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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Luna silva; Lunārisch; Lunarĭum; Lunation; Lunātisch; Lunatismus; Lunch; Lund; Lunda; Lunden; Lundenburg; Lundgren

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Lunarisch - Lundgren.

stielten, breit oblongen oder elliptischen, ganz flachen Schötchen. Zwei Arten: L. annua L. (L. biennis Mönch, Mondveilchen, Judassilberling), zweijährige Pflanze mit ästigem Stengel, gestielten, oval-herzförmigen, stumpf gezahnten Blättern, rötlichen oder weißen Blüten, silberglänzenden Schötchen, in Gebirgswäldern Südeuropas, und L. rediviva L. (L. odorata Lam., Wintermondviole, Mondkraut, Silberblatt, Atlasblume), ausdauernd, mit einfachem Stengel, herzförmigen, spitzig gezahnten Blättern und violettroten, wohlriechenden Blüten, in schattigen Bergwäldern des südlichen und mittlern Europa. Früher waren die Samen, welche wie Kressesamen (Lepidium) schmecken, offizinell. Beide Arten kommen als Zierpflanzen in Gärten vor.

Lunārisch (lat.), den Mond betreffend, auf ihn bezüglich, zu ihm gehörig; vgl. Sublunarisch.

Lunarĭum (neulat.), Apparat zur Anschaulichmachung der Bewegung des Mondes um die Erde, oft mit dem Tellurium (s. d.) verbunden. Vgl. Wittsack, Das Tellurium mit L. und seine Anwendung (2. Aufl., Berl. 1875); Steinhauser, Erde und Mond und ihre Bewegung im Weltenraum (Weim. 1877).

Luna silva (lat.), Wald im alten Germanien, südwärts vom Hercynischen Wald, der jetzige Manhartsberg in Österreich.

Lunation (neulat.), die Zeit, in welcher der Mond die ganze Reihe seiner Phasen durchmacht, oder auch die Reihe der Phasen selbst.

Lunātisch (lat.), vom Mond abhängig, mondsüchtig.

Lunatismus (lat.), s. v. w. Mondsüchtigkeit, s. Somnambulismus.

Lunch (Luncheon, engl., spr. lönnsch, lönnsch'n), in England das um die Mittagszeit eingenommene Gabelfrühstück, in der Regel aus warmen und kalten Gerichten zusammengesetzt.

Lund, Vogel, s. Larventaucher.

Lund, Stadt im schwed. Län Malmöhus, an der jetzt unbedeutenden, ehemals aber schiffbaren Höjeå, 38 m ü. M., Station der Eisenbahn von Malmö nach Stockholm und der Linie L.-Trelleborg. In der Mitte der Stadt ist der "Lundagård", ein durch Tegnérs Lieder berühmt gewordener Spazierplatz, und der Tegnérplatz, geschmückt mit der 1858 errichteten bronzenen Statue des Dichters, der hier Professor war, geschieden von dem Lundagård durch die Sandgata, die auf den Helgonabacken (Anhöhe mit Parkanlage und schöner Aussicht) führt, und umgeben von der Domkirche romanischen Stils (geweiht 1145), den Gebäuden der Universität (Bibliothek mit 120,000 Bänden und 2000 Handschriften, zoologisches Museum u. a.) und dem Versammlungshaus aller hier studierenden "Nationen" (d. h. Landsmannschaften), einem schönen, im gotischen Stil aufgeführten, 1851 eingeweihten Gebäude. L. zählt (1885) 14,835 Einw., welche einige Industrie (in Möbeln, Eisenguß, Schriftguß, Handschuhen) und Handel betreiben. Außer der Universität (1882 mit 803 Studierenden) besitzt es ein Gymnasium, 2 Banken, 3 Sparkassen und einen Hypothekenverein. - L. wird schon in der ältesten Geschichte des Nordens als eine durch Schiffahrt und Handel mächtige Stadt erwähnt. Noch größere Bedeutung erhielt es, als es 1060 der Sitz eines Bischofs und 1104 eines Erzbischofs wurde, der bis auf die Zeit der Reformation Ansprüche auf die Suprematie über die sämtlichen nordischen Prälaten machte. In diesen Zeiten war L. die geistliche und gewissermaßen auch die weltliche Hauptstadt des dänischen Reichs (metropolis Daniae), dessen Könige sich hier auf der St. Liboriushöhe huldigen ließen; auch wußten die Erzbischöfe ihren Einfluß sowohl mit dem Willen des Königs als auch gegen denselben geltend zu machen. Außer dem erwähnten Dom besaß L. 21 Kirchen und 6 Klöster, alle reich ausgestattet. Nachdem erst der Zug Karls VIII. nach Schonen 1452 dem Wohlstand der Stadt einen schweren Stoß versetzt hatte, sank dieselbe durch die Reformation vollends in einen Zustand von Verfall und Bedeutungslosigkeit. Mit Ausnahme des Doms und der Klosterkirche St. Peders wurden die übrigen Kirchen niedergerissen, die Häuser verfielen, und die Plätze blieben unbebaut. In solchem Zustand wurde die Stadt 1658 nebst ganz Schonen an Schweden abgetreten, und die folgenden Kriegsjahre unter Karl XI. (Sieg der Schweden bei L. im Dezember 1676 und Friede zwischen Schweden und Dänemark 6. Okt. 1679) und Karl XII. vollendeten ihren Verfall, aus welchem sie sich nur langsam wieder emporgearbeitet hat, besonders durch die 1668 hier gestiftete Universität.

