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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ludwig

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Ludwig (Frankreich: L. XII.-L. XIV.).

2 Bde.); Legeay, Histoire de Louis XI (das. 1874); "Lettres de Louis XI" (hrsg. von Vaesen u. Charavay), das. 1885-87, Bd. 1-3); Buet, Louis XI et l'unité française (2. Aufl., Tours 1886). Delavigne hat L. zum Gegenstand eines Dramas gemacht und Walter Scott in "Quentin Durward" eine treffliche Schilderung seiner Persönlichkeit geliefert.

30) L. XII. (le Père du peuple), König von Frankreich, aus der Seitenlinie Valois-Orléans, geb. 27. Juni 1462 zu Blois, war der Urenkel Karls V. und der Sohn des Herzogs Karl von Orléans und der Maria von Kleve, hatte nach dem Willen Ludwigs XI. eine schlechte Erziehung genossen und zeigte sich schon als Jüngling gewaltthätig und verschwenderisch. Nach Ludwigs XI. Tode der älteste Prinz von Geblüt, machte er auf die Vormundschaft über Karl VIII. Anspruch, welche dessen Schwester Anna von Beaujeu führte, wurde aber bei St.-Aubin 1488 besiegt und gefangen und mußte sein Gelüst mit dreijährigem Gefängnis büßen. "Der König von Frankreich darf den Herzog von Orléans nicht rächen" - mit diesen Worten bestieg L. 1498 nach Karls Tode den Thron, und in der That war seine Regierung eine milde und gerechte. So verringerte er die Auflagen und verbesserte die Rechtspflege. Als Enkel der mailändischen Prinzessin Valentine, der Tochter des Herzogs Galeazzo Visconti, erhob er Ansprüche auf Mailand und nahm es 1499 in Besitz. Sodann verband er sich mit Ferdinand von Aragonien zur Eroberung des Königreichs Neapel. Das Land wurde erobert, über seine Teilung brach aber unter den Siegern selbst Krieg aus; L. wurde 1503 aus Neapel vertrieben und mußte seine Rechte auf seine Nichte Germaine de Foix übertragen, die sich mit Ferdinand vermählte. 1509 trat L. der zur Demütigung Venedigs geschlossenen Liga von Cambrai bei; er befehligte selbst sein Heer und schlug die Venezianer 1509 bei Agnadello. Als jedoch der Papst sich von ihm trennte und die Heilige Liga gegen Frankreich schloß, die Schweizer von L. abfielen und das französische Heer im Juni 1513 bei Novara besiegten und aus Italien vertrieben, Heinrich VIII. und Maximilian in Frankreich eindrangen und ein andres französisches Heer unter Longueville 17. Aug. 1513 bei Guinegate (Sporenschlacht) schlugen, mußte er mit dem Papst, England, Spanien und dem Kaiser 1514 Frieden schließen. Er starb 1. Jan. 1515. Vermählt war er mit Johanna, Tochter Ludwigs XI., von der er sich wegen ihrer Unfruchtbarkeit scheiden ließ, sodann mit Karls VIII. Witwe Anna von Bretagne (gest. 1514), durch welche Ehe er den Erwerb der Bretagne für Frankreich sicherte, und zuletzt mit Marie von England. Da er nur zwei Töchter aus erster Ehe hinterließ, so folgte ihm sein Schwiegersohn Franz I. Offen, redlich, sparsam, gerecht, gutmütig und großherzig, erwarb sich L. trotz seiner unglücklichen kriegerischen Unternehmungen den Beinamen "Vater des Volkes", den ihm die Generalstaaten 1506 in Tours beilegten. Vgl. de Seyssel, Histoire de Louis XII (Par. 1558); Röderer, Louis XII et François I (das. 1825).

