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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Malta

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Malta (Geschichte).

linige, ungegliederte und unzugängliche Steilküste bildet, nach NO. zu sich allmählich zum Meer absenkt und hier von Buchten eingeschnitten ist, unter denen die von La Valetta (s. d.) und die Marsa Scirocco an der Ostküste die bedeutendsten sind. Die Insel hat nur fünf kleine Bäche, und das Regenwasser wird in Cisternen sorgfältig angesammelt. Eine Wasserleitung bringt das Wasser der im südlichen Teil der Insel gelegenen Quellen nach der Hauptstadt. Bemerkenswert sind die zahlreichen Höhlen. Das Klima ist ungemein heiß und der Himmel vom Mai bis August wolkenlos und von wunderbarer Klarheit. Den September hindurch weht der ermattende, ungesunde Scirocco; die eigentlichen Wintermonate (Dezember, Januar, Februar) bringen endlich Regengüsse von tropischer Stärke und den aus NO. wehenden kalten Gregale. Die mittlere Temperatur beträgt im Winter 14° C. (Minimum 11,75°), im Sommer 25° C. (Maximum 40,5°). Die Vegetation ist ungemein üppig, besonders rücksichtlich der schon im Altertum berühmten Rosen. Man findet auf M. die Pflanzen Italiens sowie einige tropische, aber der heftigen Winde wegen keine Bäume, mit Ausnahme des Johannisbrotbaums. Die Malteser haben dunkle Gesichtsfarbe und starken Körperbau. Die Männer sind hoch, kräftig und rührig, die Weiber im allgemeinen unter Mittelstatur, aber anmutig, von regelmäßigen Gesichtszügen und feinem Körperbau. Im allgemeinen sind die Malteser arbeitsam, mäßig und genügsam, auch als vorzügliche Seeleute in allen Häfen des Mittelländischen Meers geschätzt. Abgesehen von den Truppen, sprechen (1871) 15,591 Einw. italienisch, 9690 englisch. Die niedern Volksklassen sprechen ein mit Italienisch gemischtes Arabisch. Für die Bildung des Volkes sorgen eine vom Großmeister Pinto gegründete Universität, 2 Lyceen und zahlreiche von der Regierung und von Privaten unterhaltene Schulen, welche 1884 von 12,207 Schülern besucht waren. Die gesamte einheimische Bevölkerung ist katholisch, doch bestehen in der Hauptstadt einige protestantische Gemeinden. Die katholische Geistlichkeit (1871: 835 Weltpriester, 366 Ordensgeistliche und 179 Nonnen) ist zahlreich und besitzt die Renten von etwa einem Viertel des Landeigentums. Der Landbau wird mit der größten Sorgfalt betrieben. Durch Zerbröckeln von Fels wird Erde gewonnen, auch ist fruchtbare Ackererde aus Sizilien herbeigeschafft worden, und Mauern schützen die Felder gegen die verheerende Wirkung der Winde. Hauptprodukte der Landwirtschaft sind Weizen, Kartoffeln, Klee, Baumwolle, Südfrüchte, Obst, Sesam, Zuckerrohr, Wein und etwas Öl. Der Viehstand besteht (1885) aus 6125 Pferden, Maultieren und Eseln, 9005 Rindern, 10,526 Schafen und 6007 Ziegen, und namentlich werden die Maultiere und Esel wegen ihrer Schönheit und Stärke geschätzt. Die Bienenzucht liefert einen vortrefflichen Honig; Seefischfang und Korallenfischerei bilden wichtige Erwerbszweige. Salz gewinnt man aus dem Meerwasser; von Mineralien werden Marmor, Alabaster und gute Bausteine gebrochen. Die gewerbliche Thätigkeit der Einwohner liefert namentlich Baumwoll- und Seidenzeuge, Spitzen, Goldfiligranarbeiten, Zigarren und Möbel. Der Handel von M. ist ausgedehnt. Der Tonnengehalt der eingelaufenen Schiffe war 1885: 5,269,488 (davon 4,600,000 britisch). Die Einfuhr an zollpflichtigen Waren belief sich auf 18,757,263 Pfd. Sterl., die Ausfuhr auf 17,409,029 Pfd. Sterl. Die ausübende Gewalt liegt in den Händen eines Gouverneurs, dem ein Rat von 17 Mitgliedern (9 von der Krone ernannt und 8 von der Bevölkerung gewählt) zur Seite steht. Die Gesetze stammen meist noch aus der Zeit der Johanniter. Die Einnahmen (1886: 205,830 Pfd. Sterl.) fließen aus indirekten Steuern und dem Ertrag der Kronländereien. Die Kolonialschuld beläuft sich (1886) auf 85,452 Pfd. Sterl. M. unterhält eine Lokalmiliz (Malta Fencibles) von 387 Mann. Durch seine Lage im Zentrum des Mittelmeers, in der Nähe zweier Erdteile, zwischen dem Abendland und der Levante ist M. sowohl als Hauptstation für die Dampfschiffahrt und als Entrepot im Mittelmeer wie auch in strategischer Hinsicht von großer Wichtigkeit. Es bildet einen der Hauptstützpunkte der englischen Macht im Mittelmeer und ist daher durch die Engländer zu einer uneinnehmbaren Festung umgewandelt. Hauptstadt ist La Valetta. S. Karte "Mittelmeerländer".

