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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lübke; Lübker; Lublau; Lublin

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Lübke - Lublin.

deutschen Stadtrechte des Mittelalters, welches nächst dem Magdeburger am weitesten verbreitet war und in den Hansestädten Geltung hatte. Die frühsten bekannten Urkunden des lübischen Rechts, in lateinischer Sprache, reichen nicht über den Anfang des 13. Jahrh. (1227) zurück. Ihnen folgten mit Beginn der 60er Jahre zahlreiche deutsche Rezensionen, die sich bis an das Ende des Mittelalters fortsetzen. Die seit Hachs Ausgabe ("Das alte lübische Recht", Lüb. 1839) herrschende Anschauung über die Genealogie der lübischen Rechtshandschriften ist durch F. Frensdorffs Forschungen ("Das lübische Recht nach seinen ältesten Formen", Leipz. 1872, und "Hansische Geschichtsblätter", 1872, 1874, 1879 und 1883) in wesentlichen Punkten modifiziert und berichtigt worden. Über die Fortbildung des lübischen Rechts durch die Judikatur des Oberhofs vgl. Michelsen, Der ehemalige Oberhof zu Lübeck (Altona 1839). Die letzte amtlich publizierte Revision des Stadtrechts stammt von 1586.

Lübke, Wilhelm, Kunsthistoriker, geb. 17. Jan. 1826 zu Dortmund, studierte in Bonn und Berlin Philologie, widmete sich jedoch später der Kunstgeschichte, ward 1857 Lehrer der Architekturgeschichte an der Bauakademie zu Berlin, 1861 Professor am Polytechnikum in Zürich, folgte 1866 einem Ruf als Professor der Kunstgeschichte an das Polytechnikum und die Kunstschule zu Stuttgart und 1885 einem Ruf an die gleichen Anstalten zu Karlsruhe. Unter seinen für die kunstgeschichtliche Darstellung grundlegenden Schriften sind hervorzuheben: "Die mittelalterliche Kunst in Westfalen" (Leipz. 1853); "Der Totentanz in der Marienkirche zu Berlin" (Berl. 1861); "Grundriß der Kunstgeschichte" (Stuttg. 1860, 10. Aufl. 1887); "Vorschule zur Geschichte der Kirchenbaukunst des Mittelalters" (Dortm. 1852, 6. Aufl. 1873 u. d. T.: "Vorschule zum Studium der kirchlichen Kunst des deutschen Mittelalters"); "Geschichte der Architektur" (Leipz. 1855; 6. Aufl. 1884, 2 Bde.); "Geschichte der Plastik" (das. 1863, 3. Aufl. 1880); "Über die alten Glasgemälde der Schweiz" (Zürich 1866); "Kunsthistorische Studien" (Stuttg. 1869); "Abriß der Geschichte der Baustile" (4. Aufl., Leipz. 1878); "Geschichte der Renaissance in Frankreich" (2. Aufl., Stuttg. 1885); "Geschichte der Renaissance in Deutschland" (2. Aufl., das. 1881, 2 Bde.); "Geschichte der italienischen Malerei" (das. 1878, 2 Bde.); "Bunte Blätter aus Schwaben" (das. 1885); "Kunstwerke und Künstler" (vermischte Aufsätze, Bresl. 1887). Auch gab er "Peter Vischers Werke" (Nürnb. 1878, 48 Tafeln mit Text), "Dürers Kupferstiche in Faksimiles" (das.), "Raffaelwerk in Lichtdrucken" (Dresd. 1880) und mit Lützow den Bilderatlas "Denkmäler der Kunst" (4. Aufl., Stuttg. 1884) heraus.

Lübker, Friedrich, Philolog und Pädagog, geb. 18. Aug. 1811 zu Husum in Schleswig, studierte zu Kiel und Berlin, ward 1848 Rektor in Flensburg, 1850 aber seiner Stellung enthoben, war 1851-63 Gymnasialdirektor zu Parchim, kehrte 1864 in seine frühere Stellung nach Flensburg zurück, wo er schon 10. Okt. 1867 starb. Als praktischer Lehrer anregend für eine ideale Lebensrichtung, war L. als Schriftsteller äußerst fruchtbar. Er veröffentlichte u. a.: "Grammatische Studien" (Parchim 1837); "Synonymorum libellus" (Schlesw. 1836); "Kommentar zu Horaz' Oden" (das. 1841); "Die Organisation der Gelehrtenschule" (Kiel 1843); "Die Sophokleische Theologie und Ethik" (das. 1851-55, 2 Bde.); "Die Gymnasialreform" (Altona 1849); "Reallexikon des klassischen Altertums" (Leipz. 1858; 6. Aufl. von Erler, das. 1882); "Vorhalle zum akademischen Studium" (Halle 1863); "Beiträge zur Theologie und Ethik des Euripides" (Parchim 1863); "Kaiser Julians Kampf und Ende" (Hamb. 1864); "Lebensbilder aus dem letztverflossenen Jahrhundert deutscher Wissenschaft und Litteratur" (das. 1862), "Greg. Wilh. Nitzsch in seinem Leben und Wirken dargestellt" (Jena 1864) und "Grundzüge der Erziehung und Bildung für das deutsche Haus" (Hamb. 1865-66, 2 Tle.). Seine "Gesammelten Schriften zur Philologie und Pädagogik" erschienen in 2 Bänden (Halle 1852-68).

