Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lubliner; Lublinitz; Lubny; Lubok; Lubomirski; Lubowski; Lubricating oil

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Lubliner - Lubricating oil.

vorhanden, darunter 8 Mittelschulen mit 1885 Schülern und Schülerinnen. Das Gouvernement wird in zehn Kreise geteilt: Bjelgorai, Chelm, Grubeschow, Janow, Krasnostaw, Ljubartow, L., Nowo-Alexandria, Samost und Tamaschow. - Die gleichnamige Hauptstadt des Gouvernements, an der Bistrzyca und der Weichselbahn, nach Warschau die schönste Stadt Polens, hat eine Kathedrale (aus dem 13. Jahrh.), 11 andre Kirchen (darunter eine evangelische und 2 griechische), ein geistliches Seminar, verschiedene alte Klöster, ein Gymnasium, ein katholisches und ein evang. Alumnat, mehrere andre Schulen, ein Theater, 2 Buchhandlungen, Dampfmühlen, Bierbrauereien, Tabaks-, Lichte- und Seifenfabriken, Handel mit Getreide und Wolle und zählte 1884: 38,816 Einw. Die Unterstadt ist ganz von Juden bewohnt. L. ist Sitz des Generalkommandos des 14. Armeekorps und eines Zivilgouverneurs. Von den alten Festungswerken sind nur noch die vier Thore (darunter das 1342 erbaute Krakauer Thor) und eine Schanze außerhalb der Stadt übrig. - Zu den Zeiten der Jagellonen zählte L. 40,000 Einw. und beherrschte den ganzen podolischen, wolhynischen und rotrussischen Handel. Nachdem es schon 1240 von den Tataren verwüstet worden, eroberte 1244 der russische Fürst Daniel die Burg, und seitdem blieb die Stadt 57 Jahre hindurch in den Händen russischer Fürsten, bis sie Wenzeslaus wiedereroberte. Darauf wurde sie 1344 von den Tataren abermals belagert und 1477 verbrannt. 1569 wurde hier unter Siegmund August der ein ganzes Jahr dauernde Reichstag gehalten, auf welchem die Vereinigung Polens und Litauens zu stande kam. Am 11. Nov. 1831 wurde L. von den Russen erobert.

Lubliner, Hugo, unter dem Pseudonym Hugo Bürger bekannter Dramatiker und Schriftsteller, geb. 22. April 1846 zu Breslau, Sohn eines Kaufmanns, kam nach dem Tod seines Vaters (1858) mit Mutter und Geschwistern nach Berlin und trat hier bereits mit 17 Jahren mit kleinen dramatischen Arbeiten vor die Öffentlichkeit, von denen das einaktige Lustspiel "Nur nicht romantisch" (1865) einigen Erfolg errang. Sein dreiaktiges Lustspiel "Der Frauenadvokat" (1873) machte den Weg über alle deutschen Bühnen. Gleich darauf folgte ein vieraktiges Lustspiel: "Die Modelle des Sheridan", welches 1875 zuerst an der königlichen Hofbühne in Berlin gegeben wurde (mit dem vorigen gedruckt als "Theater", Berl. 1876). Seitdem ist L. alljährlich mit neuen Arbeiten hervorgetreten, von denen wir als die bekanntesten nennen: "Die Florentiner", Trauerspiel (1876); die Schauspiele: "Die Adoptierten" (1877) und "Gabriele" (1878); die Lustspiele: "Die Frau ohne Geist" (1879), "Auf der Brautfahrt" (1880), "Der Jourfix" (1882) und "Die Mitbürger" (1884); "Gräfin Lambach", Schauspiel (1886), und "Die armen Reichen", Lustspiel (1886). Mit G. v. Moser verfaßte er das Lustspiel "Glück bei Frauen" (1884), mit P. Lindau das Schauspiel "Frau Susanne" (1885). Eine Sammlung seiner "Dramatischen Werke" erschien in 4 Bänden (Berl. 1881-82). Als Teile eines größern Romancyklus: "Berlin im Kaiserreich", veröffentlichte er neuerdings die Romane: "Die Gläubiger des Glücks" (1.-6. Aufl., Berl. 1886) und "Die Frau von neunzehn Jahren" (das. 1886).