Geschichte. M. und Gozo waren im frühsten Altertum, um 1200 v. Chr., Kolonien der Phöniker, von denen sich noch Ruinen und Inschriften erhalten haben. Zu jener Zeit hieß M. Melite, Gozo Gaulos. Die Phöniker schafften fruchtbare Erde nach M., bedeckten damit den nackten Felsboden und legten Äcker, Wein- und Baumpflanzungen an. Im 8. Jahrh. ließen sich auch Griechen auf M. nieder. M. erfreute sich des Rufs, die feinsten Baumwollwaren zu liefern; auch die Rosen und der Honig der Insel waren berühmt. Um 400 v. Chr. erfolgte die Okkupation der Insel durch die Karthager, die nach dem zweiten Punischen Krieg den Römern weichen mußten, welche sich aber wenig um die Insel kümmerten; dieselbe wurde daher ein Schlupfwinkel für Seeräuber. 56 n. Chr. scheiterte bei M. der Apostel Paulus und bekehrte mehrere Insulaner zum Christentum. Die Vandalen entrissen die Insel 454 den Römern, mußten sie aber 494 den Goten räumen. Belisar vertrieb diese 534 und besetzte M. für das byzantinische Reich. 870 und zum zweitenmal dauernd 904 bemächtigten sich die Araber der Insel und änderten den Namen Melite in Maltache um (woraus später M. ward). Die Normannen nahmen M. 1090 unter dem Grafen Roger, verbanden es mit Sizilien und errichteten auf der Insel ein Marquisat. 1284 siegten hier die Aragonier unter Loria mit der sizilischen Flotte in einer Seeschlacht über die Franzosen, die genötigt wurden, M. zu verlassen. Kaiser Karl V. wies 1525 dem aus Rhodos vertriebenen Johanniterorden die gänzlich verwahrloste und verödete Insel an, und nachdem eine päpstliche Bulle 1530 den Orden im Besitz der Insel bestätigt hatte, ließ sich dieser 26. Okt. d. J. hier nieder und wurde danach Malteserorden genannt. Ein Angriff der Türken 1531 bewog den Großmeister des Ordens, Befestigungen auf M. anzulegen. Bei einem neuen Angriff der Türken 1565 mußten sich dieselben mit Verlust von 20,000 Mann zurückziehen. Um gegen fernere Angriffe gesichert zu sein, legte der damalige Großmeister des Ordens, Johann de la Valette, 1566 den Grundstein zur Stadt La Valetta. Durch später hinzugekommene verschiedene Befestigungen wurde die Insel immer mehr gesichert. Im Juni 1798 nahm Bonaparte auf seinem Zug nach Ägypten infolge der Schwäche des Ordens M. ohne Widerstand, aber schon im September 1800 mußte sich die französische Besatzung nach einer harten Blockade an die Engländer ergeben. Nach dem Frieden von Amiens (1802) sollte zwar M. an den Orden zurückfallen; aber England verweigerte die Zurückgabe, und im Frieden zu Paris (1814) wurde den Engländern der Besitz von M. definitiv zugestanden. Vgl. Boisgelin, Ancient and modern M. (Lond.