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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Littrésche Drüsen; Littréscher Bruch; Littrow; Lituītes

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Littrésche Drüsen - Lituites.

selbst durch seine freigeistige Richtung den erbitterten Haß der Klerikalen zuzog. Er veröffentlichte in dieser Richtung: "Analyse raisonnée du cours de philosophie positive" (1845), dann im Verein mit Wyroubow die Revue "La Philosophie positive" (seit 1867), welche von ihm selbst unter andern wertvollen Beiträgen den epochemachenden Aufsatz "Des origines organiques de la morale" (1870) enthält; ferner: "Applications de la philosophie positive au gouvernement de sociétés" (1849); "Conservation, révolution et positivisme" (1852, 2. Aufl. 1879); "Paroles de philosophie positive" (1859); "Auguste Comte et la philosophie positive" (1863, 3. Aufl. 1877); "La science au point de vue philosophique" (1873); "Littérature et histoire" (1875); "Fragments de philosophie positive et de sociologie contemporaine" (1876). Trotz dieser Thätigkeit liegt die fruchtbarste Seite von Littrés Wirken erst auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft. Dahin gehören seine "Histoire de la langue française" (1862, 2 Bde.; 8. Aufl. 1882) und vor allem das monumentale, mit einigen andern Forschern durchgeführte "Dictionnaire de la langue française" (1863-72, 4 Bde.; Supplementband 1878), das durchweg auf der Höhe der heutigen vergleichenden Sprachkunde steht und dem ähnlichen Werk der französischen Akademie weitaus überlegen ist. Einen Auszug daraus besorgte Beaujeau (1877). Nebenbei übersetzte L. Strauß' "Leben Jesu", gab Armand Carrels gesammelte Werke heraus und schrieb Monographien, wie: "La vérité sur la mort d'Alexandre le Grand" (1864), "Médecine et médecins" (1871) etc. Auch an den öffentlichen Angelegenheiten lebhaften Anteil nehmend, hielt er sich von Anfang an zur republikanischen Partei, focht 1830 mit Auszeichnung auf den Barrikaden, trat später in die Redaktion des "National" ein, zog sich aber nach 1848 von aller politischen Thätigkeit zurück. Während des Kriegs von 1870 befand er sich in der Provinz und wurde von Gambetta zum Professor der Geschichte an der polytechnischen Schule ernannt, doch hat er diese Stelle niemals angetreten. Auch andre Auszeichnungen lehnte er standhaft ab, so wiederholt das Kreuz der Ehrenlegion. Dagegen nahm er es mit dem Abgeordnetenmandat, das ihm die Stadt Paris 1871 übertrug, sehr ernst. 1875 wurde er von der Nationalversammlung zum Senator auf Lebenszeit ernannt, wie er ein Jahr früher (spät genug) zum Mitglied der französischen Akademie gewählt worden war, was den Austritt seines Gegners, des Erzbischofs Dupanloup, zur Folge hatte. Er starb in Paris 2. Juni 1881. Von ältern Schriften sind noch zu erwähnen: "Choléra asiatique" (1831), "La poésie homérique et l'ancienne poésie française" (1847), seine Übersetzung der "Historia naturalis" des Plinius (1848-50) und das mit Robin unternommene "Dictionnaire de médecine, de chirurgie, etc." (16. Aufl. 1886); von neuern seine metrische Übertragung von Dantes "Hölle" in die Langue d'oïl des 14. Jahrh. (1879), "De l'établissement de la troisième république" (1880), "Études et glanures pour faire suite à l'histoire de la langue française" (1880) mit einer Skizze über die Entstehung seines Wörterbuchs (letztere deutsch, Leipz. 1881). Vgl. Sainte-Beuve, Notice sur M. L., sa vie et ses travaux (Par. 1863).

Littrésche Drüsen, s. Harnröhre.

Littréscher Bruch, s. Bruch, S. 484.

