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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Liktoren; Lila; Liliaceen

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Liktoren - Liliaceen.

doch darf man nur ganz reines Gold und Silber anwenden. Die Liköre klären sich durchs Lagern. Nur im Notfall mischt man sie mit einem ausgedrückten Brei aus Filtrierpapier und gießt sie durch einen Spitzbeutel. Frisch bereitete Liköre und namentlich die aus Alkohol und ätherischen Ölen gemischten zeigen einen starken Spritgeschmack, der sich erst nach längerm Lagern verliert. Durch Destillation der Pflanzensubstanzen mit spiritushaltigem Wasser wird dieser Geschmack vermieden, weshalb manche Fabriken noch die alte Methode beibehalten haben. Die Feinheit der Liköre, welche erst durch Lagern erreicht wird, kann man in 24 Stunden erzielen, wenn man sie auf 38-40° erwärmt. Hierbei erhalten die Liköre auch die geschätzte ölige Beschaffenheit. Die Grundlage aller Liköre sind die Likörkörper, d. h. die Mischungen von Alkohol, Wasser und Zucker, welche in verschiedener Stärke zur Anwendung kommen. Die folgenden Vorschriften, bei welchen Sirup von angegebener Konzentration und Spiritus von 90 Proz. angenommen sind, geben einige Beispiele.

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Spiritus im Liter Sirup im Liter Wasser im Liter

Cremes:

440 g Zucker in 1 Liter; 36 Proz. 4,0 5,0 1,2

400 " " " " " 36 " 4,0 4,5 1,7

350 " " " " " 38 " 4,2 4,0 2,0

Liköre:

330 g Zucker in 1 Liter; 40 Proz. 4,45 3,75 2,0

300 " " " " " 40 " 4,4 3,5 2,3

275 " " " " " 40 " 4,4 3,0 2,8

220 " " " " " 42 " 4,7 2,5 3,0

175 " " " " " 44 " 4,9 2,0 3,3

Aquavite:

130 g Zucker in 1 Liter; 45 Proz. 5,0 1,5 3,7

110 " " " " " 46 " 5,1 1,25 3,8

100 " " " " " 47 " 5,2 1,0 4,0

55 " " " " " 48 " 5,3 0,6 4,3

50 " " " " " 49 " 5,4 0,5 4,3

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Für je 0,1 Lit. Spiritus von 90 Proz., welches man mehr oder weniger nimmt, wird der L. um 1 Proz. stärker oder schwächer, und für je 2 Proz., welche der Spiritus stärker oder schwächer ist als 90 Proz., wird der Likörkörper 1 Proz. stärker oder schwächer. Vgl. Möwes, Die Destillierkunst der geistigen Getränke (8. Aufl., Berl. 1881); Gaber, Die Likörfabrikation (4. Aufl., Wien 1885); Fischer, Likörfabrikation (3. Aufl., Halle 1881); Schedel, Destillierkunst (9. Aufl., Weim. 1879); Stammer, Die Branntweinbrennerei (Braunschw. 1876); Sachsse u. Komp., Anleitung zur Herstellung von Likören, Aquaviten etc. (Leipz. 1885).

Liktoren (lat. lictores), die Diener, welche in Rom den höhern Magistraten (vorher den Königen), insbesondere den Diktatoren, den Konsuln und Prätoren, von Staats wegen zur Dienstleistung und zugleich als Ehrengeleit beigegeben waren. Die Diktatoren hatten deren, wenigstens in späterer Zeit, 24, die Konsuln je 12 (s. Konsul), die Prätoren je 2, wenn sie aber als Befehlshaber im Feld standen oder nach der Prätur eine Provinz verwalteten, je 6, später in den kaiserlichen Provinzen nur 5. Ihre Funktion bestand darin, daß sie dem Magistrat, in dessen Dienst sie standen, in langer Reihe vorangingen, daß sie die Umstehenden und Begegnenden aufforderten, ihm die schuldige Ehrerbietung zu bezeigen, und ihm nötigen Falls Platz machten, sowie daß sie auf seinen Befehl die Schuldigen ergriffen und die von ihm verfügten Strafen vollzogen. Sie führten als Amtszeichen die sogen. Fasces, d. h. Rutenbündel, und zwar in der Stadt seit Einführung des Rechts der Berufung an das Volk (509 v. Chr.) ohne Beile (secures), im Krieg aber, wo die Befehlshaber das Recht über Leben und Tod hatten, mit Beilen. Außer diesen Amtsdienern der einzelnen Magistrate gab es noch Lictores curiatii, welche, 30 an der Zahl, in der spätern Zeit, wo die Kuriatkomitien zu einer leeren Form herabgesunken waren, sich statt der Kurien versammelten und die Obliegenheiten derselben erfüllten. S. Abbildung.

^[Abb.: Liktor mit dem Fascis.]

Lila (lilla, span.), ein blasses Violett, ein Violett, stark mit Weiß gemischt und bald mehr ins Rote, bald mehr ins Blaue spielend.

Lila (Lilak), Pflanzengattung, s. Syringa.

Liliaceen, monokotyle Familie aus der Ordnung der Liliifloren, meist Stauden, Zwiebel-, selten Knollengewächse; einige haben strauch- und selbst baumartige Stämme, welche zum Teil, abweichend von den übrigen Monokotyledonen, dauernd in die Dicke wachsen und sekundäres Holz bilden, wie Yucca und Dracaena. Die krautartigen haben oft einen einfachen Stengel mit grundständigen Blättern, bei den strauch- und baumartigen ist er meist verzweigt und an seinen obern Enden beblättert. Die Blätter zeigen häufig eine mehr oder minder entwickelte stengelumfassende Scheide und sind stets einfach und ungeteilt, meist linealisch, bisweilen auch röhrenförmig hohl, selten breiter blattartig und gestielt. Die meist großen, gewöhnlich schön gefärbten Blüten stehen einzeln endständig auf dem Stengel oder bilden eine endständige Traube, Ähre, Dolde oder Rispe, welche bisweilen trockenhäutige Deckblätter oder eine derartige Spatha besitzen. Sie sind meist vollständig, regelmäßig, selten zeigen sie Neigung zur Zygomorphie. Das Perigon besteht aus zwei dreigliederigen Blattkreisen; entweder sind alle sechs Perigonblätter frei oder mehr oder weniger röhren-, krug- oder glockenförmig verwachsen; nicht selten kommen Nektarien auf ihnen vor. Die sechs Staubgefäße sind in der Röhre des Perigons oder am Grunde der Perigonblätter befestigt. Der oberständige, aus drei Karpellen zusammengesetzte Fruchtknoten ist dreifächerig und enthält im Innenwinkel jedes Faches wenige oder zahlreiche anatrope Samenknospen. Er trägt einen endständigen, einfachen Griffel mit drei Narben. Die Frucht entwickelt sich meist zu einer dreiklappigen, fachspaltigen Kapsel, bei einigen zu einer Beere. Die Samen haben meist eine schwarze, krustige oder häutige Schale, ein fleischiges Endosperm und einen in der Achse des letztern liegenden geraden oder gekrümmten Keimling. Diese durch die Schönheit ihrer Blüten ausgezeichnete Familie mit ungefähr 2000 Arten ist mit Ausnahme der kältesten Klimate über die ganze Erde verbreitet, bewohnt aber in der größten Mehrzahl der Arten die wärmern, gemäßigten und subtropischen Zonen, denen zugleich ihre stattlichsten und baumartigen Formen angehören. Sie sind reich an Schleim,