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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: List.; Lista y Aragon; Listenabstimmung

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List. - Listenabstimmung.

Presse, z. B. in der Schrift "Über ein sächsisches Eisenbahnsystem als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnsystems" (Leipz. 1833), zunächst für das Projekt der Leipzig-Dresdener Eisenbahn. Gleichwohl vermochte er bei derselben keine Anstellung zu finden. 1837 begab er sich nach Paris, von wo aus er sich an der "Allgemeinen Zeitung", der "Deutschen Vierteljahrsschrift" etc. beteiligte. 1840 nach Stuttgart zurückgekehrt, arbeitete er, jedoch ohne Erfolg, gemeinschaftlich mit Joseph Meyer in Hildburghausen für Ausbau einer Eisenbahn von Nürnberg über Bamberg, Hildburghausen, Kassel nach den Hansestädten. In Augsburg, wohin er 1842 übersiedelte, schrieb er "Das nationale System der politischen Ökonomie" (Stuttg. 1841, Bd. 1; 7. Aufl. von Eheberg, 1884). In derselben setzte er der Ad. Smithschen Lehre, nach welcher möglichst viel Tauschwerte erzielt werden müßten, seine Theorie der produktiven Kräfte entgegen, nach welcher jedes Volk in erster Linie seine eignen Kräfte zu heben habe, wenn auch zunächst mit Verzichtleistung auf Gewinn an Tauschwerten. Auf diesem Gedanken baute er seine Forderung des Zollschutzes für eine junge, noch aufstrebende Industrie auf. Anfang 1843 begründete er sein "Zollvereinsblatt", in welchem er den Krieg gegen den Freihandel fortsetzte. Vergeblich bewarb er sich in Württemberg, wo er endlich vollständig amnestiert worden war, in Bayern sowie in Wien, wo er 1844-45 verweilte, um eine Anstellung; auch eine 1846 nach England unternommene Reise, um den in seiner Denkschrift über eine Allianz zwischen Großbritannien und Deutschland entwickelten Gedanken praktisch zu verfolgen, blieb ohne Ergebnis. Tief verstimmt und körperlich leidend, suchte er auf einer Alpenreise Erholung, kam aber nur bis Kufstein, wo er 30. Nov. 1846 seinem Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende machte. Lange entschieden bekämpft, hat L. als Verfechter des Protektionssystems in der neuern Zeit, als seine Ausführungen praktisch verwertet werden konnten, allgemeine Anerkennung gefunden. Seine "Gesammelten Schriften" nebst seiner Biographie hat Häusser aus seinem Nachlaß herausgegeben (Stuttg. 1850-51). Vgl. Goldschmidt, Fr. L., Deutschlands großer Volkswirt (Berl. 1878); "Fr. L., ein Vorläufer und ein Opfer für das Vaterland" (2. Aufl., Stuttg. 1877, anonym).

List., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Martin Lister (s. d. 1).

Lista y Aragon, Don Alberto, berühmter span. Dichter und Schriftsteller, geb. 15. Okt. 1775 zu Sevilla, studierte daselbst, erhielt 1803 den Lehrstuhl der Philosophie am Kollegium von San Isidoro zu Sevilla, 1806 den der schönen Wissenschaften und wurde 1807 Professor der Rhetorik und Poetik an der dortigen Universität. Bei der Invasion der Franzosen flüchtig geworden, kehrte er erst 1817 in sein Vaterland zurück, wo er im folgenden Jahr als Lehrer an der Akademie zu Bilbao angestellt wurde. Seit 1820 redigierte er in Madrid die Zeitschriften: "El Censor" und "El Imparcial", seit 1828 zu Bayonne die "Gaceta de Bayona", gab 1830 die "Estafeta de San Sebastian" heraus und übernahm, nachdem beide Zeitungen unterdrückt worden, 1833 die Redaktion der "Gaceta de Madrid", bis er 1837 die Professur der höhern Mathematik zu Madrid erhielt. Aber schon im nächsten Jahr legte er auch dieses Amt nieder, um die Leitung des Kollegiums von San Felipe Neri in Cadiz zu übernehmen, die er bis 1840 führte. Er starb 5. Okt. 1848 in Sevilla. L. ist einer der größten unter den neuern spanischen Lyrikern; mit einer reichen Phantasie und einem tiefen Gefühl verband er einen feinen Geschmack und eine echt philosophische Lebensanschauung. An Vollendung der Form und des Ausdrucks, namentlich an Anmut des Versbaues, steht er in der Geschichte der neuern spanischen Dichtkunst unübertroffen da. Seine "Poesías" erschienen zu Madrid 1822 (2. Aufl., das. 1837, 2 Bde.; auch in die "Biblioteca de autores españoles", Bd. 67, aufgenommen). Außerdem hat man von ihm: "Trozos escogidos de los mejores hablistas castellanos en prosa y verso" (2 Bde.), eine treffliche Mustersammlung der spanischen Poesie und Beredsamkeit; "Curso de historia universal", eine Bearbeitung von Ségurs "Histoire universelle", bis auf die neueste Zeit fortgesetzt; "Lecciones de literatura dramática española" (Madr. 1839) und "Ensayos litterarios y críticos" (Sevilla 1844, 2 Bde.). Auch schrieb L. einen Supplementband zu Marianas und Miñanas "Historia de España" (Madr. 1828).

