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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Magenkrampf; Magenkrankheiten; Magenkrebs

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Magenkrampf - Magenkrebs.

Die Krankheiten des Magens (Tübing. 1878); Wiel, Tisch für Magenkranke (6. Aufl., Karlsbad 1884).

Magenkrampf (Gastralgia, Cardialgia), eine schmerzhafte Affektion des Magens, welche nicht von wahrnehmbaren Strukturveränderungen des Organs abhängt. Der M. ist also eine reine Neuralgie und wird deshalb auch als nervöse Kardialgie bezeichnet. Man beobachtet den M. wie auch andre Formen der Neuralgie häufig bei blutarmen Individuen. So gehören leichtere und schwerere Anfälle von M. bei bleichsüchtigen Mädchen zu den gewöhnlichsten Erscheinungen, welche verschwinden, sobald die Bleichsucht gehoben wird. Krankheiten der Gebärmutter und der Eierstöcke gehen sehr häufig mit M. einher, und dieser ist eins der häufigsten Symptome der Hysterie (s. d.). In andern Fällen hängt der M. von gewissen Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks sowie von substantiellen Veränderungen des Lungenmagennervs und des sympathischen Nervs ab, welche bekanntlich den Magen mit Nervenfäden versorgen. Der M. kann auch von Vergiftung des Bluts mit Malariagift sowie von der gichtigen Dyskrasie des Bluts abhängen. Oft ist man auch nicht im stande, irgend einen Grund für heftige und langwierige Magenkrämpfe zu finden. Der M. hat einen typischen Verlauf, indem auf schmerzfreie Zeiträume Anfälle der heftigsten Schmerzen folgen. Zuweilen wird der Typus regelmäßig, so daß die Schmerzanfälle sich täglich zu derselben Stunde oder alle zwei oder drei Tage wiederholen. Bei dem Anfall befällt entweder plötzlich oder nach vorangegangenem Gefühl von Druck den Patienten ein heftiger zusammenziehender Schmerz in der Magengrube, welcher sich bis zum Rücken verbreitet und mit Ohnmachtsgefühl, verfallenem Gesicht, Kälte der Hände und Füße und kleinem, aussetzendem Puls einhergeht. Der Schmerz steigt so, daß der Kranke laut aufschreit. Die Magengegend ist selten vorgetrieben, häufiger eingezogen; die Bauchdecken sind gespannt. Der Anfall dauert einige Minuten bis eine halbe Stunde. Dann nimmt der Schmerz allmählich ab und läßt große Erschöpfung zurück; oder er hört plötzlich auf mit Aufstoßen, Erbrechen, Ausbruch eines gelinden Schweißes und mit Entleerung eines rötlich gefärbten Harns. Ein Druck von außen auf den Magen oder Zufuhr von Speise erleichtert den M., während der Schmerz beim Magengeschwür dadurch gesteigert wird. In den schmerzfreien Intervallen fehlen beim M. die Zeichen einer gestörten Verdauung, wie solche bei andern schmerzhaften Magenkrankheiten vorkommen. Ebenso leidet die Ernährung bei M. wenig, und wo nicht Blutarmut die Ursache des Magenkrampfs ist, können die davon Befallenen kräftig und blühend erscheinen. Die Anfälle beim M. werden durch unbekannte Veranlassung hervorgerufen und treten oft bei leerem Magen ein, während die Schmerzanfälle beim Magengeschwür fast immer auf eine Mahlzeit folgen. Die Prognose des Magenkrampfs ist eine günstige, wenn dieser auf Blutarmut, Gebärmutterleiden, Malariainfektion und Gicht beruht, sobald nur die Grundkrankheiten einer erfolgreichen Behandlung zugänglich sind. Schlechte Aussichten dagegen geben diejenigen Formen, welche auf Krankheiten des Gehirns und Rückenmarks beruhen, und diejenigen, welche unbekannten Ursachen ihre Entstehung verdanken. Die Behandlung des Magenkrampfs besteht in Beseitigung der genannten Grundkrankheiten (s. Bleichsucht). Von Medikamenten sind besonders im Anfall Belladonna oder Morphium zu benutzen.

