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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mandelbräune; Mandelgewächse; Mandelkrähe; Mandeln; Mandelöl; Mandelstein

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Mandelbräune - Mandelstein.

bittern Mandeln. Von den verschiedenen Handelssorten sind die süßen von Valence (Dauphiné) die besten, ihr stehen nach Sizilianer (Avola, Girgenti) und Puglieser (Bari), Provencer (Avignon), spanische (Malaga), portugiesische (Oporto, Lissabon). Die geringsten sind die kleinen Barbarica aus dem Marokkanischen. Die besonders große, dicke und wohlschmeckende Ambrosiamandel stammt aus der Gegend von Florenz. Die Krachmandeln kommen besonders aus Marseille und Sizilien. Die kurze, dicke Mandel des Handels mit harter, rundlicher Schale stammt von einer in Südfrankreich kultivierten Aprikose; auch werden solche Aprikosenmandeln und noch mehr das aus ihnen gewonnene fette Öl vielfach aus Syrien in den Handel gebracht. Die bittern Mandeln sind meist spitziger und etwas kleiner als die süßen; die besten kommen aus Sizilien und der Provence, geringere aus Oporto und Marokko. Die süßen Mandeln schmecken angenehm ölig, süß und schleimig, besonders wenn die braune, gerbstoffhaltige Samenhaut abgeschält ist. Sie enthalten bis 55 Proz. fettes Öl, 6 Proz. Zucker, 3 Proz. Gummi, 24 Proz. Eiweißkörper, darunter das fermentartige Emulsin und viel Legumin, außerdem 5 Proz. mineralische Stoffe, namentlich Kalium-, Magnesium- und Calciumphosphat. Die bittern Mandeln enthalten dieselben Stoffe, aber weniger fettes Öl (bis 44 Proz.), außerdem Amygdalin (s. d.), welches beim Zerreiben der Mandeln mit Wasser durch das Emulsin sofort in Bittermandelöl (Benzaldehyd), Blausäure und Zucker zersetzt wird und die giftige Wirkung der bittern Mandeln bedingt. Man benutzt die in Deutschland seit 716 bekannten, von Karl d. Gr. 812 zum Anbau empfohlenen Mandeln als Obst (Dessert, besonders Krachmandeln), zu Backwerk und Konditorwaren, zur Gewinnung von fettem Öl, Bittermandelöl, Bittermandelwasser und Amygdalin, in der Medizin zu Emulsionen, welche auch sonst als Mandelmilch Anwendung finden. Die ausgepreßten und gepulverten Mandeln bilden die Mandelkleie.

Mandelbräune, Mandelentzündung, s. Bräune; brandige M., s. v. w. Diphtheritis.

Mandelgewächse, s. Amygdaleen.

Mandelkrähe (Rake, Coracias L.), Gattung aus der Ordnung der Klettervögel und der Familie der Raken (Coraciadae), Vögel mit mittellangem, kräftigem, auf der Firste abgerundetem, leicht gebogenem, gegen die Spitze zusammengedrücktem, scharf schneidigem und an der Spitze übergebogenem Schnabel, langen, spitzigen Flügeln, in welchen die zweite Schwinge am längsten ist, mittellangem, ziemlich starkem, geradem Schwanz und kurzem Lauf. Die Blaurake (Garben-, Goldkrähe, Birkenhäher, Galgen-, Golk-, Helk-, Halsvogel, C. garrula L., s. Tafel "Klettervögel") ist 32 cm lang, 72 cm breit, an Kopf, Hals, Unterseite und Flügeldecken zart grünlichblau, am Mundwinkel und Kinn weißlich, Bürzel tiefblau; Mantel und Schultern sind braun, Hand- und Armschwingen schwarz, an der Wurzel blau, die Schwingen überhaupt unterseits blau, die beiden mittelsten Schwanzfedern schmutzig graubraun, die übrigen dunkelblau, die beiden äußersten etwas verlängert und an der Spitze schwarz; der Schnabel ist schwarz, das Auge braun, der Fuß schmutzig dunkelgelb. Die Blaurake bewohnt Europa bis Skandinavien, besonders Südrußland, Spanien und Griechenland, auch einen großen Teil Asiens und Afrikas, ist bei uns nicht häufig, kommt Ende April und geht wieder im August, um ganz Afrika und Südasien zu durchstreifen. Sie bevorzugt ebene, trockne Gegenden, in welchen sie von einzeln stehenden Bäumen, Felswänden oder Ruinen aus Umschau halten kann, und wird im Spätsommer auch häufig auf Getreidemandeln gesehen. Sie lebt paarweise, im Herbst in Familien, meidet den flachen Boden, fliegt vortrefflich, ist sehr unstet und flüchtig, unverträglich und bissig. Sie nährt sich von Kerbtieren, kleinen Fröschen u. Eidechsen, frißt auch Mäuse, junge Vögel und Feigen und ist sehr gefräßig. Sie nistet in Baumhöhlungen, im Süden auch in Mauerspalten, selbstgegrabenen Erdlöchern und unter Dächern und legt 4-6 weiße Eier (s. Tafel "Eier I", Fig. 5).