Lublau (Alt-L., ungar. Ó-Lubló), Stadt im ungar. Komitat Zips, am Poprád, 4 km von Orló (Station der Kaschau-Oderberger Bahn), mit (1881) 2188 slaw. und deutschen Einwohnern. In der Nähe der Badeort L. (Neu-L.) mit alkalischem Eisensäuerling, welcher besonders gegen auf Anämie beruhende Frauenkrankheiten benutzt wird.

Lublin (Ljublin), russisch-poln. Gouvernement, wird im W. durch die Weichsel vom Gouvernement Radom, im O. durch den Bug von Wolhynien getrennt, grenzt im N. an Sjedletz, im S. an Österreich (Galizien) und umfaßt 16,832 qkm (305,8 QM.). Das Land ist fast durchgängig eine Hochebene, die nach S. zu steigt und von der Weichsel, dem Bug, Wieprz, San und vielen kleinern Flüssen bewässert wird. In geognostischer Hinsicht gehört der südliche und südwestliche Teil zum Miocänsystem, während der östliche und nördliche aus Kreideformationen besteht. An Mineralien werden nur vereinzelt etwas Kreide, Sandstein und Eisenerz gegraben. Das Klima ist mild, doch kommen in harten Wintern Frosttage von -30° C. vor, welche den Anbau von Gewächsen, wie Wein, Aprikosen u. dgl., nicht erlauben. Die Bevölkerung betrug 1884: 882,616 Einw., d. h. 52 pro QKilometer, und besteht hauptsächlich aus Polen, im südwestlichen Teil aus Kleinrussen, dann Juden und ca. 14,000 Deutschen (meist Kolonisten). Der Konfession nach überwiegen Römisch-Katholische, dann folgen Unierte (Uniaten), welche seit 1875 der griechisch-katholischen Kirche zugezählt sind, Juden, Protestanten und Griechisch-Katholische. Der Boden ist im allgemeinen fruchtbar, meist lehmig, nur der südöstliche Kreis (Grubeschow) hat Humusboden; Kalkboden findet sich namentlich an der Weichsel. Alle Getreidearten gedeihen gut und werden im Überfluß gebaut; an Kartoffeln ist Mangel. Der Ackerbau wird rationell betrieben; günstigen Einfluß darauf hat namentlich die Forst- und landwirtschaftliche Anstalt in Nowo-Alexandria (Pulawy) gehabt. Das Areal zerfällt in 40 Proz. Ackerland, 8,7 Proz. Weiden, 8 Proz. Wiesen, 33,2 Proz. Wälder, 3 Proz. Gemüsegärten; den Rest nehmen Gebäude, Wasser und Unland ein. Der Viehstand betrug 1871: 263,000 Stück Hornvieh, 498,000 Schafe (über ⅔ veredelte Rassen), 135,000 Schweine, 920 Ziegen und 111,250 Pferde. Die Pferdezucht ist sehr gesunken, gegenwärtig sind nur zwei Stutereien mit kaum 100 Zuchtpferden vorhanden. Der Handel befindet sich ganz in den Händen der Juden. Die Industrie ist im Aufblühen begriffen und wird auch durch die 1877 eröffnete Weichselbahn (Kowel-Mlawa) gefördert. Der Produktionswert der Industrie wird (1883) auf 8 Mill. Rubel angegeben. Hervorragende Zweige sind: Destillerie (2,4 Mill. Rubel), Getreidemüllerei (2,3 Mill. Rub.), Zuckerfabrikation (1,1 Mill. Rub.), Tabaksfabrikation (218,000 Rub.), Ziegelei (221,000 Rub.), Eisengießerei (209,000 Rub.), Maschinenindustrie (163,000 Rub.), Gerberei (151,000 Rub.). Lehranstalten waren 1883: 438 mit 20,000 Schülern