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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lolli - Lombardo.

wurden die L. von der Geistlichkeit mit den Begharden (s. Beghinen) zusammengeworfen, und der Name ward gleichbedeutend mit Ketzer. In diesem Sinn hießen namentlich in England die Wiclefiten so.

Lolli, Giambattista, berühmter Schachspieler, gebürtig aus Modena, schrieb ein klassisches Werk über das Schachspiel (Bologna 1763), welches von W. Heinse in dem Roman "Anastasia und das Schachspiel" (Frankf. a. M. 1803) exzerpiert wurde.

Lom, zwei Nebenflüsse der Donau in Bulgarien. Der eine entsteht aus der Vereinigung des Weißen (Ak-) und Schwarzen (Kara-) L., die am äußersten Nordabhang des Balkans entspringen, und mündet bei Rustschuk; der andre, westlichere (der Almus der Alten) entspringt am Sveti-Nikolabalkan und mündet bei Lom-Palanka unterhalb Widdin. Die Linie des L. spielte in den Kämpfen zwischen Russen und Türken 1877 eine bedeutende Rolle, indem die Armee des Großfürsten-Thronfolgers sie im Juli überschritt, Ende August zwar auf das linke Ufer zurückgetrieben wurde, dies aber gegen alle Angriffe der Türken unter Mehemed Ali (September) und Suleiman (Dezember) behauptete.

Lom (L.-Palanka), Hauptstadt eines Kreises in Bulgarien, an der Mündung des Flusses L. in die Donau, Dampfschiffstation, Hauptein- und Ausfuhrplatz für das nordwestliche Bulgarien, mit einem festen Schloß und (1881) 6959 Einw.

Lomami, großer linker Nebenfluß des Congo (s. d.).

Lombard, Leihhaus, Pfandhaus; Lombardgeschäft, das Darlehnsgeschäft gegen Faustpfand, insbesondere das von Banken gegen Verpfändung von Warenvorräten, Edelmetallen und Wertpapieren betriebene Darlehnsgeschäft, welches nur kurze Termine mit jeweiligen Prolongationsbewilligungen gestattet, im Interesse der Sicherheit leicht verkäufliche Pfänder verlangt, welche nur bis zu einem gewissen Prozentsatz ihres Wertes beliehen werden dürfen, und für die bei eintretender Preiserniedrigung Nachlieferung verlangt wird. In der Bestimmung dieses Satzes und des Darlehnszinsfußes hat die Lombardbank (Leihbank) ein Mittel in der Hand, ihre Lombardgeschäfte auszudehnen oder zu beschränken (vgl. Banken, S. 329). Lombardbestände, die bei solchen Anstalten hinterlegten Pfänder; Lombardscheine, die von den Leihanstalten ausgestellten Scheine als Eigentumsbeweis für den Verpfänder; Lombardzinsfuß, der für ein Lombarddarlehen bewilligte Zinsfuß; lombardieren, verpfänden oder auch Lombardgeschäfte betreiben. Lombarden werden auch die Aktien der Österreichischen Südbahn genannt. Der Name L. wird darauf zurückgeführt, daß im Mittelalter die Lombardgeschäfte meist von lombardischen Geldwechslern betrieben wurden.

Lombardei (Lombardie), eine Landschaft des Königreichs Italien, im N. von der Schweiz (Kantone Tessin und Graubünden), im NO. von Österreich (Tirol), im O. von der italienischen Landschaft Venetien, im S. von der Emilia und Ligurien, im W. von Piemont begrenzt, umfaßt die Provinzen Bergamo, Brescia, Como, Cremona, Mantua, Mailand, Pavia und Sondrio, mit einem Gesamtareal von 23,507 qkm (nach Strelbitsky 24,205 qkm oder 439,6 QM.) und (1881) 3,680,615 Einw. (Näheres s. unter den einzelnen Provinzen und Italien).

