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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lotto - Loudun.

hochberühmt und werden mit Recht zu den hervorragendsten Werken italienischer Kirchenmusik gezählt. Der Stil derselben ist ein echt kirchlicher, und wenn auch die im Lauf des 17. Jahrh. ausgebildete dramatische Musik nicht ohne Einfluß auf L. geblieben ist, so darf er doch für die Zeit der Nachblüte der ein Jahrhundert zuvor mit G. Gabrieli auf ihren Höhepunkt gelangten venezianischen Kirchenmusik als deren würdigster Vertreter gelten.

Lotto (ital.), s. v. w. Zahlenlotterie (s. Lotterie). Dann ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Jeder Teilnehmer erhält 1-3 Nummerkarten, welche 3 Reihen in der Höhe und 9 in der Breite haben. Auf jeder Breitenreihe befinden sich 5 Zahlen aus der Folge von 1-90, 4 Felder bleiben leer. Einer stehen in der ersten, Zehner in der zweiten, Zwanziger in der dritten Vertikalreihe u. s. f. Die Zahl der Spielteilnehmer ist unbeschränkt, da es der Kombinationen von 5 Zahlen aus 1-90 eine sehr große Menge gibt und demnach außerordentlich viel Karten ausgegeben werden können. Hat jeder seine Karten bekommen und seinen Einsatz geleistet, so zieht ein Ausrufer Täfelchen aus einem Beutel, die auch die Ziffern von 1-90 tragen, und sagt sie an. Jeder, der eine angesagte Zahl auf seiner Karte hat, bedeckt diese Zahl, und wer zuerst eine Quinterne (Breitenreihe) besetzt hat, gewinnt.

Lottum, Graf, s. Wylich und Lottum.

Lotus L. (Schotenklee, Hornklee), Gattung aus der Familie der Papilionaceen, Kräuter oder Halbsträucher mit fünfzählig gefiederten Blättern, mittelgroßen, in axillaren Dolden stehenden Blüten und oft gefächerter Hülse. Etwa 100 Arten in fast allen Teilen der gemäßigten Zonen; mehrere dienen als Futtergewächse oder Zierpflanzen, so besonders L. corniculatus L. (Lotusklee, gelber Honigklee), eine ausdauernde Pflanze mit aufsteigendem, ästigem Stengel und goldgelben, rot überlaufenen Blüten, findet sich fast durch ganz Europa, variiert mannigfaltig in der Gestalt der Blättchen und in der Behaarung und ist ein gutes Viehfutter. Keine andre Leguminose besetzt ein so ausgedehntes Terrain; dabei verträgt der Hornklee rauhe und milde Lage gleich gut, läßt sich grün und getrocknet benutzen und bringt eine schöne, dauernde Weide hervor. Besonders empfehlenswert ist der Anbau im Gemenge mit Gräsern auf trocknen Äckern. Kraut und Blumen waren sonst offizinell und wurden wie das Melilotenkraut angewendet. Die Hülsen von L. edulis L., Sommergewächs in Südeuropa, schmecken süß und werden auf Kreta roh gegessen. L. jacobaeus L. (schwarzer Schotenklee, Jakobsklee), ausdauernd, ist eine niedliche Zierpflanze mit dunkelbraunen, auch braun und goldgelben Blüten.

Lotus, libyscher, s. Celtis.

Lotusbaum, s. Zizyphus.

Lotusblume, s. Lotos.

Lotuspflaume, s. Diospyros.

Lötwasser, s. Lot.

