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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Magenmund; Magenpumpe; Magenresektion; Magensaft

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Magenmund - Magensaft.

Schmerzen können vorhanden sein, aber auch fehlen; vor allem leidet aber der Kranke in beiden Fällen an schwerer allgemeiner Verdauungsstörung, er magert stark ab und bekommt eine schmutzig gelbgraue Hautfarbe. Meist gesellt sich hierzu Erbrechen, welches besonders dann nach jeder Mahlzeit eintritt, wenn der M. am Pylorus sitzt und diesen verengert. Bei Verengerung des Pylorus tritt das Erbrechen gewöhnlich erst mehrere Stunden nach dem Essen, bei Verengerung des Mageneingangs während desselben oder unmittelbar nachher ein. Wenn das Erbrechen längere Zeit hindurch mit großer Regelmäßigkeit bestanden hatte, so verliert es sich manchmal erst allmählich und dann gänzlich. Dies hat seinen Grund darin, daß die verengerte Stelle des Magens, welche das Brechen hervorrief, durch Zerfall der Krebsgeschwulst wieder erweitert wird. Die erbrochenen Massen bestehen aus den genossenen, mit dickem Schleim umhüllten Speisen, welche mehr oder weniger verändert sind. Bei dem Zerfall der Krebsgeschwulst kommen gewöhnlich leichte kapillare Blutungen vor; das Blut vermischt sich mit dem Mageninhalt, und dieser wird dann als schwärzliche, krümelige, kaffeesatzähnliche Masse erbrochen. Seltener werden beim Zerfall des Magenkrebses größere Gefäße angefressen, und dann kommt es zu reichlichen Magenblutungen mit oft tödlichem Blutbrechen. Wenn der M. keine der Magenpforten einnimmt, so kann er ganz ohne örtliche Symptome verlaufen. Das sicherste Zeichen für das Vorhandensein eines Magenkrebses ist das Auftreten einer Geschwulst, welche sehr oft nicht sowohl am Magen selbst bemerkbar wird, sondern in der ganz gewöhnlich später ergriffenen Leber durch die Bauchdecken hindurch gefühlt werden kann. Dieses Symptom fehlt jedoch in vielen Fällen von M. Ist die Neubildung ein weicher, zellenreicher Krebs, so ist der Verlauf meist in mehreren Monaten abgeschlossen; der harte Krebs dagegen und vor allem der Gallertkrebs kann mehrere Jahre lang bestehen. Der M. endigt niemals anders als mit dem Tod, welcher gewöhnlich unter den Zeichen allmählicher Erschöpfung eintritt, viel seltener nach Durchbohrung der Magenwand und schnell tödlich verlaufender Bauchfellentzündung. Noch seltener rufen Magenblutungen den Tod herbei. Die Unterscheidung des Magenkrebses vom chronischen Magenkatarrh und chronischen Magengeschwür ist oft außerordentlich schwierig.

Bei der Behandlung des Magenkrebses muß man vor allem die Verdauung zu erhalten suchen. Die Diät muß dieselbe sein wie beim chronischen Magenkatarrh (s. d.). Die zweckmäßigste Nahrung für Kranke, welche an M. leiden, ist die Milch, welche leider nicht immer vertragen wird; man muß sie dann durch konzentrierte Fleischbrühen, Eigelb und andre nahrhafte Stoffe zu ersetzen suchen, diese aber immer in geringer Menge auf einmal und womöglich in flüssiger Form geben. Auch Wein, namentlich Rotwein, darf der Kranke nehmen. Eine abnorme Säurebildung im Magen suche man durch das Trinken von Sodawasser zu beseitigen. Nicht selten wird aber alles Genossene sofort wieder erbrochen, und in solchen Fällen sind die Nahrungsklystiere von Pepton, welches, in lauwarmem Wasser gelöst, durch den After in den Darm eingeführt wird, von hohem Wert. Gegen die bei M. fast immer bestehende hartnäckige Stuhlverstopfung werden Pillen aus Aloe und Koloquinten empfohlen; gegen Schlaflosigkeit und heftige Schmerzen wird Morphium angewendet. In neuester Zeit ist zuerst von Billroth der Versuch gemacht worden, das krankhafte Magenstück durch Operation zu entfernen. Hierdurch hat sich die Möglichkeit einer chirurgischen Heilung zweifellos ergeben; zur Nachahmung dürfte vorerst noch eine Vervollkommnung der Magenuntersuchung notwendig sein, da ein Herausschneiden nur dann dauernde Heilung versprechen kann, wenn der M. klein und vollständig auf den Magen beschränkt ist; bei bereits vorhandenen metastatischen Krebsknoten der Lymphdrüsen, Leber etc. hat sich die Operation als ohnmächtig erwiesen.