Geschichte. Das Land, welches seit dem Mittelalter mit dem Namen L. bezeichnet wird, bewohnten in der ältesten Zeit Etrusker; zu Ende des 5. Jahrh. vor unsrer Zeitrechnung wanderten Kelten ein. Die Römer eroberten es 222 und besaßen es als Teil der Gallia cisalpina bis zum Sturz des weströmischen Reichs. Von diesen kam es zuerst unter die Herrschaft Odoakers (476-493 n. Chr.), dann der Ostgoten (493-553), hierauf der griechischen Kaiser (553-568) und endlich der Langobarden (568-774), von denen es den Namen erhielt, bis es von Karl d. Gr. seinem Reich einverleibt ward. Seit 843 entstand ein eignes Königreich Italien, aus dem sich aber bald eine große Zahl selbständiger Stadtrepubliken herausbildete, als: Mailand, Genua, Pisa, Mantua, Venedig, Friaul, Ferrara etc. Die L. war seit Otto I. (951) durch Lehnsverband an Deutschland geknüpft, suchte aber im Mittelalter in den heftigsten Kämpfen mit den römisch-deutschen Kaisern Unabhängigkeit zu erringen, meist freilich vergeblich. Durch ausgebreiteten Handel erwarben die Städte der L. Reichtum und Macht, waren aber lange ein Spielball in den Händen der Ghibellinen und Guelfen, bis sie eine Beute einheimischer Dynastengeschlechter wurden (s. Mailand). Als Österreich die Herzogtümer Mailand und Mantua erworben, nannte man diese Provinzen die "österreichische L." und gab auch später nur diesen Gebieten den Namen L. Napoleon I. bildete aus diesen und andern Ländern die Cisalpinische, dann die Italienische Republik und 1805 das Königreich Italien. Durch den Pariser Frieden 1814 und die Wiener Kongreßakte von 1815 erhielt Österreich nicht nur seine alten lombardischen Besitzungen zurück, sondern auch das oberitalienische Gebiet der ehemaligen Republik Venedig, welche Länder es als Lombardisch-Venezianisches Königreich in Besitz nahm. Im März (17.-21.) 1848 brach in Mailand die Revolution aus. In wenigen Tagen war die ganze L. frei von den Österreichern. Allein nach Besiegung Karl Alberts rückte Radetzky 9. Aug. d. J. triumphierend in Mailand wieder ein, und 26. Aug. 1849 war das ganze Lombardisch-Venezianische Königreich wieder unter österreichischer Herrschaft. Im Frühjahr 1859 brach der österreichisch-sardinisch-französische Krieg aus; die Schlachten von Magenta und Solferino waren für Italien entscheidend: Österreich trat im Frieden von Villafranca die L. bis an den obern Mincio an Frankreich, dieses trat sie an Sardinien ab; Mantua wurde zu Venetien geschlagen, eine Linie von Peschiera nach der Ogliomündung bildete die Grenze. Den Rest der L. sowie Venetien bis nahe an den Isonzo erwarb das mit Preußen verbündete Königreich Italien im Frieden zu Wien (3. Okt. 1866), nachdem die Zession seitens Österreichs wiederum zunächst an Napoleon III. erfolgt war. Die L., als Bestandteil des Königreichs Italien, ist gegenwärtig eingeteilt in die Provinzen Bergamo, Brescia, Como, Cremona, Mailand, Mantua, Pavia, Sondrio. Vgl. Handloike, Die lombardischen Städte unter der Herrschaft der Bischöfe (Berl. 1883); Formentini, La dominazione spagnuola in Lombardia (Mail. 1881).

Lombardgeschäft, s. Lombard.

Lombardischer Aussatz, s. Pellagra.

Lombardisch-Venezianisches Königreich, s. Lombardei.

Lombardo, ital. Architekten- und Bildhauerfamilie des 15. und 16. Jahrh., von deren Mitgliedern folgende die namhaftesten sind:

1) Pietro, errichtete das Grabmal des Dogen P. Mocenigo in San Giovanni e Paolo zu Venedig, die Altäre San Jacopo und San Paolo in San Marco daselbst und erbaute den eleganten Palazzo Vendramin-Calergi (1481, sein Hauptwerk) im Stil der edelsten Frührenaissance und die Kirche Santa