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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lillebonne; Lillehammer; Lillers; Lillo; Lilly; Lilybäon; Lima

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Lillebonne - Lima.

den Kanälen, welche L. mit der Nordsee, Belgien und den Niederlanden sowie mit Paris in Verbindung bringen, endlich aus den Eisenbahnlinien, welche sich hier zu einem bedeutsamen Knotenpunkt vereinigen, zusammensetzt. Die Stellung als Mittelpunkt so zahlreicher Kommunikationen hat L. auch seine hohe strategische Bedeutung gegeben. In der Stadt verkehren Tramways. An Bildungsanstalten bestehen zwei Fakultäten (für Medizin und für Wissenschaften), außerdem eine freie katholische Universität mit vier Fakultäten, ein Lyceum, eine Kunstgewerbe- und eine Textilschule, eine Taubstummenanstalt, eine Musik- und eine Kunstakademie, ferner eine Bibliothek (75,000 Bände und 515 Manuskripte), ein botanischer und zoologischer Garten, mehrere Kunstsammlungen (darunter eine wertvolle Gemäldegalerie), das Wicar-Museum (eine reiche Sammlung von Handzeichnungen, ein Vermächtnis des in L. gebornen Malers Wicar) etc. Auch verschiedene gelehrte und gemeinnützige Gesellschaften und eine Anzahl von Wohlthätigkeitsanstalten sind vorhanden. L. ist Sitz der Präfektur, des Generalkommandos des 1. Armeekorps, eines Tribunals, Assisenhofs und Handelsgerichts, einer Handelskammer, einer Filiale der Bank von Frankreich, einer Börse und 4 auswärtiger Konsulate. - Julius Cäsar soll an der Stelle von L. zwischen der Deule und Lys ein Schloß gebaut haben, daher der Name Insula, l'Ile. Die eigentliche Gründung der Stadt durch die Grafen von Flandern fällt in das 10. Jahrh. 1213 ward L. von Philipp II. August und 1297 von Philipp IV., dem Schönen, von Frankreich verwüstet und, als dieser den Grafen von Flandern gefangen genommen hatte, 1305 an Frankreich verpfändet. König Karl V. trat L., als er seinen Bruder Philipp von Burgund an Margarete von Flandern verheiratete, 1365 an Burgund ab. Nach Karls des Kühnen Tod machte Ludwig XI. Ansprüche auf L.; doch behaupteten es dessen Erbtochter Maria sowie deren Gemahl Maximilian I. und deren Nachkommen, Kaiser Karl V. und König Philipp II. von Spanien. Franz I. von Frankreich entsagte im Vertrag zu Madrid seinen Ansprüchen darauf, was Heinrich IV. später bestätigte. 1667 eroberte Ludwig XIV. L. und behielt es im Frieden zu Aachen. Zwar wurde es 1708 vom Prinzen Eugen nach einer hartnäckigen Belagerung erobert, doch mußten es die Österreicher 1713 wieder an Frankreich zurückgeben. 1792 hielt L. erfolgreich die Belagerung durch die Österreicher aus. Vgl. van Hende, Histoire de L., 620-1804 (2. Aufl., Lille 1875).

Lillebonne (spr. lihlbonn, das röm. Julia Bona), Stadt im franz. Departement Niederseine, Arrondissement Havre, am Bolbec und an einem Zweig der Westbahn, hat eine Kirche, Notre Dame, aus dem 15. Jahrh., Schloßruinen, römische Baureste und (1886) 5852 Einw., welche Spinnerei und Weberei in Baumwolle betreiben.

Lillehammer, Stadt im norweg. Christiansamt an der Mündung des Laagen in den Mjösen belegen, Hauptort von Gudbrandsdalen, gegründet 1827, hat (1885) 1689 Einw.

Lillers (spr. lilähr), Stadt im franz. Departement Pas de Calais, Arrondissement Béthune, an der Eisenbahn Paris-Calais, hat eine hübsche Kirche aus dem 12. Jahrh., (1886) 5029 Einw., Kohlen- und Salzbergbau und ansehnliche Schuhwarenfabrikation.

