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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lonicēra; Lonicerēen; Lonīgo; Löningen; Lonnecker; Lönnrot; Lons le Saunier; Löntsch; Lónyay

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Lonicera - Lónyay.

reiche Eisenminen in der Umgebung, Eisen- und Kupferhütten, Fabriken von Goldarbeiter- und Juwelierwaren, Uhrenbestandteilen, Fayence, Spitzen etc. unterhalten. - L., früher der Hauptort einer Grafschaft, dann zu Lothringen gehörig, fiel 1678 im Nimwegener Frieden an Frankreich, ward 23. Aug. 1792 durch Kapitulation von den Preußen eingenommen, aber schon 23. Okt. wieder geräumt. Am 11. Sept. 1815 erzwangen die Preußen abermals die Kapitulation des Platzes. Im Krieg 1870/71 ward L. in den letzten Tagen des Novembers 1870 zerniert und vom 16. Jan. 1871 an beschossen. Durch ihre hohe Lage und starke Felsenbefestigung begünstigt, hielt die Festung das Bombardement bis 25. Jan. aus; dann aber erfolgte die Kapitulation, welche 200 Geschütze und eine Besatzung von 4000 Mann in deutsche Hände lieferte. Vgl. Bégin, Essai de l'histoire de L. (Par. 1829); Wolf, Die Belagerung von L. (Berl. 1875).

Lonicēra L. (Lonicere), Gattung aus der Familie der Kaprifoliaceen, aufrechte oder windende Sträucher mit gestielten, sitzenden oder in den Paaren am Grund verwachsenen, meist ganzrandigen Blättern, in gestielten, achselständigen Köpfchen oder Trugdolden stehenden Blüten und drei-, selten einfächerigen Beeren. Etwa 80 Arten, meist in den gemäßigten und wärmern Klimaten der nördlichen Erdhälfte. L. Periclymenum L. (nördliches Geißblatt, Geißrebe, deutscher Jelängerjelieber), ein Schlingstrauch in Mittel- u. Südeuropa, dem Kaukasus und Nordafrika, mit abfallenden Blättern, überall voneinander getrennten Blattpaaren, dicht gedrängt aufeinander folgenden, wohlriechenden Blütenquirlen, meist außen roten, innen gelben Blüten und roten Beeren, ist in Blattform und Blütenfarbe sehr veränderlich und wird in Gärten zu Lauben etc. benutzt. L. Caprifolium L. (südliches Geißblatt), in Italien, Österreich, der Türkei und dem Kaukasus, mit abfallenden, auf der Unterseite meist blaugrünen Blättern, deren obere Paare zusammengewachsen sind, sitzenden Blütenquirlen im Winkel der obersten Blattpaare, sehr wohlriechenden, in der Farbe mit der Zeit wechselnden, 5 cm langen Blüten und roten Beeren, bildet 5 m lange und sich leicht verästelnde Stengel, welche Lauben etc. schnell bedecken. L. Xylosteum L. (Hecken-, Ahl-, Hundskirsche, Bein-, Knochenholz, Seelenholz), in Europa, im Orient und in Sibirien, ist ein 1,25-2,5 m hoher Strauch mit eirundlichen, behaarten, besonders auf der Unterfläche graugrünen Blättern, weißen, später sich gelb färbenden Blüten und roten Beeren. Er wird als Zierstrauch kultiviert. Das sehr harte Holz wird als Werkholz benutzt. Einer unsrer schönsten Blütensträucher ist L. tatarica L., aus Sibirien, der Tatarei und dem südöstlichen Rußland, ein 2,5-3 m hoher, kräftiger, buschiger Strauch mit unbehaarten, hellgrünen Blättern, schönen roten Blüten und roten Beeren. Er wird in mehreren Varietäten kultiviert.

Lonicerēen (Lonicereae), s. Kaprifoliaceen.

Lonīgo, Distriktshauptstadt in der ital. Provinz Vicenza, an der Gua, Station der Eisenbahn von Verona nach Venedig, hat zwei mittelalterliche Türme, 5 Kirchen, ein Theater, mehrere schöne Paläste, Getreide- und Weinbau und (1881) 4054 Einw.

Löningen, Flecken im Großherzogtum Oldenburg, an der Alten Hase, hat eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Lohgerberei, Schäftefabrikation und (1885) 1396 Einw.

Lonnecker, Dorf, s. Enschede.