Magenkrankheiten, s. Magen.

Magenkrebs (Carcinoma ventriculi), ein bösartiges Gewächs des Magens, welches in Form einer Geschwulst oder als Geschwür vorkommt und nach mehr oder weniger langwierigem Krankheitsverlauf stets zum Tod führt. Unter allen Organen des Körpers ist der Magen am häufigsten, in 45 Proz. der Fälle, vom Krebs betroffen. Im ganzen erkranken Männer häufiger an M. als Frauen. Zwischen dem 40. und 60. Jahr ist die Krankheit am häufigsten, vor dem 40. selten, vor dem 30. nur ganz ausnahmsweise beobachtet worden. Der M. entwickelt sich am häufigsten in der Pförtnergegend, seltener in der Nähe des Mageneingangs oder an der kleinen Kurvatur, am seltensten im Magengrund und an der großen Kurvatur. Da der M. ein gewisses Bestreben zeigt, sich in die Quere auszubreiten, so entstehen leicht ringförmige krebsige Einschnürungen des Magens am Pförtner und am Magenmund. Die Magenkrebse sind bald zellenreicher und weich (Markschwamm), bald zellenärmer und hart (Scirrhus); bald sind ihre Zellen schleimig entartet, wodurch der sogen. Alveolar- oder Gallertkrebs entsteht. Zuweilen sind sie sehr gefäßreich und sitzen wie Pilze mit breiter Basis der Innenfläche auf (Fungus haematodes; Blutschwamm). Der M. beginnt wahrscheinlich in allen Fällen von der Schleimhaut aus. Hier entstehen bald kleine Knoten, bald mehr eine diffuse, nicht scharf umschriebene Verdickung; beide vergrößern sich, es entsteht eine grobhöckerige Geschwulst, in welche allmählich die Schleimhaut in ihrer ganzen Dicke, später auch die Muskelhaut und Serosa des Magens eingeht. Die weichen Magenkrebse breiten sich viel schneller aus als die harten. Beide wachsen, ohne eine Begrenzung zu finden, an ihrer Peripherie und zugleich in der Dicke fort, während ihre mittlern Partien sich schon dem Zerfall zuneigen. Hat nämlich die Geschwulst die freie Schleimhautfläche erreicht, so beginnt sie auf ihrer Oberfläche zu schwärzlichen, zottigen, weichen Massen zu zerfallen, die abgestoßen werden und unter sich ein kraterförmiges Geschwür zurücklassen, das von aufgeworfenen, nach außen umgestülpten, blumenkohlartigen Rändern wie von einem Wall umgeben ist. Von diesem Geschwür aus schreitet der Zerfall der Geschwulst peripherisch weiter, das Geschwür erreicht eine oft sehr ansehnliche Größe, bis zum Umfang zweier Hände, und dabei kann die krebsige Wucherung so bedeutend sein, daß die Höhle des Magens darmartig verengert ist. Häufig greift die krebsige Entartung des Magens auf die Nachbarorgane über, und durch Zerfall der Krebsmasse können abnorme Kommunikationen zwischen den Höhlen dieser Organe eintreten, z. B. der Höhle des Magens und Grimmdarms. Zerfällt der M. bis zu seinem Bauchfellüberzug, bevor letzterer mit andern Organen verklebt ist, so öffnet sich der Magen nach der Bauchhöhle hin, und es entsteht eine tödliche Unterleibsentzündung. Die Symptome und der Verlauf des Magenkrebses hängen wesentlich von seinem Standort ab, so daß sich zwischen einem M., welcher den Mageneingang verlegt, und einem solchen, welcher den Ausgang verschließt, die größten Unterschiede ergeben. Wenn die Krebsgeschwulst zur Verengerung des Pförtners führt, so wird der übrige Magen vor dem Pförtner stark ausgedehnt und seine Wand einfach hypertrophisch (Magenerweiterung). Ist dagegen Verengerung des Mageneingangs durch einen dort sitzenden Krebs vorhanden, so pflegt der ganze Magen zusammengezogen, seine Höhle verengert zu sein.