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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Makedonien

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Makedonien (Geschichte).

Boden, deren der Haliakmon drei, der Erigon und Ludias eins durchströmen. Ein eignes Becken für sich bildet die Landschaft Eordäa (das Becken des Sees von Ostrowo), die rings von hohen Bergen umschlossen ist, nach O. vom Bermios (1600 m, jetzt Doxa) und Kitarion (1000 m, jetzt Turla), nach N. vom Bora (2000 m, jetzt Nidsche), nach W. und S. von den 1100-1500 m hohen Ausläufern des Barnos (Kette des Peristeri). Ein fast durchweg enges Thal, das sich nur in seinem Unterlauf zu einer fruchtbaren Ebene erweitert, durchfließt der Strymon. Die obersten jener Becken liegen so hoch (bis 860 m), daß das Klima für 40-41° nördl. Br. rauh zu nennen ist und die aus Eichen, Buchen und Fichten bestehenden Wälder einen durchaus nördlichen Charakter tragen. Doch waren die Gebirgsgegenden zur Viehzucht gut geeignet und bargen in ihrem Innern Metalle aller Art, besonders Gold und Silber (im Pangäon, bei Philippi und im Dysoron waren reiche Gruben, die jetzt verschollen sind). Groß ist die Anzahl ansehnlicher Seen, deren alte Namen wir zum Teil nicht mehr wissen. Bekannt sind nur die des Begorritis (Sari Göl, südlich von Ostrowo), Bolbe (Beschik Göl, Östlich von Salonichi), Kerkinitis (Tachyno Göl, durch den der Strymon fließt) und Prasias (See von Butkowo). Von einzelnen Landschaften mit ihren Städten sind zu nennen: Päonien, am obern Strymon und mittlern Axios, mit der Hauptstadt Stobi; Pelagonien, westlich davon, am obern Erigon, mit Stubera; Lynkestis, am mittlern Erigon, mit Heraklea Lynkestis (jetzt Bitolia); Orestis, am obern Haliakmon, mit Keletron; Elimea, am mittlern Haliakmon; Eordäa, nordöstlich vom vorigen; Pierien, am nördlichen Fuß des Olympos, mit den Städten Pydna, Dion und Methone; Emathia, der westliche, innere Teil der Strandebene, mit Berrhöa (Veria), Kition, Ägä oder Edessa (jetzt Wodena), der ältern Residenz der Könige; südöstlich davon Bottiäa, die Küstengegend, mit Pella, der spätern Residenz; nördlich davon Almopia, am obern Ludias (heute Moglena); zu beiden Seiten des untern Axios Amphaxitis; Mygdonien, nördlich von der Chalkidike, mit Thessalonika (Salonichi); östlich vom vorigen am untern Strymon Bisaltia, nördlich Krestonia. Im untern Strymonbecken lagen die großen thrakischen Städte Heraklea Sintike und Siris (Seres), im Gebiet der Edonen am Pangäongebirge und in der Ebene des Flusses Angites die berühmten Städte Amphipolis (jetzt Marmara, südlich von Neochori) und Philippi oder Krenides (jetzt Filibedschik). Erst spät kam auch die Halbinsel Chalkidike zu M. S. Karte "Altgriechenland".

