behandlung der organischen Chemie datiert. Seit 1839 wandte er sich hauptsächlich dem Studium der Ernährung des Pflanzen- und Tierkörpers zu. Er wies die Wichtigkeit der Mineralstoffe für die Pflanzen und besonders für den Ackerbau überzeugend nach, stellte die Bedeutung der organischen Substanz im Boden fest und wurde der größte Reformator des Feldbaues in diesem Jahrhundert. Über seine Lehren entspann sich ein langer und heftiger Streit, welcher endlich zu gunsten Liebigs entschieden wurde, nachdem dieser seine Theorien vielfach ausgebaut und modifiziert hatte. Auch für die Lehre von der Ernährung der Tiere schuf er eine neue Basis. Er zeigte, daß das Tier die Hauptbestandteile seines Bluts in der Nahrung fertig gebildet finden müsse; er unterschied zwei Gruppen von Nahrungsstoffen: die hauptsächlich der Blutbildung dienenden Eiweißkörper und die zur Wärmeerzeugung im Körper verwendeten stickstofffreien Substanzen; er lehrte, daß zur Fettbildung und Fettablagerung im Körper andre Stoffe, die nicht Fett sind, mitwirken müssen etc. Seine Untersuchungen über das Fleisch und über die Zusammensetzung der Muskelfaser wurden auch für das praktische Leben wichtig, insofern sich daran die Darstellung des Fleischextrakts knüpfte. Außer letzterm gab L. die Bereitung einer leichtverdaulichen und nahrhaften Fleischbrühe für Kranke, einer Suppe zur Auffütterung der Kinder und eines nahrhaften Brots an. Mit Rücksicht auf diese Arbeiten, die Entdeckung als Arzneimittel sehr wichtig gewordener Körper, die Bereicherung der chemischen Technik mit manchen Methoden und vor allem mit Rücksicht auf seine Entdeckung der Gesetze des Feldbaues kann behauptet werden, daß wohl nie ein Gelehrter sich so eingehend mit der praktischen Verbesserung des materiellen Menschenlebens befaßt hat wie L. 1845 war er in den Freiherrenstand erhoben worden; 1852 folgte er einem Ruf nach München, wo er, von der Leitung eines großen Laboratoriums befreit, fast ausschließlich seinen physiologischen Forschungen lebte. Er war dort lange Jahre Präsident der Akademie der Wissenschaften und starb 18. April 1873. In München wurde ihm 1883 ein Marmordenkmal (von Wagmüller), in Darmstadt 1877 eine Bronzebüste (von Bersch) gesetzt. Von Liebigs Schriften sind besonders hervorzuheben: "Anleitung zur Analyse organischer Körper" (Braunschw. 1837, 2. Aufl. 1853); "Über das Studium der Naturwissenschaft" (das. 1840); "Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie" (das. 1840, 9. Aufl. 1875; Bd. 1: "Der chemische Prozeß der Ernährung der Vegetabilien"; Bd. 2: "Die Naturgesetze des Feldbaues"); "Die Tierchemie, oder die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie" (das. 1842, 3. Aufl. 1847); "Handbuch der organischen Chemie, mit Rücksicht auf Pharmazie" (aus der von ihm besorgten letzten Ausgabe von Geigers "Handbuch", Heidelb. 1843); "Bemerkungen über das Verhältnis der Tierchemie zur Tierphysiologie" (das. 1844); "Chemische Briefe" (das. 1844; 6. Aufl., Leipz. 1878); "Chemische Untersuchungen über das Fleisch und seine Zubereitung zum Nahrungsmittel" (Heidelb. 1847); "Über einige Ursachen der Säftebewegung im tierischen Organismus" (Braunschw. 1848); "Die Grundsätze der Agrikulturchemie, mit Rücksicht auf die in England angestellten Untersuchungen" (2. Aufl., das. 1855); "Herr Dr. Wolff und die Agrikulturchemie" (das. 1855); "Über Theorie und Praxis in der Landwirtschaft" (das. 1856); "Naturwissenschaftliche Briefe über die moderne Landwirtschaft" (das. 1859); "Suppe für Säuglinge" (3. Aufl., das. 1877); "Franz Bacon von Verulam und die Methode der Naturforschung" (das. 1863); "Induktion und Deduktion" (Münch. 1865); "Entwickelung der Ideen in der Naturwissenschaft" (das. 1866); "Reden und Abhandlungen" (Leipz. 1874). Mit Poggendorff und Wöhler und vielen andern Chemikern schrieb er das "Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie" (Braunschw. 1837 bis 1864, 9 Bde.; 2. Aufl., Bd. 1 u. 2, 1857-63); mit Kopp begann er 1849 den "Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie, Physik, Mineralogie und Geologie" (Gießen); auch gab er mit Geiger u. a. die "Annalen der Pharmazie" (Heidelb. 1832-39) heraus und als deren Fortsetzung mit Wöhler, später auch mit Kopp die "Annalen der Chemie und Pharmazie". Mit seinem Sohn Georg, geb. 17. Febr. 1827, Badearzt in Reichenhall und Dozent in München, gab Liebigs Schwiegersohn M. Carriere "Reden und Abhandlungen von J. L." (Leipz. 1874) heraus; auch veröffentlichte G. v. L. mit Echtermayer den Briefwechsel seines Vaters mit Th. Reuning über landwirtschaftliche Fragen (Dresd. 1884). Vgl. Bischoff, Über den Einfluß des Freiherrn v. L. auf die Entwickelung der Physiologie (Münch. 1874); Erlenmeyer, Über den Einfluß des Freiherrn v. L. auf die Entwickelung der reinen Chemie (das. 1874); Vogel, Freiherr v. L. als Begründer der Agrikulturchemie (das. 1874); Kolbe, L. der Lehrer, Gelehrte und Reformator (in "unsere Zeit", Leipz. 1874); Hofmann, The life-work of L. in experimental and philosophic chemistry (Lond. 1876); Pohl, Justus v. L. und die landwirtschaftliche Lehre (Berl. 1885).

Liebigsche Suppe, s. Auffütterung der Kinder.

Liebknecht, Wilhelm, sozialdemokrat. Agitator, geb. 29. März 1826 zu Gießen, studierte daselbst, in Berlin und Marburg Philologie und Philosophie, beteiligte sich 1848 am badischen Aufstand, saß vom September 1848 bis Mai 1849 in Haft, nahm an der neuen Erhebung für die Reichsverfassung in Baden teil und flüchtete nach deren Unterdrückung erst nach der Schweiz, dann nach England. 1862 kehrte er nach Deutschland zurück und war als Journalist, zeitweilig auch an der "Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", thätig, ward aber 1865 wegen seiner sozialdemokratischen Agitationen aus Preußen ausgewiesen und ging nach Leipzig, wo er seit 1. Jan. 1868 das "Demokratische Wochenblatt", Organ der Volkspartei und des Verbandes deutscher Arbeitervereine, redigierte. 1872 wurde er wegen Hochverrats mit Bebel zusammen zu zwei Jahren Festung verurteilt, die er auf Hubertusburg abbüßte. Während seiner Haft ward er 1874 im Wahlkreis Stollberg-Schneeberg im Königreich Sachsen in den deutschen Reichstag gewählt, welchem er 1875-87 angehörte. 1879 wurde er auch in die sächsische Zweite Kammer gewählt. Mit Hasenclever redigierte er die Zeitung "Vorwärts" in Leipzig, das Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschlands. L. ist ein fanatischer Preu-^[folgende Seite]