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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lochener - Locke.

vertikalen Querschnitt. Die Platte i bildet den Stempelausrücker; sie kann durch Umschlagen des Hebels k ein- und ausgerückt werden. In der gezeichneten Stellung drückt der Zapfen f durch sein Gleitstück l auf i und durch dieses Stück auf den Schlitten e. Zieht man i heraus, so berührt das Gleitstück l mit seiner untern Fläche nicht mehr den Schlitten e; folglich kann auch nicht gelocht werden, obwohl die Maschine im Gang ist. Die Welle p trägt Fest- und Losscheibe und das Schwungrad, und sie setzt die Maschine in Bewegung. Da solche Maschinen ganz die Wirkungsweise der Scheren besitzen, so pflegt man sie auch gewöhnlich mit Parallelscheren zu kombinieren und so einzurichten, daß der Antrieb in der Mitte des Ständers liegt und eine Seite des Ständers eine Lochmaschine, die andre eine Parallelschere bildet. Für das L. ist auch die hydraulische Presse in verschiedener Weise zur Anwendung gekommen. Man verwendet die Lochmaschinen oft dazu, von starken Platten Teile abzutrennen oder in denselben größere Löcher zu erzeugen, indem man Löcherreihen nach den Trennungslinien erzeugt. In letzter Zeit hat man Durchstoßmaschinen konstruiert, mit denen aus glühenden Eisenstäben auf einmal eine sechseckige Schraubenmutter mit einem runden Loch in der Mitte ausgedrückt werden kann. Zwei Druckstempel arbeiten in der Weise ineinander, daß der eine erst die Mutter und darauf der andre das runde Loch ausdrückt. Kleinere Maschinen dieser Art dienen zur Anfertigung von Kettengliedern u. dgl.

Lochener, Stephan, Maler der kölnischen Schule, der zwischen 1426 und 1451 zu Köln thätig war, in welch letzterm Jahr er als Mitglied des Rats, in den er von seiner Zunft gewählt worden war, starb. Ihm wird mit einiger Sicherheit das sogen. "Kölner Dombild", ein Triptychon mit der Anbetung der Könige in der Mitte, der heil. Ursula mit ihren Jungfrauen und dem heil. Gereon mit der thebaischen Legion auf den Flügeln, zugeschrieben. Es ist das Hauptwerk der altkölnischen Malerschule.

Löcherpilz, s. Polyporus.

Loches (spr. losch), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Indre-et-Loire, am linken Ufer der Indre, über welche mehrere Brücken nach dem gegenüberliegenden Flecken Beaulieu führen, und an der Eisenbahnlinie Tours-Châteauroux, enthält in ihrem ältesten Teil einen Komplex interessanter mittelalterlicher Gebäude, nämlich die Kollegiatkirche St.-Ours aus dem 10. und 12. Jahrh., den von Karl VII. und Ludwig XII. erbauten Königspalast mit dem Grabmal der Agnes Sorel und das alte Fort mit mehreren Türmen, welche als Staatsgefängnis benutzt wurden. Die Stadt hat (1886) 3567 Einw., welche Weinbau, Wollspinnerei, Leinwand- und Tuchfabrikation betreiben, und ein Collège.

Lochien (griech., Kindbettfluß, Wochenreinigung, Wochenbettfluß), eine nach der Ausstoßung des Embryos an der innern Oberfläche der Gebärmutter eintretende Absonderung von anfangs mehr blutiger, dann mehr schleimiger Flüssigkeit, die allmählich abnimmt und in der dritten oder vierten Woche nach der Geburt oder auch erst in späterer Zeit gänzlich verschwindet. Die L. begleiten die Regeneration der Uterusschleimhaut sowie die Verkleinerung der während der Schwangerschaft bedeutend verdickten Muskulatur der Gebärmutterwandung.

Loch Katrine, s. Katharinensee.

Lochkoralle, s. Korallen.

Lochleven, Schloß bei Kinroß in der schott. Grafschaft Fife, inmitten eines Sees gelegen, in welchem Maria Stuart vom 18. Juni 1567 bis 2. Mai 1568 gefangen gehalten wurde.