Mandeln (Amygdalae, Tonsillae), bei den Säugetieren zwei zur Kategorie der sogen. geschlossenen Lymphdrüsen (s. d.) gehörige Organe im hintern Teil der Mundhöhle. Sie ragen mit ihrer freien Fläche in diese hervor und füllen den dreieckigen Raum aus, welchen die vom weichen Gaumen herabsteigenden Gaumenbogen mit dem seitlichen Teil der Zungenwurzel bilden. Sie sind im allgemeinen mandelförmig, beim Menschen 14 mm lang, 9 mm breit und bestehen aus 10-20 größern Lymphfollikeln und einer Anzahl kleinerer Drüsen, welche durch Falten der Mundschleimhaut voneinander getrennt sind. Früher wurden sie als Schleimdrüsen angesehen, sie lassen aber Lymphzellen massenhaft aus sich heraus in den Mund gelangen, zu welchem Zweck, ist allerdings noch unbekannt. Die M. sind bei dem Neugebornen noch nicht vorhanden. In den ersten Lebensmonaten fangen sie erst an, sich zu entwickeln, und erreichen ungefähr im dritten Lebensjahr relativ ihre volle Größe. Sie sind häufigen Entzündungen unterworfen (s. Bräune), schwellen dabei an und bleiben, wenn diese Prozesse häufig wiederkehren, zuweilen dauernd vergrößert und derb; sie enthalten dann kleine abgestorbene Gewebspfröpfe, welche der Zersetzung anheimfallen und sehr übeln Geruch aus dem Mund veranlassen. Mitunter werden kleine Eiterherde eingedickt, verkalken und bilden die Mandelsteine; dieselben haben meist die Größe eines Hanfkorns, gelangen von Zeit zu Zeit unter Schlingbewegungen in die Mundhöhle und werden oft für Stücke kariöser Zähne gehalten. Sie sind gesundheitlich völlig bedeutungslos, bei den lästigen Schwellungen der M. ist aber rechtzeitige Abtragung mit dem Messer um so mehr angezeigt, als diese Operation trotz des oft beträchtlichen Blutverlustes beinahe schmerzlos und bei kunstgerechter Ausführung ganz gefahrlos ist. Vgl. Tafel "Halskrankheiten", Fig. 5 u. 6.

Mandeln, in der Mineralogie und Geologie die nachträglichen Ausfüllungen ursprünglicher Hohlräume blasiger Gesteine (s. Mandelstein).

Mandelöl, aus zerstoßenen bittern oder süßen Mandeln durch Pressen gewonnenes fettes Öl, ist zuerst etwas trübe und schleimig, klärt sich aber bald, besonders nach dem Filtrieren, und ist dann auch haltbarer. Es ist gelblich, dünnflüssig, geruchlos, schmeckt mild süßlich, spez. Gew. 0,917, wird leicht ranzig, löst sich in jedem Verhältnis in Äther, in 25 Teilen kaltem und 6 Teilen heißem Alkohol, erstarrt bei -21° butterartig und trocknet nicht an der Luft. Das M. wird in der Medizin zu Emulsionen und zarten Salben, als Kosmetikum und wohl auch als Speiseöl benutzt. Das gewöhnliche M. des Handels ist häufig mit Baumöl vermischt. - Ätherisches M., s. v. w. Bittermandelöl.

Mandelstein (Amygdaloid), Strukturform verschiedener vulkanischer Gesteine, deren ursprüngliche Hohlräume (Blasenräume, s. d.) gänzlich oder doch zum Teil durch später gebildete Mineralien (Quarz,