Magenmund, s. Magen.

Magenpumpe, von Kußmaul angegebene pumpenartige Vorrichtung zur Entleerung und zum Ausspülen des Magens, besteht aus einem elastischen Schlauch von ca. 70 cm Länge, welcher, ähnlich einem Katheter, unten blind endigt und zwei seitliche Öffnungen hat, von denen jede mit einem besondern, innerhalb des Schlauchs verlaufenden Rohr in Verbindung steht. Der Schlauch wird gleich einer Schlundsonde in den Magen eingeführt, durch eins der innern Rohre wird Wasser in den Magen gebracht, durch das zweite wird dasselbe Wasser samt dem flüssigen Mageninhalt wieder angesogen und so ausgepumpt. Als M. genügt auch ein einfaches elastisches Schlundrohr, durch welches man zuerst Wasser einfließen läßt, worauf dasselbe mittels einer Spritze wieder entleert wird.

Magenresektion (Gastrectomia), die operative Entfernung krebsig entarteter Abschnitte der Magenwand, s. Magenkrebs.

Magensaft, Absonderungsprodukt der Magenschleimhaut, eine farblose, klare oder etwas getrübte Flüssigkeit von stark saurer Reaktion, enthält Pepsin, Salzsäure und etwa 98 Proz. Wasser. Das Pepsin wird in den Labdrüsen gebildet und vermag in saurer Lösung eine fast unbegrenzte Menge von Eiweiß zu verdauen. Die Salzsäure ist in Mengen von 0,1-0,4 Proz. im M. enthalten. Ihre Wirkung ist keine spezifische, sie kann vielmehr durch zahlreiche andre Säuren, z. B. Phosphor-, Salpeter-, Schwefelsäure, ersetzt werden. Die Absonderung des Magensafts erfolgt nur zur Zeit der Verdauung. Die Salzsäure kann durch Stoffe, welche im Blut vorkommen, aus Chloriden frei gemacht werden. Fügt man zu einer Lösung von Chlorcalcium phosphorsaures Natron, welches, wie das Chlorcalcium, ein Blutbestandteil ist, so erhält man unter Bildung von phosphorsaurem Kalk und Chlornatrium eine Lösung, welche freie Salzsäure enthält. Außerdem kann aber auch noch durch die Einwirkung von saurem phosphorsaurem Natron, dessen Vorkommen im Blut nicht bezweifelt werden kann, auf das Kochsalz des Bluts Salzsäure entstehen. Da nun die Säuren ein viel größeres Diffusionsvermögen als die übrigen Körper haben, an der Spitze sämtlicher Säuren aber wieder die Salzsäure steht, so läßt sich das Austreten von Salzsäure im M. auf Diffusionsvorgänge zurückführen, und man kann annehmen, daß in der Magenschleimhaut ein Diffusionsapparat von außerordentlicher Feinheit liege, der nur denjenigen Substanzen den Durchtritt gestatte, welche mit der größten Leichtigkeit diffundieren. Der M. wirkt lösend auf viele Substanzen, verdauend aber nur auf die Eiweißkörper ein, indem er diese peptonisiert (s. Verdauung). Die Schnelligkeit, mit der die Verdauung durch den M. erfolgt, ist abhängig von seinem Gehalt an Pepsin, von seinem Säuregrad, von seinem Gehalt an Verdauungsprodukten und von seiner Temperatur. Innerhalb gewisser Grenzen erfolgt die Verdauung um so schneller, je reicher der M. an Pepsin ist, und die kräf-^[folgende Seite]