Geschichte. Die Bewohner Makedoniens waren teils Pelasger, teils Phrygier, teils Thraker und Illyrier. Ob aber das kleine rüstige Bergvolk der Makedonier am obern Haliakmon dorischen oder barbarisch-illyrischen Ursprungs gewesen, darüber lauten die Nachrichten verschieden; jedoch scheinen die Sagen, die von Einwanderungen heraklidischer Fürsten berichten, und der Umstand, daß die makedonischen Könige als Hellenen zu den Olympischen Spielen zugezogen wurden, für die erstere Ansicht zu sprechen. Der Name M. wird abgeleitet von einem alten König Makedo, einem Sohn des Zeus und der Thyia, einer Tochter des Deukalion. Als erster König und Gründer des Reichs wird Perdikkas I. genannt (um 700 v. Chr.). Unter seinen vier Nachfolgern dehnten sich die Grenzen des Landes im S. schon bis zum Olymp und den Kambunischen Bergen, im O. bis zum Strymon aus, als unter Amyntas I. (540-498) die Annäherung der Perser den Eroberungen ein Ziel setzte; dessen Sohn Alexander I. (489-454) mußte sogar Xerxes Heeresfolge leisten. Während Alexanders vier Söhne um die Herrschaft haderten, gelang es den Athenern, sich einer großen Anzahl von Küstenstädten zu bemächtigen und das wichtige Amphipolis zu gründen. Kaum aber hatte einer der Brüder, Perdikkas II. (436-413), sich nach Beseitigung der Übrigen der Alleinherrschaft bemächtigt, so machte er, mit kluger Benutzung der Zerwürfnisse unter den griechischen Staaten während des Peloponnesischen Kriegs, M. wieder frei und mächtig. Ihm folgte nach Ermordung der näher berechtigten Erben sein natürlicher Sohn Archelaos (413-399). Dieser, ein Freund hellenischer Bildung, suchte dieselbe auch unter den Makedonien zu verbreiten, verlegte deshalb, um der griechischen Welt näher zu rücken, seine Residenz von Ägä (Edessa) nach Pella und berief bedeutende Männer, wie Hippokrates, Zeuxis, Euripides u. a., an seinen Hof. Wichtiger noch war die Beförderung des Ackerbaues, Anlegung von Landstraßen, Befestigung der Städte, Einrichtung des Heers nach griechischer Weise etc. Nach seinem Tode trat nach zwei kurzen Zwischenregierungen (Orestes und Aeropos, 399-393) unter Amyntas II. (393-369) wieder eine traurige Zeit ein, voll von innern Unruhen, die das Land an den Rand des Abgrundes brachten. Die Lage wurde nicht besser unter seinen Söhnen Alexander II. (369-368) und Perdikkas III. (365-360; in der Zwischenzeit von 368-365 regierte ein Thronräuber, Ptolemäos), bis endlich der dritte Sohn, Philipp II., 359 die Regierung antrat und der Schöpfer der weltgeschichtlichen Größe seines Vaterlandes wurde. Über seine und Alexanders d. Gr. Regierung s. Philipp 2) und Alexander 1). Bei der Verteilung der Provinzen der Weltmonarchie Alexanders blieben M. und die Nachbarländer nebst Griechenland dem Antipatros I., den Alexander bei seinem Abzug nach Persien als Reichsverweser für jene Länder eingesetzt hatte, jedoch mit der Einschränkung, daß ihm Krateros mit dem Ehrenrang eines Regenten für die innern Angelegenheiten an die Seite gesetzt wurde. Krateros fiel in Asien gegen Eumenes 321; Antipatros starb 319, nachdem er den alten Feldherrn Polysperchon mit Übergehung seines Sohns Kassandros zum Nachfolger eingesetzt hatte. Im Kampf zwischen beiden blieb Kassandros Sieger und wurde, als nach der Schlacht von Ipsos (301) auf den Trümmern der persisch-hellenischen Monarchie vier neue Monarchien sich erhoben, von neuem in dem Besitz von M. und Griechenland bestätigt. Nach seinem Tod 296 folgten zunächst Philipp, Antipatros und Alexander IV.; dann wurde Demetrios Poliorketes, des Antigonos Sohn, zum König ausgerufen (294), aber 287 von Pyrrhos, dieser nach siebenmonatlicher Regierung von Lysimachos (286) vertrieben; Lysimachos fiel 281 gegen Seleukos, der nun den Thron von M. bestieg, aber schon 280 von Ptolemäos Keraunos ermordet wurde, der ihm dann in der Herrschaft folgte. Nachdem dieser noch in demselben Jahr gegen die Gallier geblieben war, die das Land verheerten, folgten ihm sein Bruder Meleagros und auf diesen nach zwei Monaten Antipatros II., auf diesen Sosthenes, Ptolemäos, Antipatros III. und zum zweitenmal Pyrrhos. 276 trat Antigonos I. Gonatas, Sohn des Demetrios Poliorketes, als Regent auf, vertrieb die Gallier, besetzte Athen und Korinth und suchte die Verhältnisse seines Reichs zu ordnen. Er starb 240. Auf seinen Sohn Demetrios II. folgte 230 für den unmündigen König