Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Louisiana (Staat).

und Eis keineswegs selten. L. hat ein Areal von 123,435 qkm (2241,7 QM.) mit (1870) 726,915, (1880) 939,946 Einw., inkl. von 483,655 Farbigen. Ein wichtiges Element der Bevölkerung bilden die Nachkommen der französischen Kreolen, das indes durch stets frischen Zuwachs aus dem Norden und dem Ausland immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Die öffentlichen Schulen wurden 1885 von 89,441 Kindern besucht, und fast 79 Proz. der über zehn Jahre alten Schwarzen sind des Schreibens unkundig. An höhern Lehranstalten sind zu erwähnen zwei Staatsuniversitäten (die eine für Farbige) und 8 Colleges. Die landwirtschaftlichen Verhältnisse sind durch die Befreiung der Sklaven vollständig revolutioniert worden, und der Wert des liegenden und persönlichen Eigentums ist 1860-80 von 435 Mill. Doll. auf 160 Mill. Doll. gefallen. Die ehemaligen Plantagenbesitzer sind verarmt, und viele von ihnen haben den Staat verlassen; an Stelle der Sklavenarbeit ist die Bewirtschaftung durch freie farbige Arbeiter getreten, welchen anstatt der Löhnung häufig ein Ernteanteil überlassen wird; kaum 9 Proz. der Oberfläche sind angebaut. 1880 schätzte man den Wert sämtlicher landwirtschaftlicher Produkte auf 43 Mill. Doll. Die wichtigsten Bodenerzeugnisse sind Baumwolle (1860: 722,218 Ballen, 1880: 508,569 Ballen) und Zucker (1861: 459,000 Faß, 1885 nur 231,290 Faß). Außerdem werden gebaut: Mais, Reis, Buchweizen, Bataten, etwas Tabak, Wein etc. Auch Orangen, Zitronen und andre tropische Früchte gedeihen; der Maulbeerbaum ist einheimisch. Die ausgedehnten Waldungen liefern viel Holz, namentlich Cypressen, Eichen und Fichten. An Vieh zählte man 1880: 104,000 Pferde, 77,000 Esel und Maultiere, 470,000 Rinder, 136,000 Schafe, 633,000 Schweine. Allerlei Arten Wild (auch Vögel, besonders wilde Truthühner, Pelikane etc.) finden sich im Überfluß in den Prärien und Wäldern, und der Mississippi und seine Arme und Nebenflüsse sind sehr reich an Fischen. Die industrielle Thätigkeit des Staats ist noch wenig ausgebildet. Die meisten Gewerke (1880 gab es 1553 Anstalten mit 12,167 Arbeitern) arbeiten für den Lokalbedarf. Erwähnung verdienen höchstens 12 Baumwollölmühlen (1446 Arb.), 55 Tabaks- und Zigarrenfabriken (1169 Arb.), 174 Sägemühlen, 31 Gießereien und 4 Zuckersiedereien. Der Versuch, die Baumwollweberei heimisch zu machen, hat noch keine nennenswerten Erfolge gehabt. Dagegen ist der Handel ein ungemein lebhafter, denn vermittelst des Mississippi und seiner großen Nebenflüsse steht New Orleans (s. d.) mit dem größten Teil der Vereinigten Staaten in direkter Flußverbindung und dient ihnen als Ein- und Ausfuhrhafen. Der Staat besaß 1886: 598 Schiffe von 69,952 Ton. Gehalt. Eisenbahnen (1886: 3250 km) vermitteln den Verkehr mit dem Innern. Die jetzige Verfassung wurde im Dezember 1879 eingeführt. Jeder männliche Bürger (einschließlich der Schwarzen) hat das Stimmrecht, wenn er 21 Jahre alt ist, ein Jahr im Staat und mindestens 1 Monat in seinem Wahlkreis gewohnt hat. Gouverneur und die obersten Beamten werden auf 4 Jahre vom Volke gewählt. Die gesetzgebende Gewalt ruht in den Händen eines Senats (36 Mitglieder) und eines Repräsentantenhauses (101 Mitglieder). Die Mitglieder werden auf 4 Jahre gewählt. Die 5 Richter des Supreme Court werden vom Gouverneur mit Zustimmung des Senats auf je 12 Jahre ernannt, alle andern Richter aber vom Volke gewählt. Die Staatsschuld von L. belief sich 1860 auf 10 Mill. Doll., 1873 war sie auf 40 Mill. Doll. angewachsen (einschließlich des ausgegebenen Papiergeldes), und außerdem war der Stadt New Orleans eine Schuldenlast von 22½ Mill. Doll. aufgebürdet worden. Die neue Verfassung aber "regulierte" diese Schuldenlast, so daß sie sich 1886 auf nur 15 Mill. Doll. belief. L. ist in 56 Kirchspiele eingeteilt. Hauptstadt ist New Orleans (früher Baton Rouge).