31) L. XIII., König von Frankreich, aus dem Haus Bourbon, Sohn Heinrichs IV. und der Maria de' Medici, geb. 27. Sept. 1601 zu Fontainebleau, bestieg nach der Ermordung des Vaters (14. Mai 1610) unter der Vormundschaft der Mutter den Thron. Schon im September 1614 ward er zwar für mündig erklärt und heiratete 1615 die spanische Prinzessin Anna, blieb aber stets schwach und unselbständig und überließ die Regierung zunächst seiner Mutter und deren Günstlingen, unter denen der Italiener Concini großen Einfluß besaß. Am 14. April 1617 ward Concini jedoch mit Vorwissen des Königs von Luynes, der Ludwigs Vertrauen besaß, niedergeschossen, die Königin-Mutter aber verbannt. L. oder vielmehr sein Günstling Luynes leitete nun selbst den Staat; er hatte sofort mit einem Aufstand der Hugenotten zu kämpfen. Nach Luynes' frühem Tod (1621) und Vieuvilles Sturz 1624 berief der König Richelieu in den Rat, der zum Heil Frankreichs das Reich und den König beherrschte und den ehrgeizigen Adel unterdrückte. Richelieu veranlaßte L. auch zu mehreren Kriegen, zunächst gegen die Hugenotten, denen nach der Einnahme La Rochelles 1628 ihre politischen Vorrechte genommen wurden (1629), dann gegen das Haus Habsburg in Italien, wo L. nach einem glücklichen Feldzug 1630 im Frieden von Cherasco 6. April 1631 seinem Schützling, dem Herzog von Nevers, die Belehnung mit Mantua verschaffte. Der Herzog Gaston von Orléans, sein Bruder, der mit andern Mißvergnügten an der Spitze eines in den Niederlanden geworbenen Heers von 2000 Spaniern in Frankreich einfiel, wurde 1. Sept. 1632 bei Castelnaudary geschlagen. Da der Herzog Karl von Lothringen jenen unterstützt hatte, ließ L. im Herbst 1633 ganz Lothringen erobern. Auch zur Teilnahme am Dreißigjährigen Krieg bestimmte Richelieu den König, um die habsburgische Macht zu schwächen. In der Absicht, das linke Rheinufer zu gewinnen, schloß L. 26. Okt. 1635 mit dem Herzog Bernhard ein Bündnis zur Eroberung des Elsaß, benutzte jedoch den erwünschten, vielleicht beförderten Tod Bernhards, um dessen Eroberungen sofort in Beschlag zu nehmen. Während sich 1641 die aufgestandenen Katalonier an Frankreich ergaben, unterwarf ein französisches Heer, zu welchem der schon kranke König abging, die Grafschaft Roussillon. L. starb wenige Monate nach seinem allmächtigen Minister, 14. Mai 1643. Er war von Körper schwächlich, von Charakter unentschlossen und argwöhnisch. Seine Gemahlin Anna von Österreich gebar ihm 1638 den Dauphin, der als Ludwig XIV. auf dem Thron folgte, und 1640 den Herzog Philipp von Orléans, den Stammvater des Hauses Orléans. Vgl. Bazin, Histoire de France sous Louis XIII (neue Ausg., Par. 1846, 4 Bde.); Topin, Louis XIII et Richelieu (das. 1876); Zeller, Études critiques sur le règne de Louis XIII (das. 1879).

32) L. XIV. (Louis le Grand), König von Frankreich, Sohn des vorigen und der Anna von Österreich, geb. 5. Sept. 1638, folgte seinem Vater 14. Mai 1643 unter Vormundschaft seiner Mutter und dem Einfluß Mazarins. Die alsbald beginnenden Unruhen der Fronde (s. d.) wurden erst mit der Unterwerfung Condés und dem Pyrenäischen Frieden 1659 beendet. Auch nachdem L. 1651 mündig geworden, überließ er die Zügel der Regierung den bewährten Händen Mazarins. Erst seit des letztern Tod 9. März 1661 regierte er selbständig und entwickelte eine von ihm nicht erwartete Energie und Thätigkeit. Die ministerielle Allgewalt, wie sie sich seit 1624 unter Richelieus und Mazarins kräftigem und klugem Regiment ausgebildet hatte, vereinigte er nun in seiner Person mit der königlichen Macht und Autorität, und indem er sich mit Eifer wie auch mit einiger Kenntnis und natürlichem Verstand den Geschäften widmete, begründete er die absolute Monarchie in Frankreich, deren glänzendster Repräsentant er wurde durch seine imponierende Erscheinung und sein würdevolles und doch immer anmutvolles Benehmen. Zu dem Glanz seiner Herrschaft,