Lotz, Karl, ungar. Maler, geb. 1833 in Hessen-Homburg, kam als Kind mit seinen Eltern nach Ungarn und erlangte seine Ausbildung durch Rahl in Wien, der L.' Mitwirkung bei der Ausschmückung der griechischen Kirche, bei den Arsenalfresken und den Bildern am Heinrichshof sowie bei Ausführung seiner sonstigen Kartons in Anspruch nahm. In Pest dekorierte er mehrere Privatpaläste und führte mit M. Than eine Reihe von Fresken nach Motiven aus ungarischen Volksmärchen im Treppenhaus des Redoutensaals aus. Allein malte er den Freskenfries aus der Kulturgeschichte Ungarns (Attilas Auszug bis zur Bekehrung der Magyaren zum Christentum) im Treppenhaus des Nationalmuseums zu Pest. L. ist Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Lotze, Rudolf Hermann, Philosoph und Physiolog, geb. 21. Mai 1817 zu Bautzen, studierte in Leipzig Philosophie und Medizin, seit 1842 außerordentlicher Professor der Philosophie daselbst, seit 1844 ordentlicher Professor derselben zu Göttingen, seit 1881 zu Berlin, wo er kurz nach seiner Übersiedelung 1. Juli 1881 starb. Als Philosoph hat L. von Herbart und Weiße Anregungen erfahren, sich aber (wie er selbst sagt) am meisten von Leibniz angezogen gefühlt. Als Physiolog ist er als energischer Bekämpfer der "Lebenskraft" und als Verteidiger des Mechanismus aufgetreten. Seinen wissenschaftlichen Standpunkt hat L. als teleologischen Idealismus bezeichnet, indem die Metaphysik ihren Anfang nicht in sich selbst, sondern vielmehr in der Ethik habe. Seine Schriften sind: "Metaphysik" (Leipz. 1841); "Allgemeine Pathologie und Therapie als mechanische Naturwissenschaften" (das. 1842, 2. Aufl. 1848); "Logik" (das. 1843); "Über den Begriff der Schönheit" (Götting. 1846); "Über die Bedingungen der Kunstschönheit" (das. 1848); "Allgemeine Physiologie des körperlichen Lebens" (Leipz. 1851); "Medizinische Psychologie oder Physiologie der Seele" (das. 1852); "Mikrokosmos. Ideen zur Naturgeschichte und Geschichte der Menschheit" (das. 1856-64, 3 Bde.; 4. Aufl. 1885), sein Hauptwerk, in dem er seine ganze Weltanschauung niedergelegt und ein würdiges Seitenstück zu Herders "Ideen" geliefert hat; ferner "Geschichte der Ästhetik in Deutschland" (Münch. 1868) und "System der Philosophie" (Bd. 1: "Logik", Leipz. 1874, 2. Aufl. 1880; Bd. 2: "Metaphysik.", 1879, 2. Aufl. 1884). Nach seinem Tod erschienen Diktate aus seinen Vorlesungen in 8 Heften (Leipz. 1882-84) und "Kleine Schriften" (das. 1885-86, 2 Bde.). Über sein Verhältnis zu Herbart, Weiße und Leibniz hat er sich ausgesprochen in seinen "Streitschriften" (1. Heft, Leipz. 1857) gegen I. H. ^[Immanuel Hermann] Fichte. Seine Werke zeichnen sich sämtlich durch vornehme Haltung und geschmackvolle, nicht immer ungesuchte Darstellung aus. Vgl. Pfleiderer, Lotzes philosophische Weltanschauung (2. Aufl., Berl. 1882); Caspari, Hermann L. und seine Stellung in der Geschichte der Philosophie (Bresl. 1883); Koegel, Lotzes Ästhetik (Götting. 1886).

Lötzen, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, am Löwentinsee, am Lötzener Kanal und an der Linie Pillau-Prostken der Ostpreußischen Südbahn, 120 m ü. M., hat ein Schloß, ein Progymnasium, eine Präparandenanstalt, ein Amtsgericht, Dampfschneide- und Mahlmühlen, Maschinen- und Seifenfabrikation, eine Lehrschmiede, Fischerei, Getreide- und Holzhandel, Dampfschiffahrt und (1885) 5117 meist evang. Einwohner. Westlich die Festung Boyen (s. d.)

Loud., bei botan. Namen Abkürzung für J. C. ^[John Claudius] Loudon, geb. 1783 bei Edinburg, gest. 1843 als Gärtner und Schriftsteller in Bayswater bei London. "Arboretum et fruticetum britannicum" (1838).

Loudéac (spr. ludeáck), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Côtes du Nord, an der Eisenbahn von St.-Brieuc nach Pontivy, hat Fabrikation von Leinwand, bedeutenden Handel mit Äpfeln zur Ciderbereitung und (1886) 2165 Einw.

Loudon (spr. lau-), österreich. General, s. Laudon.

Loudun (spr. ludong), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Vienne, Kreuzungspunkt der