Littrow, 1) Joseph Johann von, Astronom, geb. 13. März 1781 zu Bischofteinitz in Böhmen, studierte seit 1799 zu Prag Jura und Theologie, sodann seit 1803 als Erzieher der jungen Grafen Renard auf deren Gütern in Schlesien Mathematik und Astronomie, ging 1807 als Professor der Astronomie nach Krakau, 1810 nach Kasan, gründete hier die Sternwarte, ging aber 1816 als Mitdirektor der Sternwarte nach Ofen, 1819 als Professor der Astronomie und Direktor der Sternwarte, die er vollständig reorganisierte, nach Wien. 1836 wurde er in den österreichischen Adelstand erhoben. Er starb 30. Nov. 1840. L. entfaltete eine sehr fruchtbare Thätigkeit als Lehrer; durch seine theoretischen Untersuchungen veranlaßte er Plößl zur Ausführung der dialytischen Fernrohre. Von seinen zahlreichen Schriften machten ihn namentlich seine populären Vorträge über Sternkunde, die er in der "Wiener Zeitschrift für Kunst und Litteratur" mitteilte, bekannt. Von seinen größern Werken sind hervorzuheben: "Theoretische und praktische Astronomie" (Wien 1821-27, 3 Bde.); "Über Höhenmessung durch Barometer" (das. 1821); "Dioptrik, oder Anleitung zur Verfertigung der Fernrohre" (das. 1830); "Gnomonik, oder Anleitung zur Verfertigung aller Arten von Sonnenuhren" (das. 1833, 2. Aufl. 1838); "Über Sterngruppen und Nebelmassen des Himmels" (das. 1835); "Atlas des gestirnten Himmels" (Stuttg. 1838, 3. Aufl. 1866); seine populäre Astronomie: "Die Wunder des Himmels" (das. 1834-36, 3 Tle.; 7. Aufl. 1882); das "Handbuch zur Umrechnung der vorzüglichsten Münzen, Maße und Gewichte" (das. 1832, 4. Aufl. 1870). L. war auch Autorität auf dem Gebiet der Versorgungsanstalten. Seine schönwissenschaftlichen Aufsätze erschienen gesammelt als "Vermischte Schriften" (Stuttg. 1846, mit Biographie).

2) Karl Ludwig von, ebenfalls Astronom, Sohn des vorigen, geb. 18. Juli 1811 zu Kasan, stand seinem Vater seit 1831 als Gehilfe zur Seite und folgte ihm 1842 als Direktor der Wiener Sternwarte, nachdem er sich namentlich durch eine Bearbeitung der Hellschen Beobachtung des Venusdurchganges von 1769 bekannt gemacht hatte. 1847 ward er mit W. Struve zum Beurteilungskommissar über den trigonometrischen Anschluß von Rußland und Österreich ernannt. Als Universitätsdekan trug er 1850 viel zur bleibenden Einführung der damals in Österreich versuchten Institutionen deutscher Hochschulen bei, und seit 1862 beteiligte er sich lebhaft an den Arbeiten der mitteleuropäischen Gradmessung. Er lieferte auch eine neue Methode der Längenbestimmung zur See, bearbeitete mit Weiß die meteorologischen Beobachtungen der Wiener Sternwarte, übersetzte Airys "Abriß einer Geschichte der Astronomie im Anfang des 19. Jahrhunderts" (Wien 1835) und schrieb eine "Populäre Geometrie" (Stuttg. 1839). In Gehlers Wörterbuch gab er 1844 ein sehr reiches "Verzeichnis der geographischen Ortsbestimmungen" (separat, Leipz. 1844; Nachträge 1846). Die "Annalen der Wiener Sternwarte" sind unter seiner Leitung zu einem der wichtigsten astronomischen Jahrbücher geworden. Er starb 16. Nov. 1877 in Venedig. - Sein Bruder Heinrich von L., geb. 26. Jan. 1820 zu Wien, seit 1858 Fregattenkapitän und Direktor der Handels- und nautischen Akademie zu Triest, später königlich ungarischer Seeinspektor zu Fiume, hat sich als nautischer Schriftsteller ("Marinewörterbuch", Wien 1851; "Handbuch der Seemannschaft", das. 1859; eine Bearbeitung von Brommes Werk "Die Marine" u. a.) und als Dichter ("Aus der See", 4. Aufl., Triest 1876; "Reisebilder", 4. Aufl., Wien 1883, u. a.) bekannt gemacht.

Lituītes, s. Tintenschnecken.