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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Logographie - Lohde.

die einzelnen Geschlechter und Völkerstämme betraf, schriftlich aufzeichneten. Sie schrieben, die bisher übliche gebundene Form der Rede verlassend, zuerst in Prosa. Kritik der überlieferten Angaben war ihnen aber noch fremd. Als die eigentliche Heimat der Logographie ist Ionien zu betrachten: Kadmos, Dionysios und Hekatäos waren aus Milet, Hellanikos aus Mytilene, Damastes aus Sigeion, Charon aus Lampsakos etc. Mit Akusilaos von Argos und Pherekydes von Leros zu Anfang des 5. Jahrh. v. Chr. wird die Reihe der L. gewöhnlich geschlossen. Ihre Bruchstücke wurden am vollständigsten von Müller in "Historicorum graecorum fragmenta" (Bd. 1, Par. 1841) gesammelt.

Logographie (griech.), s. Logographen.

Logogriph (griech., unrichtig Logogryph), Wort-, Buchstabenrätsel; s. Rätsel.

Logolatrie (griech.), übertriebene Verehrung des Wortes oder der Vernunft.

Logometer (griech.), Maßstab zur mechanischen Lösung trigonometrischer Aufgaben.

Logoneurose (griech.), Sprachstörung, deren Ursache im Zentralnervensystem liegt.

Logopathie (griech.), Sprachstörung, insbesondere eine solche, die auf gestörter Gedankenbildung beruht.

Logorrhöe (griech.), überstürzter Redefluß, wie er bei Geisteskranken, besonders Tobsüchtigen, vorkommt.

Lógos, ein griechisches Wort, das sich auf alle durch die Sprache dargestellten Äußerungen der Vernunft bezieht. Bald bedeutet es Wort, Sprache, Rede überhaupt; bald ungebundene Rede oder Prosa; bald Erzählung, Beschreibung und, vorzüglich in der Mehrzahl, Geschichte, daher unter Logioi Geschichtskundige, Gelehrte und Redner im Gegensatz zu den Dichtern, also Prosaisten überhaupt zu verstehen sind; bald bloße Worte im Gegensatz zur Wirklichkeit; bald Gedanke, Beweis, Grund, Rechenschaft, Rechnung, Proportion, Überlegung, Untersuchung, Lehrsatz, System, ja sogar Weisheit, Logik (s. d.) etc. In der griechischen Philosophie spielte der L. als immanente Weltvernunft eine große Rolle, namentlich bei den Stoikern; in der daran sich anlehnenden jüdisch-alexandrinischen Religionsphilosophie bezeichnete L. den von Ewigkeit her gedachten Weltgedanken Gottes, der bei der Schöpfung aus Gott herausgetreten sei, den sogen. Sohn Gottes, den Abglanz der göttlichen Vollkommenheit, das beim Schöpfungswerk beteiligte Mittelwesen zwischen Gott und Welt. Der Evangelist Johannes benutzte diese Idee vom L. zur Darstellung der metaphysischen Gottessohnschaft Christi und hat damit den Anstoß zur gesamten christlichen Dogmengeschichte (s. d.), insonderheit zur Christologie (s. d.) gegeben. Vgl. Duncker, Zur Geschichte der christlichen Logoslehre (Götting. 1848); M. Heinze, Die Lehre vom L. in der griechischen Philosophie (Oldenb. 1872).

Logothet (griech.), Rechnungsführer; bei den Byzantinern s. v. w. Kanzler des Reichs.

Logotrópus (griech.), eine Art bedingter Schlußform, z. B.: "Wenn Platon lebt, so holt er Atem; nun aber lebt er, also holt er auch Atem".

Logotypen (griech.), in Schriftmetall gegossene Wörter oder Teile von Wörtern, die man an Stelle der Lettern beim Satz von Zeitungen etc. zu verwenden gesucht hat. Nachdem schon früher durch H. Johnson, unterstützt durch Walter, den Begründer der Londoner Zeitung "Times", ohne Erfolg die Anwendung von L. im großen versucht worden, haben 1868 W. H. Wilkinson im Staat Massachusetts ein vereinfachtes, nur aus einzelnen vielfach vorkommenden Silben oder Wortteilen bestehendes System ersonnen, dem neuere Versuche einer Wiener Schriftgießerei, sodann des Schriftsetzers Weiß in Wien ("Summenglieder-System") folgten, ohne jedoch in die Praxis Aufnahme gefunden zu haben.