Lochmaben (spr. -mäben), Dorf in Dumfriesshire (Schottland), im Annanthal, 11 km nordöstlich von Dumfries, mit einem Schloß, in welchem König Bruce geboren wurde, einem Denkmal desselben Königs und (1881) 1216 Einw.

Lochmaschine, s. Lochen.

Lochos (griech.), im griech. Heerwesen eine größere Abteilung von Fußsoldaten, im spartanischen insbesondere die Unterabteilung der Mora (s. d.), an deren Spitze der Lochagos stand.

Lochstein (Schnurstein), Grenzstein eines Grubenfeldes auf der Erdoberfläche.

Lóchwitza, Kreisstadt im russ. Gouvernement Poltawa, an der Sula, mit 4 Vorstädten, 6 Kirchen, Ölfabriken, 5 Jahrmärkten und (1882) 9546 Einw. Im Kreis liegt der Flecken Woronky, bekannt durch die Verfertigung von Fischernetzen, welche einen bedeutenden Ausfuhrartikel bilden.

Loci communes (lat., "Gemeinplätze"), in der Theologie und im lateinisch-philosophischen Sprachgebrauch s. v. w. Grundbegriffe und selbstverständliche Wahrheiten. Den Titel L. c. gab Melanchthon 1521 seinem dogmatischen Hauptwerk, und indem sich an dieses die ältere lutherische Dogmatik anschloß, entstand der Begriff der loci theologici als der Hauptkapitel im System der Dogmatik (s. d.).

Lockbüsche, s. Vogelfang.

Locke (spr. lock), John, berühmter engl. Philosoph, geb. 29. Aug. 1632 zu Wrington bei Bristol, studierte seit 1651 in Oxford Medizin, klassische Litteratur und Cartesianische Philosophie, wurde 1665 Erzieher des nachmaligen philosophischen Schriftstellers Shaftesbury, fiel mit dessen Vater, seinem Gönner, dem Großkanzler Grafen Shaftesbury, bei Jakob II. in Ungnade, kehrte nach des letztern Entthronung nach England zurück und starb 28. Okt. 1704 zu Oates in Essexshire. Durch sein philosophisches Hauptwerk: "Essay concerning human understanding" (Lond. 1690; deutsch von v. Kirchmann, Leipz. 1872), gegen welches Leibniz seine "Nouveaux essais sur l'entendement humain" verfaßte, ist er der Gründer des psychologischen Empirismus und durch den in demselben enthaltenen Versuch einer Erkenntnistheorie der Vorläufer Kants, durch seine (freisinnigen) zwei Abhandlungen über die bürgerliche Regierung der Wortführer des politischen Liberalismus sowie durch seine Schrift über die Vernunftmäßigkeit des Christentums jener der religiösen Toleranz und endlich durch seine "Some thoughts concerning education" (Lond. 1693; deutsch von Sallwürk, Langens. 1883) der Vater der Rousseauschen und dadurch aller neuern Pädagogik geworden. Jenes Werk besteht aus zwei Teilen. Der erste betrachtet die Vorstellungen, deren Ursprung und die aus ihrer Entstehungsweise sich ergebenden verschiedenen Arten derselben; der zweite handelt von der Verbindung der Vorstellungen zur Form der Erkenntnis und sucht die Gewißheit, Realität und den Umfang des menschlichen Erkennens nebst den Grenzen zwischen dem zuverlässigen Wissen, dem Meinen und dem Glauben zu bestimmen. Gegen die Cartesianische Annahme, wonach dem menschlichen Geist gewisse Grundsätze und Begriffe ursprünglich innewohnen sollen, hebt L. hervor, daß unsre Vorstellungen, mithin die Materialien unsers Denkens, aus der Erfahrung stammen, welche als Sensation die äußern sinnenfälligen Objekte, als Reflexion die innern Thätigkeiten unsers Geistes erfasse. Indem er hinsichtlich der Reflexion oder Selbst-^[folgende Seite]