Geschichte. L. wurde zuerst entdeckt durch den Spanier Fernando de Soto, die erste Kolonie 1682 durch den Franzosen Le Salle angelegt und nach Ludwig XIV. L. genannt. Diese gedieh aber sowenig wie neue Ansiedelungen von Yberville (1698) und Crozat (1712). Die Stadt New Orleans wurde 1717 gegründet, und um diese Zeit begann auch die Kolonie, welche der Mississippi-Kompanie überlassen worden war und 1717-20 Law zu seinen berüchtigten Spekulationen gedient hatte, von einiger Bedeutung zu werden. Nach Laws Sturz wurde L. der französischen Indischen Kompanie geschenkt. 1763 traten die Franzosen L. östlich vom Mississippi an England, das westliche an Spanien ab. Dieser letztere Teil fiel 1800 durch den Vertrag von San Ildefonso an Frankreich zurück; aber die französische Regierung, fürchtend, L. könne ihr durch die stärkere Seemacht Englands genommen werden, verkaufte es 1803 an die Vereinigten Staaten um 15 Mill. Doll. Zur Zeit dieser Übergabe waren die Bewohner von L. meist Franzosen oder Abkömmlinge von Franzosen; die ganze Bevölkerung betrug damals nicht über 90,000 Köpfe, wovon 40,000 Sklaven waren. L. umfaßte damals außer dem Gebiet des jetzigen Staats die ganze Ländermasse zwischen dem Mississippi und den Rocky Mountains, mit Ausnahme der von den Spaniern besetzten Gebiete. Ein Kongreßbeschluß teilte dasselbe 1804 in zwei Teile: das Territorium Orleans, das den heutigen Staat L. einschloß, und das Territorium L., alles nördlich und westlich davon gelegene Land. Nachdem dann 1811 der Kongreß die Bevölkerung des erstgenannten Territoriums autorisiert hatte, sich eine Staatsverfassung zu geben, wurde dasselbe 8. April 1812 unter dem Namen L. als Staat in die Union aufgenommen. Im Krieg mit England, das 1814 einen Einfall in L. machte, stand L. fest zur Union und wurde im Januar 1815 durch Jackson mit Erfolg verteidigt. Am 26. Jan. 1861 trat L. aus dem nordamerikanischen Staatenbund aus; doch bereits im folgenden Jahr fiel New Orleans in die Hände des Unionsadmirals Farragut, im Juli 1863 übergab sich Vicksburg und bald darauf Port Hudson. 1865 erkannte der Präsident eine neugebildete provisorische Regierung an; der Kongreß aber setzte eine militärische Verwaltung ein, und erst 1868 wurde L. abermals als Staat in die Union aufgenommen und seitdem von der republikanischen Partei unter dem allmächtigen Präsidenten Kellog, welcher sich auf die Neger und die Autorität und Waffengewalt der Bundesregierung stützte, und dem zahlreiche Abenteurer aus dem Norden (Carpet-baggers) nachzogen, in willkürlichster Weise regiert und schamlos ausgesogen. Die demokratisch gesinnten Weißen wurden rücksichtslos unterdrückt und durch Fälschung der Wahlen ihrer politischen Rechte beraubt. Als sie sich endlich, durch Ungerechtigkeiten und Vergewaltigungen zum Äußersten getrieben, bei den Neuwahlen im November 1876 ermannten, wurden der von ihnen gewählte Gouverneur und ihre Legislatur von der Regierung für unrechtmäßig erklärt und republikanische Behörden ihnen im Januar 1877 gegenübergestellt. Als aber der neue Präsident, Hayes, im April die Bundestruppen zurück-^[folgende Seite]