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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lokomotive

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Lokomotive (Bewegungsstörungen, besondere Formen).

Aufgabe, eine geringe Anzahl Personenwagen möglichst schnell von der Stelle zu bringen (Geschwindigkeit = 60 bis 80 km pro Stunde); deshalb ist, da die Zugkraft nur gering zu sein braucht, nur ein Teil des Eigengewichts durch eine Treibachse für die Adhäsion ausgenutzt. Die Treibräder sind aber sehr groß (1,7-2 m Durchmesser). Wenn bei Schnellzuglokomotiven eine größere Zugkraft erfordert wird, so vergrößert man das Adhäsionsgewicht durch Ankuppelung einer zweiten Treibachse (s. die Tafel). - Die Personenzuglokomotive oder L. für gemischte Züge (Fig. 4) hat größere Lasten mit mäßiger Geschwindigkeit (50-60 km pro Stunde) zu ziehen. Sie erhält zwei gekuppelte Treibachsen, deren Räder 1,5-1,6 m Durchmesser haben. - Die Güterzug- oder Lastzuglokomotive (Fig. 5) hat die stärksten Lasten zu ziehen, dagegen nur eine geringe Geschwindigkeit (40 km und weniger pro Stunde) zu entwickeln und erhält deshalb verhältnismäßig kleine Räder von ca. 1,2 m Durchmesser bei mindestens zwei, häufig drei gekuppelten Treibachsen. - Die Tenderlokomotive (Fig. 6), meist zum Rangieren aus Bahnhöfen in Verwendung, hat gewöhnlich nur zwei Achsen, welche aber beide als Treibachsen dienen. Die Räder haben dieselbe Größe wie bei den Güterzuglokomotiven. Charakteristisch für diese Art der Lokomotiven sind die auf ihnen angebrachten Wasserkasten und Kohlenräume. - Als Repräsentant der Lokomotiven für Bahnen mit anormal starken Steigungen sei hier die L. der Rigibahn (Fig. 7) angeführt, eine Zahnradlokomotive, bei welcher das ganze Wagengestell wegen der starken Steigung schräg gebaut und der Kessel wegen ziemlich bedeutender Schwankungen der Steigung, durch welche ein gewöhnlicher liegender Lokomotivkessel bald an der Feuerbuchse, bald am vordern Ende der Heizrohre von Wasser entblößt worden wäre, als Vertikalkessel ausgeführt ist.

In der Natur des Bewegungsmechanismus der L. liegt es, daß dieselbe nicht mit einer vollständig gleichmäßigen Geschwindigkeit in der Schienenrichtung dahinläuft, vielmehr in ihrer Bewegung sogen. Störungen erleidet, welche mit der Fahrgeschwindigkeit zunehmen. Man unterscheidet dabei das Rucken, geringe Unterschiede in der Geschwindigkeit, hervorgerufen durch die infolge des Kurbelmechanismus nicht gleichmäßig auf die Treibräder übertragene Zugkraft; das Schlängeln oder Schlingern, d. h. das Hin- und Herdrehen der L. um eine durch den Schwerpunkt gehende vertikale Achse, welches durch die Ungleichförmigkeit der in der gleichen Zeit zu beiden Seiten wirkenden Kräfte bewirkt wird; das Schwanken, eine oszillatorische Bewegung der L. um eine horizontale Längsachse, welche auf abwechselnd durch die Schrägstellung der Bleuelstangen erzeugten vertikalen Kräften beruht; das Stampfen (Nicken, Galoppieren), Schwingungen um eine horizontale Querachse, welche in der fortwährenden Größenveränderung jener Vertikalkräfte, verbunden mit der Längenverschiebung des Angriffspunkts derselben, ihren Grund haben. Diese Störungen würden durch den Einfluß der bewegten Massen des Kolbens, der Kolben-, Bleuel- und Kuppelstangen sowie der Kurbeln noch bedeutend verstärkt werden, wenn man nicht an den Treibrädern entsprechende Gegengewichte anbrächte.

Besondere Formen.

Mehrfach werden jetzt für den Lokalverkehr auf Eisenbahnen besondere kleine Lokomotiven von geringer Geschwindigkeit verwendet, welche in ihrer Verbindung mit dem einzigen zu befördernden Eisenbahnwagen als Dampfwagen (seltener als Dampfomnibus) bezeichnet werden. Sie ermöglichen die für den Lokalverkehr so erwünschte Häufigkeit der

^[Abb.: Fig. 3. Schnellzuglokomotive. Fig. 4. Lokomotive für gemischte Züge. Fig. 5. Güterzuglokomotive Fig. 6. Tenderlokomotive. Fig. 7. Zahnradlokomotive.]