Lunda, großes Reich im innern Südafrika, das sich zwischen 6-13° südl. Br. und zwischen 18-29° östl. L. v. Gr. über ein Areal von 345,000 qkm (6265 QM.) erstreckt, aber nur 2 Mill. Einw. enthalten soll. Es besteht aus den direkt dem Herrscher von L. unterstehenden Gebieten und dem Tributärstaat des Cazembe (s. d.). Das Gebiet wird vom Kassai und Lubilasch und dessen Zuflüssen durchzogen und ist meist eben und mit dichtem Gebüsch bedeckt. Die Einwohner sind zum größten Teil Kalunda (s. d.). Das Lundareich ist ein absoluter Lehnsstaat unter dem Muata Jamvo, dem die Lehnsfürsten Salz und Kupfer, Elfenbein, Flechtwaren, Sklaven und Tierfelle, Zeug und Pulver senden, und dem sie Heeresfolge leisten. Neben dem Muata Jamvo steht als oberste Würdenträgerin die Lukokescha, ein unverheiratetes Weib. Beide müssen von einer der Hauptfrauen des letzten Muata Jamvo geboren sein und werden von den vier obersten Räten des Staats gewählt; sie müssen sich gegenseitig bestätigen, stellen also eine förmliche Verflechtung zweier Staaten und Staatsgewalten in einem Lande dar. Haupt- und Residenzstadt ist Mussumba ("Residenz") in einer Ebene östlich vom Luisa, einem Nebenfluß des Lulua, mit 8-10,000 Einw. Sie wird nach dem Tod jedes Muata Jamvo an andrer Stelle immer von neuem aufgebaut; den größten Raum nehmen die in einer weiten Umzäunung (Kipanga) errichteten Wohnungen der beiden Herrscher und ihrer ersten Würdenträger ein. Vgl. Pogge, Im Reich des Muata Jamwo (Berl. 1880); Buchner, Das Reich des Muata Jamwo (in "Deutsche Geographische Blätter", Brem. 1883).

Lunden, Flecken in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Norderdithmarschen, auf einem Geestrücken innerhalb der Marsch, an der Linie Heide-L. der Holsteinischen Marschbahn, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, besuchte Pferde- und Viehmärkte und (1885) 4064 Einw.

Lundenburg (tschech. Břeclava), Stadt in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Göding, an der Thaya und der Nordbahn, welche sich hier in zwei Arme (nach Brünn und Oderberg) teilt, und von welcher hier die L.-Grußbacher Bahn abzweigt, hat ein Bezirksgericht, ein fürstlich Liechtensteinisches Schloß, bedeutende Fabrikation von Rübenzucker, Bier und Malz, Spiritus und Preßhefe, eine Kunstmühle, wichtige Märkte und (1880) 5681 Einw.

Lundgren, Egron Sellif, schwed. Maler und Schriftsteller, geb. 18. Dez. 1815 zu Stockholm, kam 1835 auf die Kunstakademie, ging 1839 nach Paris, wo er bei Cogniet studierte, und 1841 nach Italien.