Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Magenscheid - Maggia, Valle.

tigste Wirksamkeit zeigt er bei einem Salzsäuregehalt von 0,3-1,0 Proz. Eine Verdauungsflüssigkeit, die bereits ein gewisses Quantum Eiweiß verarbeitet hat, verliert sehr an Wirksamkeit, die ihr aber durch das Zufügen neuer Säure wiedergegeben werden kann. Die Peptonisierung erfolgt am schnellsten bei Temperaturen von 35-50°; bei 0° hört die Wirkung des Magensafts ganz auf. Der M. läßt das Nuclein, das Mucin und die verhornte Substanz ganz unverändert; seine Wirkung erstreckt sich aber auf die sämtlichen übrigen Eiweißstoffe sowie auf das Kollagen und die elastische Substanz (näheres s. Verdauung). Um sogen. künstlichen M. herzustellen, der Eiweißkörper bei Brutofenwärme in ähnlicher Weise verdaut wie der natürliche M., extrahiert man die gut gewaschene und zerkleinerte Schleimhaut des Schweinemagens mit 0,5 Proz. Salzsäure. Einen Glycerinauszug der Magenschleimhaut kann man viele Jahre hindurch unzersetzt aufbewahren, und es genügt der Zusatz weniger Tropfen desselben zu einer 0,5proz. Salzsäure, um sofort einen sehr kräftigen künstlichen M. zu erhalten.

Magenscheid, s. Mage.

Magenschmerz, s. Magenkrampf.

Magensonde, elastische, etwa 70 cm lange hohle Sonde mit seitlichem Fenster, wird durch den Mund und die Speiseröhre in den Magen eingeführt und zu diagnostischen Zwecken oder zum Ausspülen des Magens benutzt. Vgl. Leube, Die M. (Erlang. 1879).

Magenta, rote Farbe, s. Anilin, S. 591.

Magenta (spr. madschennta), Flecken in der ital. Provinz Mailand, Kreis Abbiategrasso, an der Bahnlinie Mailand-Turin, mit (1881) 5573 Einw., Seidenindustrie, Wein- und Ölhandel. - Eine 1862 eingeweihte Kapelle erinnert an die Schlacht 4. Juni 1859 zwischen den Österreichern und den vereinigten Franzosen und Sardiniern. Dieselbe wurde dadurch herbeigeführt, daß die Franzosen nach dem Gefecht bei Montebello (20. Mai 1859) hinter den Piemontesen hinweg einen Flankenmarsch nach Norden ausführten und, während der österreichische Oberbefehlshaber Gyulay hauptsächlich um seinen linken Flügel besorgt war, damit derselbe nicht durch einen Übergang der Verbündeten über den Po unterhalb seiner Stellung umgangen werde, sich 3. Juni mit den Piemontesen bei Novara konzentrierten. Auf die Kunde hiervon zog sich Gyulay auf das linke Ufer des Tessin zurück und nahm mit 115,000 Mann zwischen M. und Abbiategrasso Stellung. Am Morgen des 4. Juni gingen die Franzosen über den Tessin, der Kaiser bei Buffalora, Mac Mahon weiter nördlich bei Turbigo. Da Napoleon die Österreicher (sechs Brigaden) mit der Garde etwas stürmisch angriff, ohne die feindliche Stellung nehmen zu können, so geriet er in arge Bedrängnis, und wenn Gyulay die Lage richtig erkannt und sofort alle seine Kräfte hier vereinigt hätte, würde er einen glänzenden Sieg erfochten haben. Doch dies geschah nicht; zögernd schickte er eine Division nach der andern in den Kampf und erschien selbst erst am Nachmittag auf dem Schlachtfeld. Inzwischen war Mac Mahon von Norden, Canrobert von Westen her Napoleon zu Hilfe gekommen, und die Franzosen behaupteten sich auf dem Schlachtfeld. Auf ihrer Seite war zwar auch wenig Einsicht, aber doch Wille und Thatkraft zu spüren gewesen. Auf österreichischer Seite war aber von Oberleitung so wenig die Rede, daß einzelne Korps in der Nacht auf eigne Hand abzogen, so daß Gyulay, auch wenn er gewollt hätte, die Schlacht 5. Juni nicht wieder aufnehmen konnte und mit Preisgebung der Lombardei an den Mincio zurückgehen mußte. Die Franzosen verloren 4000, die Österreicher 6000 Mann an Toten und Verwundeten, die letztern außerdem 4500 Versprengte, meist desertierte Italiener. Mac Mahon empfing für seinen Anteil an dem Sieg den Marschallstab und den Titel eines Herzogs von M.