Lönnrot, Elias, finn. Sprachforscher und Sammler von Volksgesängen, geb. 9. April 1802 zu Sammatti in Nyland, widmete sich zuerst medizinischen Studien und wurde 1833 Kreisphysikus in Kajana, nach dem Tod Castréns aber 1853 als Professor der finnischen Sprache an die Universität Helsingfors berufen, von welcher Stellung er 1862 zurücktrat. Von früher Jugend an hatte L. seine Aufmerksamkeit auf die durch mündliche Tradition fortgepflanzten finnischen Volksdichtungen gewandt und als Sammler dieser für die Sprachforschung wichtigen Gesänge mehrere Jahre hindurch Wanderungen durch ganz Finnland sowie in den angrenzenden Teilen von Lappland, Rußland und den Ostseeprovinzen unternommen. Die erste Frucht dieser Forschungen war eine Sammlung älterer und neuerer finnischer Volksgesänge: "Kantele" (1829-31, 4 Hefte), worauf 1835 das große epische Gedicht "Kalewala" (s. d.) folgte. Die lyrischen Volksdichtungen gab er unter dem Titel: "Kanteletar" 1840 heraus, ebenso eine Sammlung von Sprichwörtern ("Sanalaskuja", Helsingf. 1842) und Rätseln ("Arwoituksia", das. 1844, 2. stark vermehrte Aufl. 1861). Auch durch andre Arbeiten hat L. mächtig zur Ausbildung einer gemeinsamen, die verschiedenen Volksdialekte umfassenden finnischen Schriftsprache beigetragen. Sein letztes Werk war das große "Finnisch-schwedische Wörterbuch" (Helsingf. 1866-80, 2 Bde.). L. war auch 1831 einer von den Stiftern der Finnischen Litteraturgesellschaft in Helsingfors. Er starb 19. März 1884 in seinem Geburtsort. Vgl. Ahlqvist, Elias L. (Helsingfors 1885).

Lons le Saunier (spr. long lö ssōnjē), Hauptstadt des franz. Departements Jura, an der Vallière und der Eisenbahn Vesoul-Lyon, hat (1886) 10,010 (als Gemeinde 12,290) Einw., welche geschätzte Melonen, weiße Schaumweine, optische Instrumente und Bürsten etc. produzieren und Handel mit Vieh, Getreide, Holz, Käse und Siebwaren betreiben. L. ist Sitz eines Gerichts- und Assisenhofs, eines Handelsgerichts und besitzt ein Lyceum, Lehrer- und Lehrerinnenbildungsinstitut, eine Bibliothek von 25,000 Bänden und ein Museum. L. verdankt seinen Ursprung (im 4. Jahrh.) den reichlichen Salzquellen, welche zur Salzerzeugung und als Heilquellen benutzt werden. Am Hauptplatz erhebt sich das Denkmal des in der Nähe von L. gebornen Generals Lecourbe.

Löntsch, Fluß, s. Klön.

Lónyay (spr. lonjai), Meinhard (Menghért) L., Graf von Nagy-Lónya, ungar. Staatsmann, geb. 6. Jan. 1822 aus einer protestant. Adelsfamilie, studierte in Pest die Rechte, war seit 1843 Mitglied des Landtags, wo er zur Opposition gehörte, aber Kossuths Schutzzollsystem bekämpfte, und bekleidete 1848 im zweiten ungarischen Ministerium die Stelle eines Unterstaatssekretärs im Finanzministerium. Nach Niederwerfung des Aufstandes 1849 ward er flüchtig, kehrte aber infolge einer Spezialamnestie 1850 nach Ungarn zurück. Hier förderte er die Theißregulierung, organisierte die landwirtschaftlichen Provinzialvereine und war bei Gründung der Kreditinstitute Ungarns eifrig beteiligt; auch für die durch das Patent von 1859 gefährdete Autonomie der protestantischen Kirche trat er energisch in die Schranken. In dem konstitutionellen transleithanischen Ministerium Andrássy vom 17. Febr. 1867 ward er zum Finanzminister, 1870 zum Reichsfinanzminister, im November 1871 zum ungarischen Ministerpräsidenten ernannt, nachdem er im August d. J. in den Grafenstand erhoben worden war. Trotz seiner Gewandtheit als Politiker behauptete er sich aber nicht lange in seiner Stellung, da er dieselbe bei den Staatsanleihen und -Käufen