Lillo, William, engl. Dramatiker, geb. 1693 zu London, war seines Zeichens ein Juwelier, beschäftigte sich in seinen Mußestunden mit Arbeiten für die Bühne; starb 1739. Er ist der Verfasser von sieben Dramen und insbesondere als der Begründer der sogen. bürgerlichen Tragödie, welche die prosaische Wirklichkeit des alltäglichen Lebens auf die Bühne brachte, von Bedeutung. Von seinen Stücken sind besonders zu erwähnen: "George Barnwell", "Fatal curiosity" und "Arden of Feversham", letzteres ein Süjet, das bereits von einem Dichter aus der Zeit der Elisabeth behandelt war. Eine Ausgabe seiner "Dramatic works", mit Biographie, besorgte Davies (1770, 2 Bde.; wiederholt 1810, 2 Bde.).

Lilly (Lily, Lyly), John, engl. Dramatiker, geb. 1554 in der Grafschaft Kent, studierte zu Oxford, lebte dann in London und veröffentlichte zwischen 1578 und 1600 neun dramatische Stücke großenteils mythologischen Inhalts, die sämtlich von den "Paulskindern" (den Chorknaben der St. Paulskirche) vor der Königin aufgeführt wurden; sein Todesjahr ist unbekannt. L. ist als einer der wichtigsten Vorläufer Shakespeares und namentlich als Begründer der prosaischen Diktion im englischen Drama zu betrachten. Am meisten Einfluß gewann er jedoch durch seinen Roman "Euphues. The anatomy of Wit" (um 1579) mit der Fortsetzung "Euphues and his England" (1580), dessen eigentümlicher, in gekünstelten Antithesen sich bewegender Stil, unter dem Namen Euphuismus (s. d.) bekannt, vielfach nachgeahmt und besonders am Hof Elisabeths eifrig gepflegt ward, aber auch den Spott andrer Dichter, z. B. Shakespeares (Holofernes in "Love's labour lost") und Ben Jonsons (in "Every man out of his humour"), herausforderte. Sechs Komödien Lillys gab bereits Blount 1632 heraus; eine neuere Ausgabe seiner "Dramatic works", mit Noten und Nachrichten über des Dichters Leben, besorgte Fairholt (Lond. 1858, 2 Bde.); eine neue Ausgabe des "Euphues" Landmann (Heilbr. 1887). Vgl. Bodenstedt, Shakespeares Zeitgenossen, Bd. 3 (Berl. 1860).

Lilybäon (phönik., "nach Libyen hin" schauend), bei den Alten die westlichste Landspitze Siziliens, jetzt Kap Boëo. Die dabeiliegende Stadt L. mit bedeutendem Hafen ward von den Karthagern 397 v. Chr. erbaut und hielt sich sowohl gegen Pyrrhos als auch gegen die Römer, welche sie zehn Jahre lang blockierten und erst 241 durch Vertrag erlangten. Sie blieb Hauptort der Provinz und auch später Sitz des einen der beiden Quästoren von Sizilien. Die aus den Ruinen Lilybäons in der arabischen Zeit neuentstandene Stadt führt den arabischen Namen Marsâla (s. d.).

Lima, 1) ein Departement der südamerikan. Republik Peru, dessen Gebiet einen Teil des Küstenlandes mit den daranstoßenden Kordilleren und ihren westlichen Abhängen umfaßt und somit alle Klimate einschließt, hat mit dem Bezirk von Callao ein Areal von 35,479 qkm (644,3 QM.). Der Boden ist im Küstenland nur in den Thälern und bei gehöriger Bewässerung ergiebig und liefert besonders Zuckerrohr, Mais, Früchte und Gemüse. Die Thäler des Gebirges sind weniger angebaut; Viehzucht ist hier Hauptbeschäftigung der Bewohner, auch Bergbau und noch mehr Handel werden ausgedehnt betrieben. Die Bevölkerung des Departements war 1876: 261,484 Seelen, wovon 34,492 auf Callao kamen.

2) (Ciudad de los Reyes) Hauptstadt der Republik Peru und des gleichnamigen Departements derselben, liegt 9 km von dem dazu gehörigen Hafen Callao (s. d.) an der Küste des Stillen Ozeans entfernt, 156 m ü. M., in einem weiten und fruchtbaren Thal, welches amphitheatralisch von Zweigen der Kordilleren umfaßt wird. Die Stadt wird von dem kleinen Fluß Rimac durchflossen, ist regelmäßig