Logroño (spr. -gronnjo), span. Provinz in der Landschaft Altkastilien, grenzt im N. an die Provinzen Alava und Navarra, im O. ebenfalls an Navarra, im S. an Soria, im W. an Burgos und hat einen Flächenraum von 5041 qkm (91,5 QM.). Die Provinz wird im S. vom iberischen Gebirgssystem mit der Sierra de la Demanda (2305 m), Pico de Urbion (2252 m), Sierra Cebollera (2176 m) durchzogen. Das Zentrum füllen Ausläufer dieser Gebirge, darunter die Sierras de Camero nuevo und de Camero viejo. Den Norden bildet das zum Ebro abfallende fruchtbare Hügelland der Rioja und das Ebrothal selbst. Der Ebro bespült meist als Grenzfluß gegen N. die Provinz ihrer ganzen Ausdehnung nach. Nebenflüsse desselben sind: Oja mit Tiron, Najerilla, Tregua, Cidacos und Alhama mit Linares. Die Bevölkerung beträgt (1878) 174,425 Einw. (1884 auf 178,000 geschätzt), d. h. 34 pro QKilometer. Der Boden liefert Getreide, viel Wein (namentlich in der Rioja Ausfuhrartikel), Obst, Öl, Flachs, Hopfen, Vieh und Wolle, dann an mineralischen Produkten: Gips, Salz, silberhaltiges Blei und Eisen. Die Industrie ist in neuerer Zeit ziemlich lebhaft aufgeblüht; hervorragende Zweige derselben sind die Schafwollwarenfabrikation, die Thon- und Lederindustrie etc. Als wichtigstes Kommunikationsmittel zieht längs des Ebro die Eisenbahn Tudela-Bilbao. Die Provinz umfaßt neun Gerichtsbezirke (darunter Alfaro, Arnedo, Calahorra, Haro und Najera). - Die Hauptstadt L., am Ebro und an der Eisenbahn Tudela-Bilbao gelegen, hat mehrere Kirchen und Klöster, eine alte Ebrobrücke, ein Priesterseminar, ein artistisches und litterarisches Lyceum und (1878) 13,393 Einw., welche Schafwollindustrie und Fabrikation von Maschinen, Riemer- und Sattlerwaren betreiben. L. ist Sitz eines Gouverneurs.

Logrosan, Bezirksstadt in der span. Provinz Caceres, auf einer Anhöhe der Sierra de Guadalupe gelegen, mit (1878) 3620 Einw. In der Nähe mächtige Phosphoritlager.

Logsgasten (Loggäste), auf Kriegsschiffen die für das Loggeschäft bestimmten Mannschaften.

Lohaja, arab. Stadt, s. Loheia.

Lohbeete, ausgemauerte, etwa 1,25 m tiefe, mit frischer, an der Luft getrockneter Gerberlohe gefüllte Gruben, die in Treib- und Warmhäusern, in niedrigen Treib- und Sommerkasten (Lohkasten) angelegt werden, um Tropenpflanzen, tropische Gesäme (vorzüglich hartschalige) und Stecklinge, die für lange Zeit einer gleichmäßigen Bodenwärme bedürfen, aufzunehmen. Wenn das Lohbeet erkaltet, ist es hinreichend, dasselbe umzustechen, um die Wärme auf einige Zeit wiederherzustellen; später mischt man etwa ein Drittel frische Lohe zu der alten und mengt alles gut durcheinander. Neuerdings zieht man das Laub- und Mistbeet dem Lohbeet meist vor.

Lohblüte, s. Myxomyceten.

Lohde, Max, Maler, der letzte Schüler von Cornelius, geb. 13. Febr. 1845 zu Berlin, studierte unter Cornelius und bis 1866 an der Berliner Akademie. Eine Studienreise in Schlesien erweckte sein Interesse für einige aufgefundene Reste alter Sgraffitomalereien, und es gelang ihm, ein besonderes Verfahren in dieser Technik sich anzueignen. 1867 führte er in Sgraffito vier große Kompositionen aus dem troischen