Lublinitz, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, an der Linie Kreuzburg-Tarnowitz der Preußischen Staatsbahn, 256 m ü. M., hat 3 katholische und eine evang. Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht, eine Zwangserziehungsanstalt, ein großes Waisenhaus, Zigarrenfabrikation, eine große Sägemühle und (1885) 2671 meist kath. Einwohner.

Lubny, Kreisstadt im russ. Gouvernement Poltawa, an der Sula, hat 5 Kirchen, ein Gymnasium, eine Stadtbank, einen bedeutenden Jahrmarkt (im August), Handel mit Cerealien und eingemachten Früchten und (1883) 9884 Einw. L. gehört zu den ältesten Städten des Reichs; schon 1107 fand hier eine Schlacht zwischen den russischen Fürsten und den Polowzern statt. Der Kreis zeichnet sich aus durch seine großen Fruchtgärten, deren Produkte hauptsächlich nach Moskau gehen.

Lubok, Insel, s. Bawean.

Lubomirski, altes poln. Geschlecht, das ursprünglich Srzeniawa hieß und erst um 1600 den Namen L. annahm; in den geschichtlichen Vordergrund tritt es erst mit dem ersten Träger dieses Namens, Sebastian (geb. 1537, gest. 1613), welcher unter König Siegmund August hohe Würden bekleidete und sich in den Türkenkriegen so auszeichnete, daß ihn Kaiser Rudolf II. zum Reichsgrafen von Wisnicze erhob. Sein Sohn Stanislaus (geb. 1583, gest. 1649) war ein berühmter Feldherr, der die Türken in mehreren Schlachten glänzend besiegte, das große Vermögen der Familie begründete und 1647 von Kaiser Ferdinand III. die Reichsfürstenwürde erhielt; er ist der Stammvater aller noch blühenden Linien des Hauses L. Aber bereits sein Sohn Georg Sebastian (geb. 1616, gest. 1667) nahm einen verhängnisvollen Anteil an den Adelsparteiungen, wurde wegen seines Widerstandes gegen eine neue Königswahl bei Lebzeiten des Königs 1662 geächtet, führte mehrere Jahre offenen Krieg mit dem König Johann Kasimir. Ein ebenso ränkesüchtiger, ehrgeiziger Mann war sein Sohn, der Krongroßfeldherr Hieronymus Augustin (gest. 1706); dessen Bruder Stanislaus Heraklius (geb. 1640, gest. 1702) erwarb sich durch mehrere theologische, poetische und historische Schriften den Namen eines "sarmatischen Salomo". Später hielten sich die L. zur sächsischen Partei; eine Fürstin Lubomirska war Geliebte Augusts des Starken. Fürst Stanislaus III. (geb. 1704, gest. 1793), der sich durch den Wiederanbau der Ukraine ein ungeheures Vermögen erworben, bewarb sich indes 1764 selbst um die Krone, doch ohne Erfolg. Nach dem Untergang des polnischen Reichs ging ein Teil der L. in österreichische, ein andrer in russische Dienste. Gegenwärtig bestehen noch drei Linien.

Lubowski, Eduard, poln. Dichter, geb. 1839 zu Krakau und auf der dortigen Universität gebildet, seit 1865 in Warschau, veröffentlichte anfangs Romane, unter denen "Aktorka" (1869) und "Na pochyłości" als die besten gelten, und übersetzte einige Dramen von Shakespeare. Seine ersten dramatischen Versuche: "Karjery" (1863), "Protegowany" (1864) etc., blieben unbeachtet; erst das Sittenschauspiel "Nietoperze" (1875) griff durch. Als Nietoperze (Fledermäuse) treten darin die verschiedenen Arten von Verleumdern auf, und der Kampf mit der durch geschickte Verleumdung irre geleiteten öffentlichen Meinung bildet das sehr effektvoll, wenn auch nicht ganz folgerichtig gelöste Problem. Auch die spätern Stücke Lubowskis, besonders "Pogodzeni z lozem" (1878), "Przesądy" (1879), die Lustspiele: "Sąd honorowy" ("Das Ehrengericht", 1880) und "Jacus" (1884), sind beliebte Repertoirestücke der polnischen Bühne. Neuerdings veröffentlichte er: "Ein Schritt weiter", Roman (1885), und "Unmoralische Erzählungen" (1886).

Lubricating oil (englisch, spr. ljúhbrikēting eul), Schmieröl.