Magentabronze, s. Wolfram.

Magenverhärtung, an sich keine Krankheit, sondern nur ein Folgezustand gewisser Magenkrankheiten; s. Magenkatarrh, Magenkrebs.

Magenwürmerseuche, Abzehrungskrankheit der Schafe in den ersten beiden Lebensjahren, die gewöhnlich seuchenartig auftritt und durch die Anwesenheit von Würmern (Strongylus contortus) im Labmagen verursacht wird. Die Krankheit gibt sich durch charakteristische Erscheinungen nicht zu erkennen; im Winter oder im Frühjahr stellen sich Bleichsucht und Abmagerung ein, und bei der Obduktion finden sich die Würmer in großer Zahl im Labmagen. Über die Entwickelung der Wurmbrut außerhalb des Schafes ist Sicheres nicht bekannt; dieselbe wird im Frühjahr und Sommer auf feuchten Weiden aufgenommen, wo sie aus Eiern entsteht, die von den geschlechtsreife Würmer beherbergenden Schafen mit dem Kot entleert wurden. Nicht selten kommt die M. zusammen mit der Lungenwürmerseuche oder mit der Bandwurmseuche oder mit beiden vor. Die Kur kann nur eine palliative sein, da bis jetzt kein Mittel bekannt ist, die Würmer abzutreiben. Die Schafe müssen kräftig gefüttert werden, damit sie der schädlichen Einwirkung der Würmer widerstehen können, bis diese von selbst abgehen.

Magenwurzel, s. Arum.

Mager, Karl, pädagog. Schriftsteller, geb. 1. Jan. 1810 zu Gräfrath bei Solingen, machte seine philologischen Studien in Bonn und verweilte darauf einige Jahre in Paris. Die Frucht dieses Aufenthalts war das Werk "Versuch einer Geschichte und Charakteristik der französischen Nationallitteratur" (Stuttg. 1834-39, 5. Bde.). Später lebte er als Lehrer nacheinander in Mecklenburg, Berlin, von wo er A. v. Humboldt nach Petersburg und Moskau begleitete, in Genf, Stuttgart, Aarau und Zürich, war 1848-52 Direktor des Realgymnasiums zu Eisenach und starb 10. Juni 1858 in Wiesbaden. Großes Aufsehen machte Magers Schrift "Die deutsche Bürgerschule" (Stuttg. 1840), nachhaltigen Einfluß, zumal auf die Entwickelung des deutschen Realschulwesens, hatte seine "Pädagogische Revue" (seit 1840). Auch seine zahlreichen methodischen Bücher, in denen er die genetische Methode und den erziehenden Unterricht empfahl, namentlich: "Die genetische Methode des Unterrichts in fremden Sprachen" (Zürich 1846), fanden viel Anklang.

Magerkeit (Macies), Mangel von Fettansatz, derjenige Zustand eines Wesens, in welchem es weniger Körperfülle, Rundung der Formen und Fettansammlung unter der Haut zeigt, als bei Individuen seiner Art und seines Alters gewöhnlich sich findet. Die M. kann Folge einer Krankheit oder beschränkter Ernährung sein, aber auch ihren Grund in klimatischen, sozialen, gemütlichen und andern Verhältnissen haben, welche der Fettbildung hinderlich sind. Sie ist gewöhnlich ein minder gutes Zeichen, wenn sie nach vorheriger Körperfülle als Abmagerung eintritt.

Maggia, Valle (spr. walle maddscha, deutsch Mainthal), ein System tessinischer Hochalpenthäler, deren Wasser, zur Maggia gesammelt, bei Locarno den Lago Maggiore erreichen. Die oberste Stufe, Val Lavizzara, enthält, 2240 m ü. M., den Quellsee