Listenabstimmung (Listenwahl, Listenskrutinium) nennt man dasjenige Verfahren der Wahl für Vertretungskörper (Abgeordnetenhaus, Gericht, Handelskammer etc.), welches, um den Gedanken der verhältnismäßigen Vertretung (Proportionalvertretung) aller Parteien möglichst vollständig zu verwirklichen, an die Aufstellung von als Wahlzettel zu benutzenden Listen (daher L.) derart anknüpft, daß Vertreter nicht allein, wie z. B. heute im Deutschen Reich für den Reichstag, von den Bewohnern eines kleinern örtlichen Gebiets (Wahlkreis, Wahlbezirk), sondern überhaupt von sich zusammenschließenden Angehörigen der Parteien eines größern Gebiets (Provinz, Departement in Frankreich statt des Arrondissements, wie dies Gambetta wollte) oder auch des ganzen Landes gewählt werden können. Diejenigen, welche die L. fordern, gehen von dem Gedanken aus, ein Vertretungskörper müsse ein möglichst getreues Spiegelbild der Meinungen, Interessen und Wünsche der Wähler sein, so daß auch die Minoritäten bei der Beratung und Entscheidung in diesem Körper wenigstens gehört werden könnten. Die praktische Ausführung der L. ist freilich viel schwieriger als die des heute meist üblichen Verfahrens der Abstimmung nach der Mehrheit und der vollständigen Besiegung der Minorität in den einzelnen Wahlkreisen. Für dieselbe wurden verschiedene Systeme in Vorschlag gebracht, wie das der gebundenen Liste (Annahme der ganzen durch eine Gruppe von Wählern aufgestellten Kandidatenliste); das der gebundenen Liste mit freier Versetzung der Kandidaten innerhalb einer Liste; das System der ganz freien Liste, bei welchem jeder Wähler beliebig viel Kandidaten auf seinen Zettel nach eignem Ermessen schreibt; das Kumulativsystem (System der Stimmhäufung), bei welchem jeder Wähler so viel Stimmen abgibt, wie Wahlen zu treffen sind, diese Stimmen aber auch auf wenige Kandidaten, allenfalls auf einen vereinigen kann; das System der unvollständigen Liste, welches der Minorität dadurch eine Vertretung sichern will, daß es dem Wähler nur einen Teil der zu wählenden Vertreter auf seinen Stimmzettel zu schreiben gestattet, etc. Bei den genannten Wahlverfahren ist die Zahl der zu wählenden Vertreter gesetzlich bestimmt, während die Zahl der abgegebenen Stimmen eine je nach der Stärke der Beteiligung an der Wahl schwankende ist. Doch könnte auch die Zahl der Vertreter veränderlich und zwar abhängig von der Stärke der Beteiligung an der Wahl sein, indem gesetzlich eine bestimmte Zahl von Stimmen festgestellt ist, welche ein Abgeordneter erhalten muß, um als gewählt zu gelten, ein Ver-^[folgende Seite]